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Fußball

24.02.2018

„Ich konnte immer vorangehen“

Bis zum Sommer wird der „ewige“ Holger Betz (grünes Trikot) die Ulmer Mannschaft noch auf den Rasen des Donaustadions führen. Dann ist seine lange Karriere unwiderruflich vorbei.
Bild: Horst Hörger

Vor dem Karriereende im Sommer spricht das Torhüter-Denkmal Holger Betz über seine lange Zeit bei den Ulmer Spatzen mit all ihren Höhen und Tiefen

Sie sind seit 24 Jahren beim SSV Ulm 1846 Fußball, sie gehören seit 20 Jahren zum Kader der ersten Mannschaft und im Sommer hören Sie auf. Warum gerade jetzt, Herr Betz?

Einfach deswegen, weil ich es so beschlossen habe. Ich werde im Mai 40 Jahre alt und bin also nicht mehr der Jüngste. Manche meiner Mitspieler könnten meine Söhne sein. Mir geht es gesundheitlich gut und ich bin fit, aber irgendwann muss man sich Gedanken machen. Ich kann ja gerne mal schildern, wie beispielsweise der vergangene Mittwoch verlaufen ist: Ich gehe um 6.30 Uhr aus dem Haus, ich arbeite von 7 Uhr bis 16.30 Uhr als kaufmännischer Leiter des Hans-Lorenser-Sportzentrums, der sich auch um vier Auszubildende kümmern muss. Anschließend fahre ich zum Testspiel nach Göppingen und komme gegen 22.30 Uhr nach Hause. Meine zwei Kinder habe ich praktisch nicht gesehen. Das war an diesem einen Tag kein Problem, aber auf Dauer spürt man den Druck.

Ist Ihnen dennoch die Entscheidung schwer gefallen, Ihre Karriere im Sommer zu beenden?

Fragen Sie mich das jetzt im Ernst? Ich bin als Jugendlicher im Alter von 16 Jahren vom SV Tiefenbach nach Ulm gekommen und habe seitdem für diesen Verein gespielt. Natürlich ist mir die Entscheidung schwer gefallen. Ich habe sie sicher auch nicht an einem Nachmittag getroffen und ich weiß nicht mit Bestimmtheit, ob ich den absolut richtigen Zeitpunkt gewählt habe. Aber ich habe sie nun einmal so getroffen.

Sie bleiben dem Verein ja als Torwart-Trainer erhalten. Musste die Vorstandschaft Sie dazu überreden?

Ich musste zumindest davon überzeugt werden. Es gab ja mehrere Optionen. Beispielsweise die, erst mal ein oder zwei Jahre gar nichts zu machen. Ich hätte auch als eine Art Standby-Torwart weiter machen können, aber das kam für mich nicht infrage. Auf einmal verletzen sich die anderen Torhüter, man muss plötzlich rein, kriegt die Bälle um die Ohren geschossen und muss sich auslachen lassen. Torwart ist man entweder zu 100 Prozent oder zu null. Ich habe die Null gewählt, aus der Nummer als Spieler bin ich raus. Das Amt als Torwart-Trainer habe ich übernommen, weil ich in vielen Gesprächen mit dem Verein gespürt habe, dass mir große Wertschätzung entgegengebracht wird.

Aber noch ist ja nicht ganz Schluss. Wie gehen Sie den Rest dieser Saison an?

So wie ich den Anfang dieser Saison angegangen bin. Für uns geht es darum, möglichst schnell die Punkte für den Klassenerhalt zu holen und unser Trainer Tobias Flitsch hat ja gesagt, dass er bis zum Sommer auf mich baut. Ganz ehrlich: Damit hatte ich nicht gerechnet.

Was war Ihre schönste Zeit im Verein?

Ich habe einfach insgesamt eine geile Zeit in Ulm gehabt und ich habe sie noch. Die Höhepunkte kennt jeder: Aufstieg und ein Jahr in der Bundesliga. Aber es gab auch die schwierigen Zeiten mit Insolvenzen und Wettskandalen. Ich konnte auch die genießen und ich hatte immer meinen Spaß. Fußball ohne Spaß geht sowieso nicht. Ich hatte mir persönlich nie etwas vorzuwerfen und ich konnte immer mit erhobenem Haupt voran gehen.

Welcher Trainer hat Sie am meisten geprägt und beeindruckt?

Kann ich so nicht sagen, ich kam mit allen gut klar. Mit Ralf Rangnick, mit Martin Andermatt, mit Markus Gisdol und mit Marcus Sorg. Das sind natürlich unterschiedliche Menschen und unterschiedliche Charaktere, aber sie haben alle ihre klaren Vorstellungen und Philosophien. Ein eigenwilliger und unheimlich cooler Typ ist natürlich Hermann Gerland. Interview: Pit Meier

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