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Illertissen

29.06.2020

Illertisser Unternehmen Karger baut sich im Allgäu etwas auf

Das wird einmal das sozusagen vierte Standbein der Illertisser Verzinkerei Karger. Das Unternehmen baut in Bad Wurzach einen neuen Standort auf. Die Auftragslage ist derzeit ausgesprochen gut, es gibt Arbeit genug.
Bild: Karger Holding GmbH

Plus Die Verzinkerei Karger errichtet mitten in der Krise einen weiteren Standort. Trotz massiver Probleme in den vergangenen Wochen sind die beiden Chefs optimistisch.

Wenn Wolfgang Karger aus dem Fenster des Besprechungsraums im Verwaltungsbau seiner Firma auf den Hof hinunter schaut, dann freut er sich: „Das sieht super aus.“ Dort stapeln sich stählerne Werkstücke, die demnächst eine vor Rost schützende Zinkschicht bekommen werden. Es ist gerade einiges zu tun in der Illertisser Feuerverzinkerei Karger, das Unternehmen muss sich ranhalten, um all die eingehenden Aufträge abzuarbeiten. Das sah vor einigen Wochen noch ganz anders aus – und das in einer Zeit, in der das Unternehmen gerade einen neuen Standort im Allgäu aufbaut.

Das ganze Elend der Pandemie ballte sich in einer einzigen Woche im April, da brachen auf einen Schlag die Aufträge der Großkunden weg. Wolfgang und Uli Karger, die das Familienunternehmen gemeinsam führen, kamen gehörig ins Schwitzen, wie sie zugeben. „40 Prozent Einbruch in einer Woche, das war wirklich schlimm“, sagt Wolfgang Karger. Die Großkunden hatten ihre Aufträge storniert, die Lieferketten waren unterbrochen. Doch kleinere Schlossereien und Stahlbauer ließen ihr Material weiter bei Karger verzinken, was letztlich dem Unternehmen half, durch die Krise zu kommen. Die Auftraggeber der Illertisser Karger Holding GmbH bestehen nur etwa zur Hälfte aus Großkunden, was sich in der Pandemie als hilfreich erwies. Der Mittelstand hielt somit das Illertisser Unternehmen während der schwierigen Wochen über Wasser.

Auftragseingang über dem Niveau des Vorjahres

Mittlerweile sieht es komplett anders aus, der Auftragseingang liegt über dem Niveau des Vorjahres: „Wir kommen mit der Arbeit kaum nach.“ Allerdings grübelt Wolfgang Karger immer noch darüber, ob das nun sogenannte Nachholeffekte sind oder schon eine komplette Erholung des Marktes. Dennoch blicken die beiden Brüder sehr zuversichtlich nach vorne, die Zukunftsaussichten seien gut.

Illertisser Unternehmen Karger baut sich im Allgäu etwas auf

Damit steht dem Ziel eines soliden Wachstums offenbar nichts mehr im Weg. Seit Uli und Wolfgang Karger 2003 die Firma übernommen hatten, setzen sie auf eine schwäbisch-solide Weiterentwicklung. Nachdem ihr Vater und Firmengründer Franz Karger 1982 in Hüttlingen auf der Ostalb bereits eine weitere moderne Verzinkerei – mit Technik aus der DDR – aufgebaut hatte, expandierten sie nach Mertingen bei Donauwörth und errichteten dort einen dritten Standort. Als Nummer vier im Bunde soll im Herbst der Ableger in Bad Wurzach in Betrieb gehen.

Symbolischer Spatenstich am neuen Karger-Standort fiel aus

Diese Entscheidung hatten die Kargers bereits 2017 gefällt und damit ein glückliches Händchen bewiesen. In dem Gewerbegebiet im Westen der Stadt wollte ursprünglich zu Beginn der Zehner-Jahre die österreichische Collini-Gruppe eine Verzinkerei errichten, doch dann zog sie sich plötzlich zurück. Als die expansionswilligen Kargers davon Wind bekamen, schlugen sie zu und kauften das knapp 15000 Quadratmeter große Areal. „Das ist ein gut geeigneter Standort“, erklärt Uli Karger, „wir haben da eine umfangreiche Analyse fertigen lassen.“ Die fiel vielversprechend aus, denn in der näheren Umgebung der Stadt gebe es genügend Firmen, die Bedarf an verzinkten Bauteilen haben. Manche müssen ihr Material bisher 150 bis 200 Kilometer durch die Gegend karren, um es entsprechend bearbeiten zu lassen. „Künftig sind es nur noch 30 Kilometer“, sagt Wolfgang Karger. Und von Illertissen aus gesehen liegt der neue Ableger nur eine Lastwagenstunde entfernt.

Nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren, bei dem sich aber das Unternehmen „super unterstützt“ fühlte von der Stadtverwaltung, sollte im Frühjahr der symbolische Spatenstich für die 4000 Quadratmeter große Halle erfolgen, doch der fiel der Corona-Pandemie zu Opfer. „Wir schaffen es irgendwie immer, dass wir einen neuen Standort während einer Krise aufbauen“, scherzt Wolfgang Karger, denn als 2008 die Zweigniederlassung Mertingen entstand, brach die große Finanzkrise aus. Als sich die Corona-Pandemie ausbreitete und die Wirtschaft in den Würgegriff nahm, hatte Karger bereits sieben Millionen im Allgäu investiert – eine Summe, die einen in Krisenzeiten nicht gerade ruhig schlafen lässt.

In Bad Wurzach wurde natürlich auch ohne symbolischen Spatenstich gebaut. Im November ist geplant, den 300 Tonnen fassenden Zinkofen anzuheizen und somit in Betrieb zu nehmen. Veredelt werden dort Stahlteile vom Gartenzaun bis zum Fahrgestell-Bauteil. Rund 50 Mitarbeiter sollen einmal in Bad Wurzach für Karger tätig sein. Die Suche nach neuen Beschäftigten hat bereits begonnen. Bisher sind bei der Firma mit ihren drei Standorten 230 Frauen und Männer angestellt. Was die neue Zweigstelle so attraktiv macht: Es sind die zu erwartenden Synergien, denn ob drei oder vier Zinköfen betrieben werden, mache von der Verwaltung her keinen großen Unterschied.

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