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Illertissen

16.04.2019

Neue Gesichter: So jung ist das Illertisser Rathaus

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7 Bilder
Arbeitet im Bürgerbüro in Illertissen: Chiara Rößler, sie ist 21 Jahre alt.
Bild: Jens Carsten

Von wegen verstaubt: Die Stadt hat einige neue Mitarbeiter unter 30 Jahren. Sie erzählen von sich, ihrer Arbeit und davon was ihnen am öffentlichen Dienst liegt.

Das Illertisser Rathaus hat eine Frischzellenkur erhalten – und zwar von Innen heraus: Sechs junge Mitarbeiter haben ihre Karrieren in der Stadtverwaltung begonnen. Größtenteils folgen sie auf ältere Kollegen, die in den Ruhestand gegangen sind. Doch auch ein kürzlich erstelltes Gutachten steht im Hintergrund: Es hatte festgestellt, dass im Rathaus zu viel Arbeit für zu wenige Personen anfällt. Einige neue Stellen wurden geschaffen, eine davon bekleidet die 23-jährige Julia Pöllmann, die im Hauptamt unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat koordiniert. Gemeinsam mit ihren jungen Kollegen lässt sie den Altersdurchschnitt im Rathaus sinken: von 47,5 Jahre (2016) auf nun 44 Jahre. Damit steht die Illertisser Verwaltung vergleichsweise jugendlich da.

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In den deutschen Gemeindeverwaltungen liege der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter zwischen 45 und 55 Jahren, sagt der Pressesprecher des bayerischen Gemeindetags, Wolfgang Schober, auf Anfrage. Das freut den Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen, der mit den jungen Kollegen „hoch zufrieden“ ist: „Sie bringen neue Ideen und frischen Wind.“ Wer sind die Neuen? Und was tun sie? Hier ein Überblick.

Arbeitet im Bürgerbüro in Illertissen: Chiara Rößler, sie ist 21 Jahre alt.
Bild: Jens Carsten

Chiara Rößler: Die 21-jährige Illertisserin arbeitet im Bürgerbüro – ein faszinierender Job, sagt sie. „Man hat Kontakt zu vielen unterschiedlichen Menschen, da ist kein Arbeitstag wie der andere.“ Kurios sei schon allein, was für Dinge im Fundbüro aufschlagen. Zum Beispiel: ein Gebiss. „Das kann lustig sein.“ Halten junge Leute einen einen Job in einer Kommunalverwaltung nicht für verstaubt? Überhaupt nicht. Sich um die Menschen und deren Anliegen zu kümmern, sei „eine schöne Aufgabe“, sagt Rößler. Und das Illertisser Rathaus eine dynamische Behörde. „Hier passiert unglaublich viel.“ Toll aus Sicht der 21-Jährigen ist der wohnortnahe Arbeitsplatz. „Ich kann ins Büro laufen.“ Rößler hat im Hochbauamt in Ulm eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement absolviert. Wegziehen, etwa in eine größere Stadt, sei für sie kein Thema. Das liege auch an ihrem Pferd und ihrem Freundeskreis. „Ich bin happy in Illertissen.“

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Zuständig für Amtsblatt, Homepage und Asylfragen: Melitta Balaban, 28.
Bild: Jens Carsten

Melitta Balaban: Die 28-jährige Illertisserin hat in Augsburg Kunst- und Kulturgeschichte und Literaturwissenschaft studiert – bei einem Praktikum im Illertisser Kulturamt sei sie auf den Geschmack gekommen. Sie sollte den Spiele- und Familiennachmittag organisieren: „Das hat großen Spaß gemacht.“ Nach dem Studium bewarb sich Balaban im Rathaus ihrer Heimatstadt. Mit Erfolg. Nun ist sie im Hauptamt unter anderem für die städtische Homepage zuständig. Und vielleicht noch wichtiger – für das Mitteilungsblatt: „Viele Bürger legen Wert darauf, und zwar in Papierform.“ Außerdem besetzt Balaban die Koordinationsstelle für Asylfragen und versorgt Bürgermeister Eisen mit Infos, wenn er eine Ansprache vorbereitet. „Hier ist immer etwas geboten, weiß Balaban, die seit 2016 dabei ist und unter den jungen Kollegen eine der dienstältesten. Über eine WhatsApp-Gruppe sind „die Jungen“ gut vernetzt. „Wir treffen uns auch mal privat.“

Der jüngste im Bunde: EDV-Azubi Lukas Metzinger ist 19 Jahre alt.
Bild: Jens Carsten

Lukas Metzinger: Der Unterrother macht im Rathaus eine Ausbildung zum Fachinformatiker – bei der Behörde habe er sich beworben, weil sie als Arbeitgeber einen guten Ruf genieße, sagt der 19-Jährige. Er leiste technische Hilfestellung für Kindergärten, Grundschulen, Bauhof – und das Rathaus. Zu tun gebe immer etwas: An manchen Tagen werde er auf dem Gang gleich von mehreren Kollegen angesprochen, die Hilfe bei elektronischen Geräten brauchen. „Langweilig wird es auf keine Fall“, sagt Metzinger mit Blick auf sein Büro, in dem sich allerhand technische Gerätschaften und Kabel stapeln. Ein Umzug in eine größere Stadt komme für den Unterrother nicht in Frage. „Ich bin ein Dorfkind“, sagt er.

Julia Pöllmann, 23, ist im Hauptamt Ansprechpartnerin für den Stadtrat.
Bild: Jens Carsten

Julia Pöllmann: Nach dem Abitur hat die Sendenerin Public Management studiert, bei Praktika in verschiedenen Stadtverwaltungen habe sie sich im Bereich Personal und Organisation am wohlsten gefühlt. Für ein Unternehmen zu arbeiten, das wolle sie nicht: Als Beamtin habe sie im öffentlichen Dienst Sicherheiten, „das ist mir wichtig“. Die Region auf Jobsuche zu verlassen, „war nie eine Option“. Wenn das Gespräch auf ihre Tätigkeit komme, werde sie oft auf das schöne Rathaus angesprochen. Dort arbeitet Pöllmann seit Januar. Sie überlegt, nach Illertissen zu ziehen.

Leitet das Hochbauamt: Der 29-jährige Florian Schilling.
Bild: Jens Carsten

Florian Schilling: Seit August arbeitet der 29-jährige Mittelfranke im Hochbauamt, das er als Nachfolger von Manfred Norrenbrock nun leitet. Schilling hat Stadt- und Regionalplanung studiert, den öffentlichen Dienst zieht er einem Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft, etwa bei einem Architekturbüro, klar vor. „Man lernt Land und Leute richtig gut kennen und kann wirklich etwas verändern.“ Die aufstrebende Stadt durch ihre Bauprojekte voranzubringen, sei sein Ziel. Da gebe es in Illertissen momentan viele Möglichkeiten. Ein Beispiel ist der neue Schlossgarten. Ein weiteres großes Projekt: Das Areal rund ums Rathaus mitsamt dem Adlergebäude soll neu gestaltet werden. Schilling kann sich seine berufliche Zukunft gut in Illertissen vorstellen, sagt er. Und auch die private: Er sucht momentan eine Wohnung für sich und seine Freundin.

Stefanie Bittermann, 23, kümmert sich als Personalerin um 230 Mitarbeiter.
Bild: Jens Carsten

Stefanie Bittermann: Das erste Mal war die Illertisserin im Jahr 2013 im Rathaus, wo sie nach der Realschule eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte begann. Im Personalamt habe sie damals gemerkt: „Das ist mein Ding.“ Nun ist die 23-Jährige als stellvertretende Personalleiterin für 50 Mitarbeiter im Rathaus zuständig, zusammen mit den Kindergärten und anderen Einrichtungen sind es sogar rund 230. „Mir gefällt es sehr, sehr gut hier.“ Momentan absolviert Bittermann eine Weiterbildung zur Verwaltungsfachwirtin, abgeschlossen soll die im Oktober sein.

Wenn sie mit Bekannten über ihren Job spricht, bekomme sie mitunter Vorurteile zu hören. So etwas wie: „Im Rathaus schaffen die alle nichts.“ Solche Klischees ließen sich schnell entkräften: „Wenn ich den Leuten erzähle, was ich mache, sind sie beeindruckt.“ Die 23-Jährige erstellt Stellenausschreibungen und ist bei Einstellungsgesprächen dabei.

In und um Illertissen lasse es sich gut leben, sagt Bittermann. „Hier kann man bleiben.“

Was sich sonst so in Illertissen tut:

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