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Illertissen

20.06.2017

Tankstellenräuber muss ins Gefängnis

Der Angeklagte, der im vergangenen Dezember eine Illertisser Tankstelle überfallen hatte, musste sich vor dem Memminger Landgericht verantworten.
Bild: Alexander Kaya

Warum der 52-Jährige einen Überfall in Illertissen begangen hat, konnte auch ein Prozess nicht klären.

Die junge Frau war allein in der Tankstelle, als ein dunkel gekleideter Mann den Verkaufsraum betrat. Was er wollte, verstand die Kassiererin nicht auf Anhieb. Der Täter, eine schwarze Mütze tief ins Gesicht gezogen, nuschelte etwas. Erst als er mit dem Messer in ihre Richtung schwenkte, merkte die 26-Jährige: „Der meint das ernst.“ Sie händigte dem Mann Geld aus.

So schilderte es die Verkäuferin gestern vor dem Memminger Landgericht, wo der Überfall auf eine Illertisser Tankstelle im vergangenen Dezember verhandelt wurde. Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung wurde der Angeklagte, ein 52-Jähriger aus dem südlichen Landkreis, am Ende zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Der 52-Jährige hatte den Überfall bald nach der Tat selbst gestanden, nachdem die Polizei zunächst einen Unschuldigen verdächtigte. Den Polizisten zeigte er, wo er Beweise entsorgt hatte. Das Messer fanden die Beamten so in dichtem Gebüsch wieder. Auch vor Gericht zeigte sich der Mann geständig: Er wolle zu seinem Fehler stehen, so der Angeklagte.

Offen blieb am Ende der Verhandlung, warum er den Überfall überhaupt begangen hatte. Seine Erklärung überzeugte den Richter nicht. Der 52-Jährige sagte aus, er habe eine Mütze herum liegen sehen, unter der er sein Gesicht vor der Überwachungskamera verbergen wollte, und auf dem Tisch ein Küchenmesser. Da sei die Idee ganz spontan entstanden.

Inwiefern Alkohol eine Rolle gespielt hatte, konnte auch ein Gutachter nicht aufklären. Bei dem Überfall war der Angeklagte betrunken. Nach eigenen Angaben hatte er acht bis zehn Bier und fünf bis sechs Jägermeister in seiner Stammkneipe getrunken. Auch als er sich der Polizei gestellt hatte, war er nicht nüchtern. Ein Test ergab einen Wert von 2,3 Promille. Während der Verhandlung gab der Angeklagte zu, regelmäßig viel zu trinken. Süchtig sei er jedoch nicht und auch eine Therapie wolle er auf keinen Fall machen.

Geldnot könne ebenfalls nicht das Motiv gewesen sein, so die Meinung des Richters. Der Angeklagte war schon mehrere Jahre arbeitslos und davor meist nur kurzzeitig angestellt. Zuvor sei die finanzielle Lage nie ein so großes Problem gewesen, dass sie zu Straftaten geführt hätte.

Der Richter konnte sich nicht erklären, warum der Angeklagte die Tat begangen hatte. Es säßen zwar öfter Angeklagte mit einem ähnlichen Lebenslauf vor ihm, also ohne Schulabschluss und Ausbildung, die sich später mit Gelegenheitsjobs oder Arbeitslosengeld über Wasser hielten. „Die bringen dann aber 35 Vorstrafen mit, und nicht drei.“

Der Angeklagte war schon einmal im Gefängnis. Mit der Bankkarte, die ihm eine Bekannte anvertraut hatte, um ihr Geld zu holen, hatte er mehrfach hohe Beträge für sich selbst abgehoben. Der Richter begründete sein, nach seiner Ansicht mildes Urteil letztlich damit, dass der 52-Jährige sich freiwillig gestellt hatte.

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