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Unterallgäu

01.10.2017

Gibt es bald „Flexibus“ und „E-Ticketing“?

Im Landkreis Günzburg ist der Flexibus schon unterwegs.

Zwei Projekte sollen Bewegung in den Öffentlichen Nahverkehr im Unterallgäu bringen. Das „Ob“ wurde von den Kreisräten nicht infrage gestellt, wohl aber das „Wie“.

Mehr als 244000 Euro will der Landkreis im kommenden Jahr in die Hand nehmen, um den Öffentlichen Nahverkehr im Unterallgäu attraktiver zu machen. Das Geld soll in die Projekte „Schwabenbund Services“ und Flexibus fließen, die in der Sitzung des Kreisausschusses vorgestellt wurden. Dieser empfahl dem Kreistag, beide Vorhaben zu realisieren – im Fall des Flexibusses allerdings erst nach längerer Diskussion.

Mit dem Flexibus, also einem Bus, den die Fahrgäste nach Bedarf bis zu 30 Minuten vor der gewünschten Abfahrt anfordern können, liebäugelt der Landkreis schon länger. Insbesondere in Orten, in denen reguläre Buslinien nur selten verkehren, soll er – dem Beispiel des Landkreises Günzburg folgend, in dem es den Flexibus als Pilotprojekt bereits seit fünf Jahren gibt – die Mobilität verbessern. Dort gibt es zusätzlich zu den 320 Haltestellen des Linienverkehrs 2271 Bedarfshaltestellen für den Flexibus. Dadurch sollen die Fahrgäste maximal 100 Meter von ihrer Haustür bis zur nächsten Haltestelle zurücklegen müssen, was insbesondere Senioren entgegenkomme, wie Josef Brandner, Geschäftsführer der BBS Brandner KG, in der Sitzung erläuterte. Er organisiert den Flexibus-Verkehr im Landkreis Günzburg und betonte, dass dieser das bestehende Angebot ergänzen, es aber nicht ersetzen solle. Sein Konzept sieht vor, den Flexibus ab kommendem Frühjahr nach und nach einzuführen. Für das nächste Jahr müsste der Kreis dafür rund 80000 Euro einplanen. Dass es das bedarfsgerechte Angebot im Unterallgäu nicht längst gibt, liegt am Geld: Bis vor Kurzem hätte der Landkreis die Kosten dafür alleine tragen müssen. Nachdem der Freistaat nun aber wie berichtet die erhoffte Förderung in Aussicht gestellt hat, schien der jetzige Empfehlungsbeschluss eher eine Formsache zu sein. Und tatsächlich stieß das Vorhaben an sich auf breite Zustimmung.

Doris Kienle (Grüne) und Michael Helfert (SPD) störten sich jedoch daran, dass in der Sitzung nur das Konzept von Brandner zu Diskussion stand und die anderen Busunternehmer vorab nicht gehört worden seien. Brandners Konzept sei eine gute Diskussionsgrundlage, so Helfert. Es stelle sich aber die Frage, ob es nicht auch andere Angebote gebe. Beide regten an, vor der Entscheidung im Kreistag ein Fachforum mit Busunternehmern, Vertretern der Gemeinden und Kreisräten einzuberufen. Unerwartete Unterstützung erhielten sie von Franz Mutzel (CSU). Auch Andreas Tschugg (JWU) war überrascht, dass er nicht nur grundsätzlich über den Flexibus abstimmen sollte, sondern zugleich über das Konzept Brandners. Über diesen Widerstand wunderten sich wiederum Alfons Biber (FW) und Josef Kerler (CSU): „Jetzt kriegen wir endlich die Förderung und wollen das Rad neu erfinden“, sagte Kerler. Letztlich sprach sich eine knappe Mehrheit gegen das von Helfert vorgeschlagene Fachforum aus.

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Weniger Zündstoff bot das zuvor vorgestellte Projekt „Schwabenbund-Services“, das den Fahrgästen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel erleichtern soll. Übers Handy oder im Internet soll sich der Kunde über alle Fahrtmöglichkeiten und Tarife verschiedener Anbieter informieren können. Das System errechnet dann auf der Basis bereits existierender Informations- und Vertriebssysteme, die miteinander verknüpft werden, einen Gesamtpreis und bietet die Möglichkeit, eine elektronische Gesamt-Fahrkarte zu kaufen. Das, so Schwabenbund-Geschäftsführer Werner Weigelt, sei bislang bundesweit einzigartig. Außerdem ist geplant, künftig auch touristische Zusatzangebote wie etwa das Ticket für die Bergbahn oder die Eintrittskarte fürs Museum im gleichen Schritt dazubuchen zu können.

Zum Bedauern einiger Kreisräte umfasst das Projektgebiet jedoch nicht den ganzen Schwabenbund, sondern bislang nur die Landkreise Unterallgäu, Oberallgäu und Günzburg sowie die kreisfreien Städte Kempten und Memmingen.

Weigelt versicherte jedoch, dass das Projektgebiet weiter vergrößert werden solle. 21 Verkehrsbetriebe hätten bereits zugesagt. „Der dauerhafte Betrieb ist bereits flächendeckend gesichert“, so Weigelt. Kunden sollen das Angebot, das ingesamt 1,23 Millionen Euro kosten wird, ab 2019 nutzen können. Die Hälfte der Kosten übernimmt das Verkehrsministerium, die andere Hälfte teilen sich die Projektpartner, die auch für die Betriebskosten aufkommen.

Die Mitglieder des Kreisausschusses empfahlen dem Kreistag, für das Projekt rund 164000 Euro einzuplanen.

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