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28.10.2017

Luther wird mit seinen Worten vorgestellt

Warum die Zitate des Reformators einige Lacher ernten

Die Flötenklänge im Jochen-Klepper Haus in Illertissen erinnerten durchaus an Orgelmusik: So bot das Nersinger Quartett mit seinen Bass-, Großbass- und anderen Flöten den passenden Rahmen für die Texte, die Sigrun Rose vom Diakonischen Werk Neu-Ulm und Egon Leuthner vom Seniorendomizil St. Sebastian vortrugen.

Bei der neuesten Auflage der Veranstaltungsreihe Musik und Lyrik rückte aufgrund des bevorstehenden Reformationsjubiläums Martin Luther (1483 - 1546) in den Mittelpunkt. Statt Gedichten wurden unter dem Motto „Die Wahrheit macht nicht viele Worte“ Zitate des Reformators vorgetragen. Ausgewählt hatte diese die Illertisser Pfarrerin Susanne Scharrer. Sie habe viel gelesen, sich durch viele Texte gekämpft und versucht, wie mit einem Sieb das Wichtigste herauszufiltern, sagte die Theologin. Dabei hat sie sich nicht auf die Ausführungen Luthers zur Religion beschränkt, sondern auch so weltliche Themen wie Geld und Geiz behandelt.

Vor allem Luthers Ausführungen ernteten beim Publikum einige Lacher, etwa die Aussage „Wenn in der Ehe weder dem Mann der Frau, noch die Frau dem Manne etwas nachsehen will [...] dann wird bald der Ehestand zu einer Tyrannei und alles verdirbt“. Trotz dieser Warnung zeugten die meisten Worte von der hohen Bedeutung, die Luther der Verbindung von Mann und Frau einräumt, hieß es. So sei die Ehe ein „Geschenk Gottes“ und sogar „die Grundlage des Hauswesens, der öffentlichen Ordnung und der Religion“.

Ein Ziel der Veranstaltung war laut Pfarrerin Scharrer, ein Gespür für die Zeit Luthers zu entwickeln. Dazu, dass das gelang, trug auch die Musik des Flötenquartetts unter der Leitung von Heike Schatz bei. Die Stücke passten zum jeweiligen Thema der Texte und stammten auch aus der Zeit Luthers.

Dabei konnte stellenweise leicht vergessen werden, dass die Worte Luthers inzwischen etwa 500 Jahre alt sind. Vieles hat sich nicht verändert und gilt nach wie vor: Etwa, wenn Luther die ungleiche Verteilung von Vermögen in der Gesellschaft beklagt oder Krieg als schlimmste aller Strafen bezeichnet.

Ein realistisch denkender Mensch mit einer großen Portion Humor: Dieser Eindruck von Luther durfte sich bis zum Ende der Veranstaltung bei den Zuhörern verfestigt haben. Ähnlich lautete auch das Resümee von Pfarrerin Scharrer: Luther habe stets versucht, seinen Mann zu stehen. Und das in ganz verschiedenen Rollen, als Mönch und Prediger oder Ehemann und Vater. Die Worte Luthers zu hören, statt der Dinge, die andere über ihn sagen, machte den Reformator an jenem Abend auf eine ganz neue Weise zugänglich. Eine kritische Auseinandersetzung fand allerdings nicht wirklich statt: Scharrer hat, wie sie sagte, bewusst die Zitate weggelassen, „die in der heutigen Zeit nicht mehr tragen“. (fwo)

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