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Babenhausen

02.08.2020

Blaualgen bremsen den Badespaß in Babenhausen aus

Am Babenhauser Rothdachweiher ist eine Blaualgen-Entwicklung aufgetreten. Das Gesundheitsamt am Unterallgäuer Landratsamt verhängte ein Badeverbot. Gelbe Zettel weisen darauf hin.
Bild: Sabrina Karrer

Plus Bitter für die Babenhauser und die Kioskbetreiberin: Seit Tagen darf niemand in den Rothdachweiher. Wieso ist das Badeverbot erforderlich – und wann ist mit Entwarnung zu rechnen?

Es hätte so schön sein können. Endlich ist der Sommer seinem Namen gerecht geworden, die Ferien haben begonnen, die Corona-Auflagen sind gelockert. Und trotzdem, sagt Iris Baumgartner, Betreiberin des Kiosks Seeblick, sitze sie nun „mutterseelenallein“ am Rothdachweiher in Babenhausen. Frustrierend, ja, das sei die Situation. Liegewiese, Ufer, Badeinsel sind in diesen Tagen menschenleer. Keine Sonnenschirme, keine Schwimmflügel. Stattdessen Zettel, auf denen in roter Schrift prangt: „Warnung Badeverbot!“ Fiese Bakterien tummeln sich im Wasser und trüben die Sommerfreude: Blaualgen.

Badesee muss sich regenerieren

Das Landratsamt Unterallgäu und die Marktgemeinde Babenhausen haben vor gut einer Woche darüber informiert, dass bis auf Weiteres niemand ins Wasser darf. Auch keine Hunde. Das Gesundheitsamt verhängte ein Badeverbot, nachdem es eine „sehr hohe Konzentration“ eines Giftstoffs festgestellt hatte, den Blaualgen produzieren. Wie lange das Verbot gilt, ist laut Pressesprecherin Sylvia Rustler „nicht abschätzbar“. Man muss warten, bis sich der See regeneriert.

Die Umstände zumindest lassen wenig Raum für Optimismus: Denn hohe Temperaturen, wie sie zuletzt herrschten und laut Prognosen auch in dieser Woche erreicht werden, begünstigen die Vermehrung der Organismen. Allgemein häufig von einer plötzlichen Blaualgenblüte betroffen sind Wissenschaftlern zufolge nährstoffreiche und langsam fließende oder stehende Gewässer.

Wasser und Liegewiese des Babenhauser Rothdachweihers sind in diesen Tagen verwaist.

Anders als der Name es vermuten lässt, haben Blaualgen nichts mit Algen zu tun. Es handelt sich um Cyanobakterien. Die Organismen kommen in geringer Menge praktisch in jedem Gewässer vor und sind dann auch weitgehend ungefährlich. Ein Risiko entwickelt sich, wenn sie sich massiv vermehren. Denn manche Cyanobakterien produzieren Giftstoffe, die sie an das Wasser abgeben. In höherer Konzentration gefährden diese die Gesundheit von Mensch und Tier.

Auf eine starke Blaualgen-Belastung kann immer trüber werdendes Wasser hindeuten. Charakteristisch ist außerdem ein muffiger Geruch. Manchmal bilden sich grün bis blaugrün schimmernde Teppiche auf der Wasseroberfläche. „Vermeiden Sie den Aufenthalt in Bereichen mit sichtbaren Schlieren und Aufschwemmungen“, steht deshalb auf den gelben Hinweiszetteln des Gesundheitsamts. Im Uferbereich könne es bei bestimmten Windverhältnissen zu einer „Aufrahmung“ von Blaualgen kommen.

Bislang keine Krankheitsfälle bekannt

Direkter Kontakt sollte vermieden werden. Vor allem das Schlucken von belastetem Wassers kann ernsthafte Folgen haben. So sollten etwa (Klein-)Kinder nicht im seichten Uferbereich betroffener Gewässer spielen und Hundebesitzer auf ihre Haustiere achten. Hautreizungen, Quaddelbildung, Durchfall, Erbrechen und Atemnot zählen zu den Symptomen, die auftreten können. Wer unter Beschwerden leidet, sollte einen Arzt aufsuchen. Auf Nachfrage sagt Sylvia Rustler vom Landratsamt: „Von Krankheitsfällen ist uns bislang nichts bekannt.“

Das Gesundheitsamt beobachte die Entwicklung nun und führe vermehrt Kontrollen durch, sagt sie. In der Regel nimmt die Behörde in der Badesaison mindestens einmal im Monat Wasserproben von den sogenannten EU-Badeseen – der Rothdachweiher ist einer von dreien im Unterallgäu – und lässt sie auf Keime untersuchen. Besteht ein Verdacht, wie es in Babenhausen der Fall war, wird das Wasser auch gezielt auf Blaualgen getestet. Schon 2019, berichtet Rustler, seien Blaualgen im Rothdachweiher vorgekommen, allerdings in niedriger, unbedenklicher Konzentration. Ein Badeverbot war nicht erforderlich.

Erst der Corona-Lockdown, dann die Blaualgen - das frustriert

In diesem Jahr aber müssen die Babenhauser zumindest zeitweise auf ihren See verzichten. „In der heißen Jahreszeit ist es natürlich am ungünstigsten, wenn so etwas passiert“, sagt Bürgermeister Otto Göppel. Viele weichen auf der Suche nach Abkühlung nun auf Gewässer in der Umgebung aus. Nicht auf den Fuggerweiher westlich der Marktgemeinde; der eigne sich nicht zum Baden. Dafür aber auf den Oberrieder Weiher bei Breitenthal oder auf die Seen bei Filzingen und Sinningen. Wer dort schwimmen will, muss ein paar Kilometer auf dem Fahrrad oder im Auto in Kauf nehmen.

Schlieren heimischer Blaualgen. Das Bild entstand nicht in Babenhausen.

Dass die Badegäste in der Hauptsaison ausbleiben, trifft den Kiosk Seeblick am östlichen Ufer des Weihers hart. Die Tage mit Temperaturen über 30 Grad machen eigentlich den Hauptverdienst aus, erzählt Betreiberin Iris Baumgartner. Ausgerechnet jetzt gilt das Badeverbot. Dabei hatte schon der Lockdown im April – bei schönstem Sonnenschein – Einbußen mit sich gebracht. Sie appelliert an die Babenhauser und andere Gäste, den nach wie vor geöffneten Kiosk zu besuchen, auf ein Getränk oder einen Imbiss: „Das hier ist ein so idyllischer Fleck, auch wenn man gerade nicht baden kann.“ Nicht nur sie hofft, dass am See bald wieder Sonnenschirme aufgespannt und Schwimmflügel aufgepustet werden. „Sobald es Entwarnung gibt, sagen wir Bescheid“, verspricht der Bürgermeister.

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