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Gericht

15.05.2015

Im Wahn Betten angezündet

Brandstifter muss in Psychiatrie. Feuerwehr kann zwei Männer gerade noch retten

Vor einem Jahr, am 12. Mai 2014, hatte er in seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Illertissen einen Brand gelegt, der zwei Menschen in Lebensgefahr brachte und knapp 100000 Euro Schaden anrichtete. Nun muss der 35-Jährige per Gerichtsbeschluss auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie des Günzburger Bezirkskrankenhauses (BKH) verbleiben. Dort war er schon am Tag nach der Brandstiftung vor einem Jahr eingewiesen worden. Der Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Memmingen war von Anfang an als „Sicherungsverfahren“ angelegt, weil die Frage der Schuldunfähigkeit im Vordergrund stand. So verlas auch Oberstaatsanwalt Markus Schroth keine Anklage, sondern einen Antragssatz, der nach der Schilderung des Tatgeschehens auf die Unterbringung in der Psychiatrie hinauslief.

Anhand der polizeilichen Ermittlungen und der Zeugenaussage eines Illertisser Feuerwehrmannes, der die Brandwohnung beim Einsatz als Erster betreten hatte, wurde der Ablauf deutlich: Der 35-Jährige, der schon seit vielen Jahren sowohl an Alkoholsucht als auch an einer paranoiden Schizophrenie leidet, hatte sich als „Gott“ gefühlt und war gleichzeitig einem „akuten psychotischen Wahnerleben“ zum Opfer gefallen. Diesem zufolge sah er sich als „Untersekretär einer israelischen Geheimorganisation“. Diese habe, so berichtete er den Günzburger Psychiatern, für ihn ein Bankkonto in der Schweiz eingerichtet, nach dessen Stand er sich auch regelmäßig beim Sozialdienst des Bezirkskrankenhauses erkundigte.

Am Tatabend hatte der Mann eine Unmenge an Kleidungsstücken, Büchern, Schubladen und sonstigem brennbaren Hausrat auf seinem Bett im Schlafzimmer und einem Bett im benachbarten Wohnzimmer gestapelt. Beide Haufen zündete er an und verließ die Wohnung. Im Schlafzimmer griffen die Flammen schnell um sich, sodass die Fenster zersprangen. Der hinausziehende Rauch brachte zwei Männer in den darüber liegenden Wohnungen in Lebensgefahr. Einer konnte von der schnell eintreffenden Feuerwehr über die Steckleiter gerettet werden. Der andere wurde am Fenster stehend von einem Feuerwehrmann zunächst beruhigt und betreut, weil im Garten des Hauses der Einsatz des Fahrzeuges mit der Drehleiter nicht möglich war und der Mann unter anderem aufgrund einer Knieverletzung nicht auf die Steckleiter steigen konnte. Er wurde nach ersten Löscharbeiten über das zuvor total verrauchte Treppenhaus ins Freie gebracht. Die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein bescheinigte der Feuerwehr dafür „vorbildliche Arbeit“.

Als Sachverständige erklärte die Ärztliche Direktorin der Forensik am BKH Günzburg, Prof. Manuela Dudeck, die Krankheitsgeschichte des Mannes, der schon seit 17 Jahren sowohl an Alkohol- und Drogensucht als auch an einer dadurch verursachten paranoiden Schizophrenie leidet. Er hatte im Zustand der Schuldunfähigkeit bereits eine Reihe von leichteren Straftaten begangen. Und es war auch in mehreren Behandlungen nicht gelungen, ihn „dauerhaft abstinent“ zu machen. Vielmehr, so die Professorin, verweigere er die Einnahme von Psychopharmaka, weil einmal massive Nebenwirkungen aufgetreten seien. Er zeige sich aber auch sonst „uneinsichtig“ und „hoch psychotisch angespannt“. In einer längeren Diskussion mit Verteidiger Mahler ergab sich, dass zumindest für absehbare Zeit eine erhebliche Eigen- und Fremdgefährdung bestehe. Rechtsanwalt Mahler und Oberstaatsanwalt Schroth waren sich deshalb in ihren Plädoyers einig, dass eine Unterbringung in der Forensik die einzige Möglichkeit darstelle. So lautete dann auch das Urteil, wobei die Vorsitzende Richterin in ihrer Begründung betonte, dass eine Aussetzung auf Bewährung und danach eine Überweisung in betreutes Wohnen wohl „nicht schnell geschehen“ könne und erst infrage komme, wenn eindeutig belegt sei, dass von ihm keine Eigen- und Fremdgefährdung mehr ausgeht. Es habe sich bei der Brandstiftung um eine „erhebliche Straftat“ gehandelt.

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