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16.07.2010

Schwierige Suche nach Standorten für Funkmasten

Kreisbrandrat Alfred Raible aus Illertissen beklagte bei einer Informationsveranstaltung der Feuerwehren zum Digitalfunk in Vöhringen die Widerstände bei der Standortsuche für Funkmasten durch Kommunen und Öffentlichkeit. Fotos: nila
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Kreisbrandrat Alfred Raible aus Illertissen beklagte bei einer Informationsveranstaltung der Feuerwehren zum Digitalfunk in Vöhringen die Widerstände bei der Standortsuche für Funkmasten durch Kommunen und Öffentlichkeit. Fotos: nila

Vöhringen Warum ist Digitalfunk wichtig für Notfall-Einsatzkräfte? Wie funktioniert diese Einsatztechnik? Wie ist der derzeitige Sachstand in Bezug auf Realisierung und Netzaufbau und welches Schulungskonzept gibt es? Fragen über Fragen, die vor allem die Basis - sprich die Feuerwehrleute aus dem Landkreis Neu-Ulm, das Technische Hilfswerk, das BRK, die Polizei und letztlich Gemeindevertreter interessierten.

Kreisbrandrat Alfred Raible und die Referenten Robert Waldhauser, Kreisbrandinspektor Oberbayern, und Hans-Peter Schneider, Kreisbrandmeister des Bezirksfeuerwehrverbands Schwaben informierten am Mittwochabend im Vöhringer Kulturzentrum Fragen rund um den der Digitalfunk.

Andauernde Planungen

Kreisbrandrat Alfred Raible spricht von der "unendlichen Geschichte": Bereits zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland sollte der Digitalfunk für Feuerwehr, Polizei, THW und BRK bereits stehen. "Das Problem lag an der Finanzierung", so Raible. Nach langen Verhandlungen stehe jetzt fest, dass die Umstellung auf den Digitalfunk bis zu 80 Prozent bezuschusst wird. Ein zweites Problem sieht Raible in der "Geheimniskrämerei" des Innenministeriums. Unter Verschluss sollten die Standorte für die insgesamt acht Standorte im Landkreis Neu-Ulm dingfest gemacht werden. Das habe verständlicherweise die Bevölkerung aufgeschreckt.

Schwierige Suche nach Standorten für Funkmasten

Im Jahr 2013 soll das Netz fertig sein - 2015/2016 rechnet man im Landkreis Neu-Ulm mit der Umstellung. Kreisbrandinspektor Robert Waldhauser verweist auf den enormen Aufwand, der in Bayern in Bezug auf die BOS-Technik betrieben werden muss. "In ganz Bayern sind gut 950 Sendemaststandorte geplant. Das ist eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass es in Berlin nur 38 geben wird." Das sieht Waldhauser auch als Grund dafür, dass die Stadtstaaten Berlin, Hamburg, Bremen viel weiter in der Umstellung sind als Bayern. Waldhauser erklärte, warum die Standortsuche für die Sendemasten enorm zeitaufwendig sei.

"Alarmieren ist politischer Wille", sagte der Kreisbrandinspektor. Das bedeutet demnach, dass der Funk dort funktionieren muss, wo er gebraucht werde. Eine 100-prozentige Flächenversorgung sei finanziell nicht machbar. "Es wird auch weiße Flecken geben," so Waldhauser. Vorgegeben sind aber sogenannte Funkversorgungskategorien. 0 bedeute eine bloße Grundversorgung bis hin zur Kategorie 4, die enthalte, dass ein Funk auch innerhalb von Gebäuden und zwar auch am Gürtel und nicht am Ohr der Einsatzkraft funktionieren muss. Für den Landkreis Neu-Ulm wurde errechnet, dass mit den acht Sendestandorten die Kategorie 1 zu 99,52 Prozent, Kategorie 2 zu 94,92 Prozent, Kategorie 3 zu 90,58 und die höchste Kategorie 4 immerhin noch zu 78,57 Prozent Funkversorgung gewährleistet sein wird.

Schwierige Standortsuche

Problematisch aus Sicht des Fachmanns sei es, wenn sich Gemeinden und Städte für Standorte außerhalb von besiedeltem Gebiet - beispielsweise für Wald, weil weniger sicht- und strahlungsbehindernd - aussprechen und starkmachen. "Der Funk muss dort funktionieren, wo wir ihn brauchen, nämlich dort, wo wir wohnen und nicht im Wald", macht Waldhauser deutlich. Außerdem sei weiterhin geplant, 3000 analoge Sendestandorte Schritt für Schritt im Gegenzug für die Digitalfunkmasten abzubauen. Als besonders problematisch bezeichnete es der Feuerwehrmann, wenn Bürgerinitiativen geplante Standorte erfolgreich blockierten. "Dann muss man sich um neue Ankerstandorte bemühen und alle anderen Standorte danach neu aufbauen." Außerdem kritisiert Waldhauser die oft "emotionale und technisch nicht immer fundierte" Beschwerdeführung der Bürgerinitiativen. Dennoch sei das Ziel, 2013 das Netz fertigzustellen. In den Jahren 2015/16 ist dann die Umstellung im Landkreis Neu-Ulm geplant.

Schulung tut Not

Bis zu diesen Jahren kommt eine riesige Aufgabe auf Feuerwehren und andere Einsatzkräfte zu: 400 000 Einsatzkräfte in Bayern in puncto Digitalfunk müssten geschult werden. "Die Zeiten sind vorbei, in denen man das Gerät einschaltet, spricht und alles passt," so Waldhauser. Kreisbrandmeister Hans-Peter Schneider ergänzte: "Das Problem ist, dass in sehr kurzer Zeit eine sehr große Zahl an Einsatzkräften geschult werden muss." Jetzt zu schulen, würde bedeuten, dass 2015 alles veraltet wäre. Grundsätzlich ist es aber so gedacht, dass in sogenanntem "e-Learning" - also im Heimstudium am Computer - zunächst Grundlagenwissen vermittelt werden soll. In einem zweiten Modul erfolgt das Lernen in der Praxis. Bis das Schulungskonzept endgültig stehe, werde aber wohl noch einige Zeit zäher Verhandlungen bevorstehen.

Vorausgesetzt, alle übrigen Schwierigkeiten in Sachen Standortwahl der Funkmasten können bis in den nächsten drei Jahren ausgeräumt werden.

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