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Kreis Neu-Ulm

27.11.2019

Nach SEK-Einsatz: Polizei untersucht gefundene Waffen

Wie berichtet, wurde am frühen Dienstagmorgen das Haus eines 55-jährigen Mannes in Gannertshofen durchsucht.
Bild: Sabrina Schatz

Plus Nachdem die Polizei am Dienstag ein Haus in Gannertshofen durchsucht hat, dauern die Ermittlungen an. Ist der Beschuldigte ein sogenannter "Reichsbürger"?

Was bei der Durchsuchung eines Anwesens in Gannertshofen (Landkreis Neu-Ulm) am Dienstag entdeckt wurde, dürfte die Polizei noch eine Weile beschäftigen: Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Waffenhandels laufen – und sie dauern wohl einige Wochen an, sagt Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai, der Pressesprecher der mit dem Fall betrauten Staatsanwaltschaft Augsburg, auf Anfrage unserer Redaktion. Auf dem Anwesen seien Gegenstände sichergestellt worden, die nach dem Waffengesetz verboten sind. Nun muss geprüft werden, wo diese herstammen, wem sie gehören und wer Zugriff auf sie hatte.

Wie viele Waffen gefunden wurden und um welche es sich handelt, sagt Nickolai nicht und verweist auf ermittlungstaktische Gründe. So müssten im Zuge des Verfahrens möglicherweise noch Zeugen befragt werden. Schusswaffen seien auf dem Anwesen Gannertshofen jedenfalls nicht sichergestellt worden, so Nickolai.

SEK-Einsatz in Gannertshofen: Mann leistet keinen Widerstand

Wie berichtet, wurde am frühen Dienstagmorgen das Haus eines 55-jährigen Mannes in Gannertshofen durchsucht. Im Ort erzählte man sich danach, eine Spezialeinheit der Polizei habe das Gebäude "gestürmt." Dazu macht Nickolai, ebenso wie die Polizei, auch am Tag nach dem Einsatz keine Angaben. Der Oberstaatsanwalt verweist darauf, dass der Beschuldigte als gewaltbereit eingestuft wurde. In solchen Fällen sei grundsätzlich davon auszugehen, dass Polizeibeamte nicht einfach an der Tür klingeln. In Gannertshofen erfolgte ein "Zugriff". Die Spezialkräfte versuchen dabei prinzipiell, ihre Zielpersonen zügig und schnell zu erreichen. Widerstand habe der Mann nicht geleistet, sagt Nickolai.

Anwohner berichteten von lauten Knallgeräuschen, Feuerwehrleute brachten nach dem Einsatz Bretter in Tür- und Fensterrahmen an.

Der 55-Jährige wird beschuldigt, mehrere illegale Waffen bei einer Hausräumung im Jahr 2017 gestohlen zu haben, um sie zu verkaufen. Der angebliche Diebstahl ereignete sich offenbar im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Augsburg. Details nannte Nickolai nicht.

Waffen für Reichsbürger: Staatsanwalt sieht keine Verdachtsmomente

Nach dem Polizeieinsatz war im Ort mehrfach das Wort "Reichsbürger" zu hören. Dazu ließ die Polizei am Dienstag auf Nachfrage wissen, der Mann stehe der Szene der staatskritischen "Selbstverwalter" nahe. Staatsanwalt Nickolai warnt nun vor einer Vorverurteilung: Im Raum stehe der Verdacht des Handeltreibens mit Waffen, eine etwaige Gesinnung des Beschuldigten spiele keine Rolle. Dass in Gannertshofen ein bekennender Staatsgegner Waffen gehortet hat, um sie an Gleichgesinnte abzugeben – für solche Annahmen gebe keine dringenden Verdachtsmomente, betont Nickolai.

Der Mann habe mit der Polizei gesprochen, ist weiter zu erfahren. Ein radikaler Staatsgegner hätte sich möglicherweise anders verhalten.

In den kommenden Wochen wird die Kriminalpolizei die in Gannertshofen gefundenen Gegenstände überprüfen.
Bild: Sabrina Schatz

Einen Haftbefehl gegen den 55-Jährigen gab es im Waffenhandel-Verdachtsfall nicht, sagt Nickolai. Daher seien keine freiheitsentziehenden Maßnahmen getroffen worden. "Er ist abends wieder nach Hause gegangen."

In den kommenden Wochen wird die Kriminalpolizei die in Gannertshofen gefundenen Gegenstände überprüfen. Im Zuge der Ermittlungen muss auch geklärt werden, ob sich Anhaltspunkte für weitere Straftaten ergeben – bei dem Mann oder bei anderen Personen. Am Ende wird die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob in der Sache ein hinreichender Tatverdacht besteht und es zur Anklage kommt.

Mit Spezialkräften hat die Polizei am Dienstag ein Wohnhaus in Gannertshofen durchsucht - mehr dazu lesen Sie hier: SEK-Einsatz gegen mutmaßlichen Waffenhändler

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