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Interview

01.07.2017

Von der Tour träumt jeder Radsportler

Marius Jessenberger führt das Feld beim Kemptener Stadtkriterium an. Die Hoffnung auf einen Start bei der Tour de France hat der Neu-Ulmer aufgegeben, aber auch im Amateurbereich muss ein Radsportler eine Menge investieren.
Bild: Erwin Hafner

Auch Rennfahrer Marius Jessenberger aus Neu-Ulm fiebert der Frankreich-Rundfahrt entgegen. Wie er mit dem Dauerthema Doping umgeht und was er zum Fall Jan Ullrich zu sagen hat

Heute wird in Düsseldorf die Tour de France gestartet. Fiebern Sie als Radrennfahrer diesem Ereignis ebenso entgegen wie ein Fußballer einer Weltmeisterschaft, Herr Jessenberger?

Das kann man durchaus vergleichen. Vor allem in jungen Jahren träumt doch jeder Radsportler davon, einmal die Tour zu fahren. So wie eben auch jeder Fußballer im Bambini-Alter mal in der Bundesliga oder sogar bei einer Weltmeisterschaft spielen will.

Sie sind 26 Jahre alt. Träumen Sie immer noch von der Tour?

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Inzwischen nicht mehr, auch wenn es allein vom Alter her schon passen würde. Aber das ist ja auch immer eine Frage der Zeit und der Finanzen. Ich bin drei Jahre lang als Profi in der dritten Liga gefahren und kam dabei in den Genuss, mich mit einigen der Topstars der Szene zu messen. Doch das ist ein extrem schmaler Grat, man ist zwischen März und Anfang Oktober an jedem Wochenende beschäftigt. Das kann man ein paar Jahre lang machen, aber man kann auf diesem Niveau nicht davon leben. Irgendwann musste ich dem Beruf deswegen Priorität einräumen.

Apropos Zeit und Finanzen: Wie intensiv trainieren Sie als Amateur-Rennfahrer und wie viel kostet Ihre Ausrüstung?

Im Durchschnitt trainiere ich pro Woche zwischen 15 und 18 Stunden. Im Sommer fast ausschließlich im Sattel, im Winter gehe ich auch laufen oder mache Krafttraining. Mein Rennrad kostet etwa 10000 Euro und mit dem könnte man sicher auch eine Tour de France fahren. Aber diesbezüglich habe ich Glück. Ich lebe ja in Neu-Ulm, aber ich fahre für den RSC Kempten und wir dürfen die Räder eines Herstellers testen. Andernfalls ginge es auch billiger. Man bekommt für 3500 bis 4000 Euro auch ein sehr gutes Rennrad.

Sie werden als Radsportler sicher immer wieder mit dem Thema Doping konfrontiert. Wie sehr nervt das?

Ich bin da völlig offen und das ist eigentlich jeder Fahrer. Fragen zu dem Thema sind in Ordnung, Unterstellungen nicht.

Also eine Frage: Wie sauber ist der Radsport?

Ich würde für niemanden die Hand ins Feuer legen. Aber ich gehe davon aus, dass der Amateursport sauber ist. Es ist ja auch nicht so, dass ein Fahrer irgendein Präparat einwirft und dadurch entwickelt er Talent.

Wie sieht es im Profisport aus?

So lange Leute wie der überführte Dopingsünder Alberto Contador bei der Tour mitfahren, wird das ein Thema bleiben und ich fürchte, dass wir auch nach seiner Zeit damit konfrontiert werden. Aber erstens sollte man nicht den Fehler machen, daraus Rückschlüsse auf den Amateurbereich zu ziehen. Und zweitens stehen zwar die Radsportler besonders im Fokus. Aber gedopt wird sicher auch in ganz vielen anderen Sportarten.

Jan Ullrich hat vor 20 Jahren als einziger Deutscher die Tour gewonnen, später wurde seine Verwicklung in den Doping-Skandal bekannt und zum Start in Düsseldorf wurde er nicht eingeladen. Wie beurteilen Sie diese Entscheidung?

Ich tue mich schwer mit einer Antwort. Ich denke, dass an Ullrich ein Exempel statuiert wird und das mit deutscher Gründlichkeit. Gerade vor dem Hintergrund, dass der Spanier Contador sogar mitfährt. Ullrich sollte meiner Meinung nach keine Schlüsselposition im deutschen Radsport übernehmen. Aber man muss ihn auch nicht gesellschaftlich isolieren.

Ganz banal: Wem drücken Sie bei der Tour die Daumen?

Ich habe ein paar Lieblingsfahrer, aber keine Idole. Ich betrachte die Tour aus einem eher professionellen Blickwinkel und finde deswegen auch Flachetappen spannend, die auf einen Laien eher langweilig wirken mögen. Bei den Sprints drücke ich unseren deutschen Fahrern Marcel Kittel und Andre Greipel die Daumen. Ansonsten hoffe ich, dass es im Gesamtklassement möglichst lange spannend bleibt. Interview: Pit Meier

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