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Krumbach

31.01.2020

Arbeiterwohlfahrt: Dienst im Zeichen der Menschlichkeit

Alois Kroner war 1949 der erste Krumbacher Kreis- und Ortsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt.
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Alois Kroner war 1949 der erste Krumbacher Kreis- und Ortsvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt.
Bild: Sammlung Arbeiterwohlfahrt

Plus Der Orts- und Kreisverband feiert sein 70-jähriges Bestehen. Was die Arbeiterwohlfahrt für die Menschen leistet.

Die bundesdeutsche Arbeiterwohlfahrt ( Awo) hat ihr 100-jähriges Bestehen 2019 gefeiert – dies ohne Feier im Kreisverband, der im gleichen Jahr seinen 70. Geburtstag hätte begehen können. „Dieses Doppeljubiläum wird im Frühjahr nachgeholt“, sagt Kreisvorsitzender Alfons Schier, wenngleich er den genauen Termin noch nicht sagen kann. Bei einem Streifzug durch die Awo-Geschichte wird auf prägnante Weise deutlich, was die Awo für die Menschen leistet.

Ein Festakt wäre durchaus angebracht, ist doch die Krumbacher Awo eine Hilfseinrichtung, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute erfolgreich arbeitet. Das 1955 gebaute Altenheim und um die Jahrtausendwende erweiterte Seniorenwohn- und Pflegezentrum an der Augsburger Straße gehört noch immer zu den bedeutendsten Sozialeinrichtungen im südlichen Landkreis.

Die Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt wird so zu einem Spiegelbild der Zeitgeschichte, die am Ende des Ersten Weltkriegs im Jahre 1918 ihren Anfang nahm. Kennzeichen waren nach der Niederlage des Deutschen Reichs Jahre der politischen Instabilität und des wirtschaftlichen Ruins. Es gab zudem Millionen von Kriegerwitwen, Kriegsversehrten und Waisenkinder. In dieser Zeit taucht der Name Marie Juchacz (geboren 1879 in Landsberg/Warthe, gestorben 1956 in Düsseldorf) auf. Sie gründet als Reichstagsmitglied am 13. Dezember 1919 die Arbeiterwohlfahrt und bleibt bis 1933 deren erste Vorsitzende, bevor sie nach Hitlers Machtübernahme in die USA emigriert.

Arbeiterwohlfahrt: Dienst im Zeichen der Menschlichkeit

Mit der SPD ist die Arbeiterwohlfahrt schon zu dieser Zeit eng verbunden, versteht sich aber stets als nicht ausschließlich der Arbeiterschaft dienende Gemeinschaft. So werden von ihr in den schweren Nachkriegsjahren beispielhaft in Volksküchen Hungernde versorgt, Nähstuben eingerichtet, Sammlungen von Lebensmitteln und Kleidern organisiert, Kinder in Erholung geschickt und alte Menschen betreut. Aber schon kurz nach Beginn der Nazi-Regierung im Januar 1933 wird die Awo verboten. Erst 1946 kommt es zum Wiederbeginn der Arbeit als parteipolitisch und konfessionell unabhängige selbstständige Organisation.

Ähnlich wie nach dem Ersten Weltkrieg ist die Not groß. Gemeinsam mit den Besatzungsmächten werden erneut Care-Paketaktionen durchgeführt, in Volksküchen bedürftige Einheimische, Ausgebombte, Vertriebene und besonders Kinder versorgt. Später kam der Bau von Kindergärten und Altenheimen hinzu.

Erst im Jahr nach der Wiedervereinigung 1989 ist der Awo-Bundesverband wieder flächendeckend in allen Bundesländern mit einer Vielzahl von ehrenamtlichen Hilfskräften aktiv. Der Ortsverein und der Kreisverband Krumbach werden am 25. April 1949 gegründet. Erster Orts- und Kreisvorsitzender ist der Silberschmid Alois Kroner. Die Gründung des Ortsvereins Thannhausen folgt im Oktober 1949, zwei Jahre später gibt es einen Ortsverband Aichen (der nach dem Wegzug vieler Heimatvertriebener 1958 aufgelöst wird) und schließlich kommt 1991 der Ortsverein Neuburg hinzu, dessen Mitglieder sich vor geraumer Zeit dem OV Krumbach angeschlossen haben.

Zwei eigenständige Kreisverbände

Inzwischen sind noch zwei eigenständige Kreisverbände für den südlichen und nördlichen Landkreis aktiv, die jedoch organisatorisch zusammenarbeiten. Gleiches gilt für die beiden Ortsverbände Krumbach und Thannhausen im südlichen Bereich.

Maßgebliche Initiatoren für die Ortsvereinsgründung waren der einheimische SPD-Stadtrat Alois Kroner und der aus Nikl im Sudetenland stammende Josef Matzka. Er war als Heimatvertriebener im September 1946 nach Krumbach gekommen und ein Jahr später von den Vertriebenen im Landkreis zum Vertrauensmann gewählt worden. In seiner eigenen Wohnung fand die erste Sitzung des Arbeitsausschusses zur Gründung eines Awo-Kreisverbandes statt, bevor dies dann im April 1949 offiziell geschah. Als Vorsitzenden wählten die Genossen bewusst den Einheimischen Alois Kroner, wobei schon damals Josef Matzka die Rolle des Geschäftsführers zu übernehmen hatte. Erste maßgebliche Arbeit war die Organisation einer Frühjahrs-Haussammlung in den Orten Krumbach, Ellzee, Langenhaslach, Thannhausen, Balzhausen, Burg, Münsterhausen und Hagenried, die nach den Unterlagen Matzkas 2125,14 Mark einbrachte. Ein Jahr später machte sich dann der Ortsverband Krumbach „selbstständig“ und gab sich eine eigene Vorstandschaft mit Jakob Schmid als Vorsitzendem. Die Zusammenarbeit mit dem Kreisverband blieb weiter sehr eng. Gemeinsam wurde der Bau eines Altenheims in Krumbach mit 53 Bewohnern zumeist mit Zweibettzimmern angegangen und 1955/56 in die Tat umgesetzt.

Damals galt dieses Vorhaben als „Symbol des Wirtschaftswunders“, wie es in der Chronik steht. Es handelt sich um den westlichen Trakt, der mit dem 1998 erfolgten Neubau auf heute 84 Bewohner in großteils Einzelzimmer erweitert wurde.

Der heute 82-jährige Alfons Schier ist seit 1977 untrennbar mit der Awo im Orts- und Kreisverband und ebenso im Bezirk verbunden. Mehrfach wurde er für seine uneigennützige und ehrenamtliche Arbeit ausgezeichnet. Und was für die Sozialeinrichtung noch wichtiger ist: Sein Marschmotto „Reden ist Silber – Mithelfen ist Gold“ will er weiter „leben“. Er verkörpert die Arbeiterwohlfahrt mit ihrem Wandel in der Zeitgeschichte seit Jahrzehnten mit einem Gespür, das alle Erfordernisse beinhaltet und nach Möglichkeit außerdem berücksichtigt.

Zahlreiche Hilfstransporte

Neben Essen auf Rädern und sozialen Hilfsdiensten sind dies zahlreiche Transporte nach Ost- und Südosteuropa. In Zahlen seit 1990: Dreimal Ukraine, sieben Fahrten nach Rumänien und 60 Unternehmen nach Kroatien, jeweils in mehreren Fahrzeugen beladen mit Lebensmitteln, Bekleidung und Medikamenten sowie Haushalts- und Kleingeräten.

Ganz spontan weiß Schier einige Episoden. So erinnert er sich an eine Fahrt nach Klausenburg/Rumänien und erzählt vom Ortspfarrer einer kleinen Gemeinde, der dringend Glühbirnen für seine Kirche brauchte, die aber nirgends zu kaufen waren. Schier handelte sofort: In seinem Transporter befanden sich zwei OP-Lampen aus der Krumbacher Klinik. Er tauschte sie mit Billigung des Chefarzts in einen Karton Haushaltsbirnen und beiden Seiten war geholfen.

Überhaupt fehlte es damals stark an Beleuchtungskörpern. Ein weiteres Beispiel: Die Kleinbusse mussten nach zwölfstündiger Fahrt betankt werden, doch wollte der Tankwart keine D-Mark, da inoffizieller Geldwechsel verboten war. Schier: „Gegen drei Karton Glühbirnen füllte er uns alle fünf Tanks und weiter ging‘s Richtung Heimat.“

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