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14.07.2015

Im Einsatz für den Dialekt

Beim Treffen der Schwabengilde im Schlossbräu Illertissen traten bekannte Gesichter und neue Versle-Schmiede auf. Das Bild zeigt im Hintergrund die „Grauen Lumpen“, davor Maria Störk (Teufelsgeige) und Sofie Blum (Drehorgel).
Bild: R. Langhans

Für die Schwabengilde ist der Erhalt des „Schwäbischen“ ein Anliegen – das zeigt sich nicht zuletzt beim Poetentreffen in Illertissen. Wie die Uni Augsburg dabei helfen könnte

Auf das Poetentreffen der Schwabengilde im Schlossbräu Illertissen fiel diesmal so etwas wie ein klein wenig akademischer Abglanz der Philologisch-Historischen Fakultät Germanistik der Universität Augsburg. Der Biergarten war gut besucht und bei den Versle-Schmieden gab es neue Gesichter, unter anderem Johann Deil, Geschäftsführer des Schwäbischen Literaturschlosses Edelstetten, dessen Vorsitzender Professor Karl Wolf ist und das mit der Uni Augsburg in Verbindung steht.

Zweite Gildemeisterin Maria Störk, die nach dem unerwarteten Tod des Vorsitzenden Georg Zinkel im Herbst eingesprungen ist, hatte die Kontakte für künftige literarische Zusammenarbeit hergestellt und eingeladen. Johann Deil richtete die Grüße seines Chefs aus und betonte, sein Verein habe die gleichen Ziele im Auge wie die Schwabengilde: „Unser Anliegen ist der Erhalt der hier gebräuchlichen Hochsprache, welche das Schwäbische ist.“

Um nicht ohne ihre Galionsfigur „Zinkel Schorsch“ ins berühmte schwarze Loch zu fallen, hat Maria Störk kreativ in mehrere Richtungen gedacht. „Es gibt Poeten in Bayern und Württemberg, wir wollen uns zusammentun, damit das Schwäbische nicht untergeht.“ Vor fast 40 Jahren hätten 13 Kulturbegeisterte, darunter Theodor Waigel, dafür die Matzenhofer Schwabengilde gegründet.

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Klar, dass die Gedanken der Gildemeisterin literarischen Niederschlag fanden: „I stand jetzt do, mir liegt’s wirklich am Herza, no hammer koi Not und könnets verschmerza. Mir suachet Leut, dia a dichterische Ader hant, oder Mitglied werdet mit ra helfenda Hand.“

Dabei gab der Nachmittag schon interessante Einblicke ins schwäbische Kulturschaffen, zumal zahlreiche Poeten einen Schwung Bücher mitgebracht hatten, um ihre Kunst unter die Leute zu bringen. Zu diesen zählte Robert Gschwentner aus Oberroth, der erstmals bei der Schwabengilde vortrug. Sein Buch ist überschrieben mit „A bisale schwäbisch, a bisale deutsch, a wengale Mischt, a weng ebbes Gscheits.“ Oder Elisabeth Flott aus Günzburg, die eine Anthologie des dortigen Autorenvereins dabei hatte, in der auch ihre Gedichte zu finden sind. Ihre Betrachtungen über das Schicksal enden beispielsweise so: „Manchsmal, dau trabsch en da Scheißhaufa nei, ond hendanach denksch, des hat miassa sei.“

Als Poetin mit hessischem Einschlag stellte sich Sibille Prexl-Wachter aus Illertissen vor. Sie arbeitet im Pflegebereich und kam nicht umhin, das eine oder andere Erlebte zu Papier zu bringen: Etwa wie eine Verwechslung von „Kiste Bier“ mit „Klistier“ erst Freude hervorruft, die sich schlagartig in Nichts auflöste.

Auf dem Podium nicht fehlen durfte Alexander Mayer, der wieder Neues aus der „Vöhlin-Saga“ zu berichten hatte. Geradezu unheimlich wurde es bei Geistergeschichten der Gräfin Agnes von Kirchberg.

Mehr als musikalische Umrahmung boten die originellen Beiträge der „Grauen Lumpen“ mit Peter Semmlin am Schlagzeug (Marke Eigenbau), Siegfried Grotz und Dieter Blankenhorn mit Gitarren sowie Ernst Strang an Trompete oder Sax, Hermann Berger am Bass und Sepp Herz mit Akkordeon. Dazwischen kurbelte Sofie Blum an der Drehorgel und Maria Störk gab mit der Teufelsgeige den Takt dazu: Urige Gemütlichkeit und Geselligkeit, dem Zinkel Schorsch hätt’s gefallen.

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