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Dietenheim

28.06.2020

Friseure gehen wegen Corona früher in den Ruhestand

Ihren Ruhestand haben sich Tony und Raimund Leger redlich verdient, auch wenn sich die beiden Friseure erst noch daran gewöhnen müssen.
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Ihren Ruhestand haben sich Tony und Raimund Leger redlich verdient, auch wenn sich die beiden Friseure erst noch daran gewöhnen müssen.
Bild: Carmen Dörfler

Fast hätten Tony und Raimund Leger die 50 Jahre voll gemacht. So lange arbeiteten die beiden als Friseure in Dietenheim. Nun haben sie ihren Salon geschlossen.

49 Jahre lang kümmerten sich Tony und Raimund Leger in ihrem Salon in Dietenheim um das Haupthaar ihrer Kundschaft. Jetzt legen die beiden die Schere weg. Zeit für einen Blick zurück.

„Im Mai 1971 haben wir den Salon eröffnet“, erzählt Tony Leger, die zusammen mit ihrem Mann in der Wohnung direkt darüber lebt. „Die Eltern meines Mannes waren auch Friseure und hatten bereits einen Salon einige Straßen weiter, ebenfalls in Dietenheim. Den haben sie damals aus gesundheitlichen Gründen geschlossen, Raimunds Mutter ist bei uns eingestiegen.“ Das Geschäft lief gut, Stammkunden der Schwiegereltern waren von Anfang an da – und sind geblieben. „Es gibt einige Kunden, die bereits bei meiner Schwiegermutter waren und nun bis zur Schließung auch bei uns ihre Haare machen ließen“, sagt Tony Leger.

Sie haben sich im Job kennen gelernt

Kein Wunder, denn die beiden Coiffeure brennen für ihren Job, hat er sie doch auch als Paar zusammengebracht. Beide haben ihr Handwerk in Salons in Ulm erlernt. Als ihre beiden Arbeitgeber fusionierten, kam man sich nicht nur räumlich näher. Von Ulm aus ging es gemeinsam weiter nach München, wo Raimund Leger des Öfteren ein Promikopf, wie der von Peter Maffay oder Dieter Thomas Heck, unterkam. „Dort hatten wir eine tolle Chefin, die viel in London war und von dort immer neue Ideen mitgebracht hat.“

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Nach zwei Jahren arbeiten in der Großstadt ging es zurück in die Heimat. Dort war das Paar jahrzehntelang fleißig am Werk. Als Mitglieder des Skiklubs, der auch im Dietenheimer Fasching sehr aktiv war, war es für die beiden Ehrensache, dass sie die ganze Gruppe stylten. „Damals hatten wir 30 bis 40 Leute im Salon, es war immer etwas los!“, schwärmt Tony Leger.

Besonders für Hochzeiten hat das Gespann früher Haare und auch Make-up gemacht. „Einige der Paare von damals sind inzwischen geschieden. Aber an der Frisur hat das sicher nicht gelegen“, sagen sie lachend. Aus Illertissen, Ulm, Kempten, Vöhringen und dem ganzen Umkreis kamen die Kunden zu ihnen. „Ich hatte auch einen Kunden, der jedes Mal extra aus Leutkirch hergefahren ist, weil er so schöne Erinnerungen mit uns verbindet“, erzählt Raimund Leger.

Aus Lehrlingen wurden Meister

Den Kundenansturm mussten die beiden natürlich nicht alleine bewältigen. Schon zwei Jahre nach Eröffnung des Dietenheimer Salons kam die erste Angestellte dazu, schließlich waren es immer drei bis vier sowie ein Lehrling. Mit allen Ehemaligen hat das Paar noch guten Kontakt. „Viele haben inzwischen selbst ihren Meister und sich selbstständig gemacht“, erzählt Tony Leger nicht ohne Stolz.

Es lief also hervorragend für das Friseur-Ehepaar, bis die Salonchefin vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitt. Trotzdem stand sie weiterhin im Laden und kümmerte sich um ihre Kunden, während ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gesucht wurde, der oder die den Salon übernehmen wollte. Nach langer Suche wurde die nun in letzter Minute auch gefunden: „Vanesa hat den Salon in der Corona-Zeit direkt übernommen, seitdem sind wir in Rente.“ Das geschah jedoch aufgrund der Pandemie früher als geplant. Zeit, um sich gebührend zu verabschieden, blieb den beiden Friseuren nicht. „Unsere Terminkalender Ende März waren voll, aber ich musste leider alles absagen. Wir konnten den Kunden nicht sagen, wie es weitergehen wird. Auch eine Abschiedsfeier blieb uns verwehrt“, so die 69-Jährige.

Jetzt stehen mehr Reisen auf dem Programm

An den Ruhestand müssen sich die beiden noch gewöhnen. „Es ist saulangweilig. Ich vermisse besonders die Kommunikation mit den Leuten“, gesteht Tony Leger. Ihr Mann stimmt zu: „Wenn wir spazieren gehen, kommen wir meist nicht weit, weil man alle hundert Meter mit jemandem redet, der einen vom Salon kennt“, erzählt er lachend. Aktiv bleiben wollen die beiden weiterhin. „Es gibt immer was zu tun, ob im Garten werkeln oder segeln am Bodensee“, so der 73-Jährige. Auch ferne Länder, besonders Kanada, haben es dem Paar angetan. „Hier wohnt mein Bruder, wir waren schon oft im Urlaub dort und ich kann jedem nur empfehlen, dort einmal hinzureisen“, schwärmt Leger.

Raimund Leger und seine Angestellte Siggi Graf beim Brautstyling während des Faschings: Im Salon Leger waren alle für einen Spaß zu haben.
Bild: Leger

Auch wenn nun mehr Zeit dafür bleibt, ist doch spürbar, dass den beiden viel an ihren Kunden gelegen hat und liegt. „Wir sind sehr dankbar und hätten uns gerne noch von allen gebührend verabschiedet“, so Tony Leger. Das tun sie nun hiermit.

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