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Kettershausen

22.11.2019

Kettershauser verkauften schon 2500 Kissen für Haiti

Die Familie Joos engagiert sich seit rund zehn Jahren für Haiti. Das Bild zeigt Siegfried Joos (links) und Tochter Daniela Joos. Sie war erstmals 2010 nach einem schweren Erdbeben über eine Hilfsorganisation vor Ort.
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Die Familie Joos engagiert sich seit rund zehn Jahren für Haiti. Das Bild zeigt Siegfried Joos (links) und Tochter Daniela Joos. Sie war erstmals 2010 nach einem schweren Erdbeben über eine Hilfsorganisation vor Ort.
Bild: Sammlung Joos

Seit fast einem Jahrzehnt setzt sich die Familie Joos dafür ein, dass Kinder auf Haiti einer besseren Zukunft entgegensehen können. Bettwäsche spielt dabei eine Rolle.

Es fühle sich an, als hätte das Ganze erst gestern begonnen: die Hilfe für Haiti, ihre Herzensangelegenheit. Doch es sind bereits fast zehn Jahre, in denen sich die Familie Joos aus Kettershausen für ein besseres Leben in dem Karibikstaat einsetzte. Erklärtes Ziel sei es, Kindern und Jugendlichen Zugang zu Bildung zu eröffnen, sodass sie ihrer Zukunft optimistischer entgegenblicken können. „Wir sind immer noch mit viel Herzblut dabei“, sagt Siegfried Joos. „Im letzten Jahr hatten wir ein Spendenspitzenjahr. Und das als Familie“, merkt er stolz an. Eine wichtige Rolle dabei spielen: Mehlsäcke und nostalgische Bettwäsche.

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Rita Joos-Ulrich stellt aus alten Stoffen rustikale Dekokissen her; verziert sie mit Spitzen, Bordüren, schmucken Knöpfen. Stundenlang sitzt sie dafür an der Nähmaschine. Die Einzelstücke verkaufen die Joos’ für den guten Zweck, für Haiti, zum Beispiel bei Märkten auf der Illertisser Jungviehweide wie der Gartenlust. „In knapp zehn Jahren kamen gut 2500 Kissen zusammen“, berichtet Siegfried Joos. „Sie glauben gar nicht, wie schnell man das Material verbraucht!“ Der Kettershauser brachte darüber hinaus viel Zeit dafür auf, Sach- und Geldspenden zu sammeln.

Tochter war nach Erdbeben 2010 über Hilfsorganisation auf Haiti

Der Anreiz für das Engagement kam von Tochter Daniela Joos. Die Ärztin war 2010 als Mitglied eines ehrenamtlichen Teams der Hilfsorganisation „humedica“ auf Haiti im Einsatz. Sie kümmerte sich um die Opfer des Erdbebens, das den Staat im selben Jahr erschüttert hatte. Nach ihrer Rückkehr berichtete sie ihren Eltern von dem Leid. Und diese entschieden sich, auch helfen zu wollen – auf ganz eigene Weise.

Kettershauser verkauften schon 2500 Kissen für Haiti

Mittlerweile ist eine ganze Reihe an Projekten zusammengekommen, die die Familie durch den Verkauf der Kissen und gesammelten Spenden unterstützt hat: Die Eröffnung einer Suppenküche war der erste Schritt. Später wurden mit der finanziellen Hilfe unter anderem ein Waisenhaus und eine Schule gebaut. „Es ist unglaublich, die Schule platzt aus allen Nähten. Zum September 2019 verzeichneten wir 430 Schüler, die mit riesiger Freude Tag für Tag kommen“, lässt die Familie wissen. Siegfried Joos sagt: „Es kommt so viel Dankbarkeit zurück. Das ist im Gedächtnis unauslöschlich.“

Eine Schule wurde mithilfe der finanziellen Unterstützung gebaut.
Bild: Sammlung Joos

Ansprechpartner für die Familie vor Ort ist Père André Sylvestre. „Seine Ehrlichkeit hat mich befriedet. Er sagt immer, was ihm auf dem Herzen liegt.“ Und der Pater hat weitere Pläne, sofern Geld hierfür vorhanden ist: So sollen unter anderem ein Computerraum für die Schule und eine große Zisterne entstehen. Letztere soll es möglich machen, auch Trinkwasser zu verkaufen. Außerdem sei es vorgesehen, zusammen mit Initiativen anderer Länder an einem Gesundheitszentrum weiterzubauen, sagt Joos. Und: „Eine Berufsschule ist in Planung.“ Perspektivisch gesehen, sei es wichtig, in den Unterhalt bestehender Einrichtungen zu investieren statt in den Bau neuer. „A und O ist die Hilfe zur Selbsthilfe.“

Ob es auch Rückschläge gab? Im Oktober 2010 wütete die Cholera auf Haiti, es stand nicht genügend Oral-Rehydrations-Salz (ORS) zur Verfügung. 2500 Dosen, die 500 Menschen geholfen hätten, habe er organisieren können. Doch keine Organisation habe die Bereitstellung vor Ort übernehmen wollen, bedauert Joos. „Das war schon demoralisierend für mich.“

Eine Neuerung: Der Verein Haiti-Hilfe Schramberg, mit dem die Familie Joos seit 2012 zusammengearbeitet hatte und über welchen die Spenden in das Land flossen, wird nach 40 Jahren aufgelöst. Nun wird die Familie direkt mit dem Kindermissionswerk Aachen kooperieren, das bisher 15 Prozent zu den Spenden aufgeschlagen hatte.

Kindern einen Zugang zu Bildung zu eröffnen, ist das zentrale Ziel.
Bild: Sammlung Joos

„Wer die Ärmsten dieser Welt gesehen hat, fühlt sich reich genug zu helfen“: Dieser Spruch des Arztes und Theologen Albert Schweitzer beflügelt die Familie Joos seit nun fast zehn Jahren – und wird es wohl weiterhin tun: „Wir legen uns keinen Zwang auf. Aber wir sind umtriebig und machen es, solange es gut geht“, sagt Siegfried Joos.

Info:

  • Wer mehr über die Haiti-Hilfe der Familie Joos erfahren will, kann sich unter Telefon 08333/1236 oder per E-Mail an siggi.joos@gmx.de melden. Ein Spendenkonto ist bei der Raiffeisenbank eingerichtet (IBAN: DE71 7206 9736 0001 0435 28; BIC: GENODEF1BLT), Stichwort: „Hilfe für Père André, Cap Haitien“.
  • Um neue Kissen nähen zu können, werden alte Bauernbettwäsche (rot-weiß, geblümt, kariert), altes Leinen (gestreift in rot oder blau), Spitzen, Borten, Leinenmehlsäcke und mehr gesucht. (az)

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