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Illertissen

10.03.2019

Von wegen „nicht die Bohne“: Beim Saatgutmarkt ist der Andrang riesig

Illertisser Saatgutmarkt
Video: Wilhelm Schmid

Zum vierten Mal fand in Illertissen dank den Förderern der Gartenkultur ein Treffen regionaler Samenhändler statt. Das lockte hunderte Besucher ins dortige Museum – ein Streifzug.

Warum „Dußlinger Becker Schürzle“ so rein gar nichts mit Schürzen zu tun haben und ein Kleeblatt-Streichorchester auch keine Musik macht – all dies und noch mehr Besonderheiten haben einige Hundert Besucher beim vierten Saatgutmarkt in Illertissen im Museum der Gartenkultur erlebt. Dabei war auch die bayerische Bio-Königin Carina Bichler aus Salgen, die nach den repräsentativen Pflichten bei der Eröffnung sogleich über ihre Arbeit beim Demonstrationsnetzwerk „Erbse/Bohne” referierte.

Bürgermeister Jürgen Eisen zeigte sich erfreut, die „royale Besucherin“ auf der Jungviehweide begrüßen zu können. Und Thea Zedelmeier, Vorsitzende des veranstaltenden Vereins „Förderer der Gartenkultur“, überreichte ihr eine handgemachte Kette aus Bohnen der alten Sorte „Dußlinger Becker Schürzle“.

Das Kleegeigen-Orchester mit Dieter Gaißmayer (links) bediente sein Instrumentarium, womit früher Klee ausgesät wurde, im Takt der „Kleinen Nachtmusik“.

„Vielfalt sehen und säen“ hieß denn auch das Motto des Marktes mit 20 Ausstellern, sechs Fachvorträgen und passendem Rahmenprogramm. Er versteht sich als Gegenentwurf zum Saatgutvertrieb großer Konzerne, die – wie es hieß – mit wenigen gezüchteten Sorten die Märkte zu überschwemmen drohen. Die vorgeführte Vielfalt wurde von den „Jodelfrauen“ aus der Region Illertissen, Förster Bernd Karrer auf der Drehleier und dem Kleegeigen-Orchester begleitet. Bei Letzteren handelt es sich um an Geigen erinnernde Geräte zum Säen, welche Dieter Gaißmayer und seine Freunde voll Inbrunst zur „Kleinen Nachtmusik“ von Wolfgang Amadeus Mozart bedienten. Sie waren der Hingucker schlechthin.

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Erbsen-Bohnen-Bällchen mit Gemüse-Dipp, wie es die Bio-Königin empfahl.

Die Aussteller kamen aus der Region und der Schwäbischen Alb, ebenso die Besucher – womit schon ein wichtiges Kriterium der Veranstalter, regionales Saatgut zu verwenden, erfüllt wurde. So war Ulrike Keller von Schwäbisch Gmünd nach Illertissen gefahren, um beim Kartoffelanbieter Christian Müller aus Ettringen einzukaufen. Sie habe noch nicht viel Erfahrung im Garten und durch das Internet von dessen Raritätenhof erfahren, sagte sie. Dabei habe sie sich entschieden: „Ich mag keine F1-Hybriden – so der Name für eine aus zwei Sorten künstlich gekreuzte Pflanze – sondern samenfeste, also nachziehbare Sorten anbauen.“ Der Kartoffelexperte rät, nicht zu tief zu pflanzen und danach zwei bis drei Mal die Erde anzuhäufeln. Wer es besonders gut machen wolle, könne dazwischen eine Mischung aus Ringelblumen und Tagetes pflanzen. „Sie halten den Boden sauber“, so Müller. Ulrike Keller nutzte die Gelegenheit und deckte sich mehrfach ein. „Ich bin ihm extra nachgereist.“

Rege Tauschgeschäfte bei den Vereinen

Rege Tauschgeschäfte gab auch an der Samentauschbörse der Illertisser Gartenbauvereine, wie Christian Haller als Vertreter aus Jedesheim beobachtete. So landete auch Unbekanntes wie etwa Samen von „Wintertomaten“ auf dem Tisch. Näheres dazu wollten die Gartenfreunde noch bei den Experten vor Ort einholen. Große Nachfrage gebe es auch beim sogar ganzjährig verfügbaren Saatgut der Museumsgärten, sagte Gartenkultur-Förderin Gertrud Kristen.

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Saatgutmarkt: Gartenfreunde zieht es nach Illertissen

Bei der Riesenauswahl kam den Bohnen eine Sonderstellung zu. Biologin Denise Emer präsentierte die neu entdeckte Haussorte „Dußlinger Becker Schürzle“. Wegen ihrer harten Schale lassen sie sich zu Schmuckstücken verarbeiten. Oder Eckehard Schauz, ebenso Förderer der Gartenkultur, der die Rosafärbung einzelner, im schönen Muster angeordneten Bohnen erklärte: „Züchter färbten weiße Bohnen, damit sich ihre Sorte nicht mit minderer Ware verfälschen lässt.“

Bio-Königin Bichler stellte die wegen ihres wertvollen Eiweißgehaltes geschätzten Leguminosen – Bohnen und Erbsen – als wenig beachtetes Nahrungsmittel dar: „Viel zu schade, um nur im Futtertrog zu landen.“ Sie bänden Stickstoff und ergänzten in der Landwirtschaft den Fruchtwechsel. Die ökologische Idee breite sich aus, so Bichler.

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