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Illertissen

12.10.2014

Konzertreihe startet mit musikalischen Höhenflügen

Zum Festivalauftakt stand auf der Bühne im Festsaal des Kollegs in Illertissen das „Junge Kammerorchester Stuttgart“ mit seinem Solo-Cellisten Sebastian Fritsch.
Bild: Regina Langhans

Orchester der Musikhochschule Stuttgart und Pianisten der Kunstuniversität Graz treffen sich unter dem Motto „Junge Künstler – Starts von morgen“ in Illertissen.

Junge Künstler treffen sich in Illertissen, um zusammen in der Festhalle des Kollegs Musik und damit die Stadt zum Schauplatz besonderer Konzerte zu machen. Das Motto des drei Wochenenden umfassenden, ersten Festivals dieser Art lautet „Junge Künstler – Stars von morgen“. Fritz Unglert vom Freundeskreis Kultur im Schloss, der seit zwölf Jahren Künstler von Weltrang nach Illertissen holt, ist stolz – wie er bei der Begrüßung sagte – dass die Stadt nun Ort zukunftsweisender Begegnungen ist.

Für das musikalische Treffen waren als Solisten von der Kunstuniversität Graz die Pianisten Anna Ulaieva (Ukraine) und Levon Avagyan (Armenien) angereist – beides Schüler der in Illertissen von Auftritten bekannten Milana Chernyavska. Ebenfalls nach Illertissen gekommen war das „Junge Kammerorchester Stuttgart“ der Hochschule mit Sebastian Fritsch als Solo-Cellisten. Sie boten intensive Einblicke in ihr Können und begeisterten bei aller Natürlichkeit mit höchster Professionalität. Es gab spannende, atemberaubende Momente mit technisch hoch anspruchsvollen Passagen. Das Publikum, darunter junge Besucher und beide Kollegsorchester, dankte mit vielfachem Beifall.

Den Abend eröffnete Anna Ulaieva mit dem Konzert für Klavier und Streichorchester in d-Moll (um 1738), dem vielleicht virtuosesten von Johann Sebastian Bach. In Blickkontakt mit dem Dirigenten Alexander Adiarte gab sie so entschieden ihre Einsätze, wie sie dem reinen Streichensemble das Tempo vorlegte oder sich selbst gestattete, am Flügel aus sich herauszugehen. Beim Allegro etwa schienen ihre Finger wie in einer Toccata in Sechzehntelläufen einander nachzujagen. Dabei standen ihr die Streicher in nichts nach, spielten sich gegenseitig zu, machten scheinbar Tempo und waren doch wie von einem unsichtbaren Metronom gelenkt. Das Adagio brachte Ruhe und beim dritten Satz, ebenfalls ein Allegro, spielten Streicher und Solistin ausdrucksstark einem furiosen Finale zu.

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Der Barockmusik folgte das berühmte Konzert für Klavier und Orchester in g-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy (von 1831) mit Levon Avagyan. Der erste Satz ist mit „Molto Allegro con fuoco“ überschrieben und gestattete dem, nun um Bläser erweiterten Orchester, einen energiegeladenen Beginn.

Als wenige Takte später der Pianist temperamentvoll einsetzte, sah sich das Publikum, passend zum Epochenwechsel, einem vor Lust und Laune übersprühenden Musiker gegenüber, der seine Einsätze zu inszenieren wusste. Klavier- und Orchesterpart sind in dem Werk eng verzahnt und die Sätze gehen ineinander über. Zum Andante führten fanfarenartig Trompeten und Hörner, später folgten Bratschen und Celli. Wobei die Register ihre Stimmen virtuos hervorhoben, sodass sich für die Zuhörer ein an Tonfarben reiches Klangbild ergab. Den Übergang zum Presto übernahmen erneut Bläser, dann trieb Dirigent Alexander Adiarte, dessen Taktgebung stark auf Ausdruck angelegt war, Solo- und Orchesterspiel immer weiter voran, bis sich die Spannung im Finale entlud. Eine betont ruhige Zugabe kam da wie bestellt.

Neue Überraschung bot das Ensemble Capella Piccola mit je zwei Querflöten, Klarinetten, Oboen, Fagotten und Streichertrio aus Bratsche, Cello, Kontrabass. Sie führten bei der Serenade in A-Dur (1857- 1860) von Johannes Brahms einen munteren Dialog.

Zuletzt Sebastian Fritsch, gerade mal 17 Jahre alt und derart brillant im Spiel, dass er als Solist bei Peter Tschaikowskys Rococo-Variationen für Violoncello und Orchester (von 1876) vom Publikum mit Standing Ovations bedacht wurde. Während das Orchester die dynamischen Bewegungen seines Dirigenten in breite Klangteppiche umzusetzen wusste, ließ der Cellist seine Finger auf dem Griffbrett auf und ab turnen. In spielerischer Leichtigkeit zeigte er virtuose Kunststücke wie Bogentriller, wofür er auf zwei gegriffenen Saiten blitzschnell hin und her strich, oder brachte Flageolett-Töne bis übers Griffbrett hinaus treffsicher zum Klingen brachte.

Zusammen mit den sehr leise angestrichenen Flageolett-Tönen der Streicher führte das zu einem sphärisch anmutenden Klangerlebnis. Thematisch sind die Variationen ans 18. Jahrhundert angelehnt und gelten als eine Herausforderung für jeden Cellisten. Wenngleich sich mancher Zuhörer eine Zugabe gewünscht hätte, war sie nicht vorgesehen, der junge Künstler hatte sein Bestes gegeben. „Es ist hohe Musikalität, die aus allen spricht“, sagte Milana Chernyavska. Die Musikdozentin war selbst beeindruckt.

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