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08.06.2009

Die Türkin in deutscher Uniform

Weißenhorn Blaue Augen, blonde Strähnen, ein kleines silbernes Nasenpiercing - dass Gülden Karabulut eine Türkin ist, sieht man auch auf den zweiten Blick nicht. "Im Einsatz gebe ich mich auch erst mal nicht zu erkennen", sagt sie und grinst. Die 25-Jährige ist Polizistin in der Inspektion Weißenhorn - und die einzige im Landkreis mit einem ausländischen Pass.

Schon als Kind war Polizistin ihr Traumberuf. "Die Uniform hat mich fasziniert", sagt sie. "Die schwarze Lederjacke und das Auto - wie im Fernsehen." Doch mit türkischem Pass war die Chance auf eine Polizeilaufbahn in Deutschland gleich null - dachte sie und ging auf die Kinderpflegeschule.

Eher zufällig hat sie durch einen Bekannten erfahren, dass man auch mit ausländischem Pass in den deutschen Staatsdienst eintreten kann. Gülden Karabulut versuchte es und bestand die Aufnahmeprüfung, zu der unter anderem ein Fitnesstest und eine Deutschprüfung gehören. Nach zweieinhalb Jahren Ausbildung in Eichstätt kam sie 2005 nach München und später zur Verkehrspolizei nach Kempten.

Seit März vergangenen Jahres ist sie in Weißenhorn als Streifenpolizistin unterwegs. "Die Arbeit ist sehr vielseitig", sagt sie. "Quer durch das ganze Strafgesetzbuch." Wenn bei einem Einsatz Türken nur gebrochen Deutsch reden, spricht sie in deren Muttersprache mit ihnen. Das komme aber selten vor, sagt sie, die meisten Türken sprächen ganz gut deutsch.

Die Türkin in deutscher Uniform

Probleme, sich bei ihren Landsleuten durchzusetzen, hatte Gülden Karabulut noch nicht. "Natürlich gibt es konservative türkische Männer, die nicht auf eine Frau hören wollen", meint sie. "Aber die müssen sich von mir was sagen lassen. Ich mache ja nur meine Arbeit."

Bereicherung für die Polizei

Insgesamt fünf Polizisten mit ausländischer Staatsangehörigkeit gibt es im Raum des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. "Solche Leute sind ein Zugewinn für die Polizei", sagt Sprecher Christian Owsinski. "Sie können sich in die ein oder andere Situation mit ihren Landsleuten einfach besser einfühlen." Eine besondere Aufnahmeprüfung müssen ausländische Polizeianwärter nicht bestehen - sie werden genauso behandelt wie Deutsche.

Auch mit Gülden Karabulut wird auf ihrer Inspektion wie mit jeder anderen Polizistin umgegangen, inklusive Spitzname. "Meine Kollegen nennen mich Goldi", sagt sie und grinst. "Das hat sich so entwickelt, wegen dem Namen und meinen Haaren." Ihr Aussehen komme ihr auf Streife zugute: "Es ist mein Vorteil, wenn ich nicht gleich wie eine Türkin aussehe", sagt sie. Die Leute sähen sie dann in ihrer Funktion als Polizistin.

Ihren türkischen Pass abgeben und Deutsche werden, will sie aber auch in Zukunft nicht: zu viel Formalitäten, die in der Türkei sehr lange dauern würden. "Ich komme auch ohne deutschen Pass zurecht", sagt sie und grinst wieder. Fühlt sie sich als Türkin oder als Deutsche? "Eine schwierige Frage", meint Gülden Karabulut. "Ich bin eine Türkin - aber wie fühlt man sich denn als Deutsche?"

Familie ist stolz auf sie

Die gebürtige Lauingerin lebt heute mit ihrem Mann in Krumbach. Was sagt er zu ihrem Job? "Meine Familie ist stolz auf mich." Ihre Eltern hätten sie immer unterstützt, vor allem während der Ausbildung.

Besonders das Beamtendeutsch habe ihr anfangs Probleme bereitet: "Mein erstes Gesetz im allgemeinen Polizeirecht habe ich dreimal durchlesen müssen", sagt sie und lacht.

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