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Bellenberg

05.12.2020

Dieses Schloss in Bellenberg fiel der modernen Zeit zum Opfer

So sah das Schloss in Bellenberg einst aus. Im vergangenen Jahrhundert wurde es nebst Gartenpavillon abgerissen.
Bild: Repro Ralph Manhalter

Plus In Bellenberg stand einst ein schmuckes Schloss. Warum das Gebäude letztlich wegen des stetigen Fortschritts weichen musste.

Lange genug hatte es ja gedauert. Durch all die Jahrhunderte interessierte sich keiner der adeligen Herren ernsthaft für das Stückchen Land an der Illerleite. Welch glorreiche Zeiten, als sich Heinrich der Singär von Bellenberg als Bürger der Stadt Memmingen noch in Benningen einkaufte. Kurz darauf war dann Schluss: Um 1377, im Jahr der Grundsteinlegung für das Ulmer Münster, zerstörten eben diese Ulmer die Burg zu Bellenberg.

Vorausgegangen war ein Streit zwischen den damaligen Ortsherren, den habsburgisch gesinnten Herren von Ellerbach, und der freien Reichsstadt an der Donau. Nun, mag man gelassen vermuten, habe man das beschädigte Werk doch wieder aufbauen können, so wie es Hunderte von Malen im hohen Mittelalter geschehen war. Allein, nichts dergleichen geschah.

Bellenberg gehörte einst zum Kloster Roggenburg

Die Ellerbacher zogen sich in ihr sicheres Refugium Laupheim zurück und schauten wohl nur dann und wann jenseits der Iller nach dem Rechten. Dabei zählte der Ort Bellenberg im Vergleich zum kaiserlichen Lehen Laupheim gar zum Eigenbesitz der hochadeligen Herren. Auch deren Nachfolger, die Erbmarschälle von Pappenheim, verwalteten den Besitz von außerhalb, ohne im Ort ansässig zu werden. Stattdessen zeigten diese plötzlich Interesse am alten Schlossberg. Die durchgeführten Grabungen waren wohl weniger archäologischen Fragen geschuldet als vielmehr mit der Hoffnung verbunden, einen Schatz ans Tageslicht zu befördern. Gefunden wurde Mauerwerk – von Gold keine Spur!

Vielleicht bedurfte es erst eines Außenseiters, einem unehelichen, von der Erbfolge ausgeschlossenen Sohn, um den Fokus wieder auf den kleinen Ort im Illertal zu lenken. Wir befinden uns zwischenzeitlich im 18. Jahrhundert, als Bellenberg in den Einflussbereich der mächtigen Herren von Rechberg geriet. Allerdings verfügte Freiherr Franz Xaver Leo aus diesem Geschlecht über keinen Erben. Lediglich einen Sohn aus einer nicht standesgemäßen Ehe konnte er aufweisen. Jedoch gelang es dem Vater unter Aufgabe einiger Ansprüche, den kleinen Franz Xaver beim Kaiser Joseph II. legitimieren zu lassen.

Doch der Rechberger sorgte sich noch weitaus mehr um seinen Sprössling: Für ihn erwarb er im Jahr 1764 die Herrschaft Bellenberg vom Kloster Roggenburg. Klein aber mein, mag sich der junge Franz Xaver gedacht haben, denn schon wenige Jahre später ging er daran, sich im Ort ein kleines Schlösschen als Sommerresidenz errichten zu lassen. Zusammen mit Nebengebäuden, einem Garten und einem reizvollen, achteckigen Pavillon schien das Gut den Bedürfnissen des Besitzers gerecht geworden zu sein. Auch als dieser als „Obrist-Kuchelmeister“ an den Württembergischen Hof nach Ludwigsburg bestellt wurde, geriet das Sommerschlösschen in Bellenberg nicht in Vergessenheit.

Den Vöhlin gelang es nicht, die Ortsherrschaft über Bellenberg zu erwerben

Erst 1783 wurde die Herrschaft Bellenberg an Freiherr Philipp Adolph von Hermann auf Wain veräußert. Für dessen große Kinderschar erwies sich das Gartenschlösschen jedoch schnell als zu beengt, sodass sich der Adlige an der Stelle einer abgerissenen Gastwirtschaft ein breites Herrenhaus mit mächtigem Mansarddach errichten ließ. „Fünfzehn heizbare und vier unheizbare Zimmer nebst Küche, Gewölb, einem Haus- und einem abgesonderten Eiskeller“ habe das Gebäude aufgewiesen, wie der Illertisser Oberamtmann J. M. Paul dem bayerischen Kurfürsten schrieb. Mit seinen elf Achsen beherrschte das mit einem Dreiecksgiebel versehene Anwesen fortan das Ortszentrum der aufstrebenden Gemeinde, bis es vor einigen Jahrzehnten bedauerlicherweise dem verkehrsgerechten Ausbau der Bundesstraße weichen musste. Auch der barocke Gartenpavillon der Rechberger gehört der Vergangenheit an, sodass heute an dieser Stelle nichts mehr an die freiherrliche Vergangenheit erinnert.

Interessant in der frühneuzeitlichen Herrschaftsgeschichte sind die Ambitionen der benachbarten Vöhlin. Sowohl Illertissen als auch Vöhringen befanden sich in Besitz dieser einst betuchten Kaufleute, während das in der Mitte befindliche Bellenberg stets anderweitig vergeben war. Was wäre für die Vöhlin also näher gelegen, als die dortige Ortsherrschaft zu erwerben? Nun, Versuche, die in diese Richtung zielten, gab es mehrere. Allerdings wurde nicht verkauft, als die Vöhlin noch über ausreichend Kapital verfügten. In dem Moment, als ihnen die Herrschaft Bellenberg schließlich angeboten wurde, hatten die Vöhlin schon längst abgewirtschaftet.

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