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Krumbach

11.09.2020

Auftakt zum Literaturherbst in Krumbach: Stefan Verra und die Körpersprache

Mit großem Einsatz von Körpersprache begleitete Stefan Verra seinen Auftritt vor einem begeisterten Publikum im Stadtsaal.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Plus Wie Stefan Verra zum Auftakt des Literaturherbst Körpersprache einsetzte und welchen Tipp er den Krumbachern gab.

Vor rund 100000 Menschen spricht Stefan Verra jedes Jahr. Man darf annehmen, dass der weltweit gefragte Körpersprache-Experte, der in der Lage ist, 20000 Hörer in einem Fußballstadion in seinen Bann zu ziehen, auch das Publikum im Krumbacher Stadtsaal begeistern könne. Überraschend war dann bei der Auftaktveranstaltung zum Literaturherbst in Krumbach nicht, dass Verra die Erwartungen an ihn erfüllte, sondern mit welcher Leichtigkeit und Lockerheit, mit wie viel Charme und Witz, Spontanität und Freude am Auftritt er das hinbekam.

Was er sagte, das leuchtete ein, seine Beispiele packten zu und einige Übungen, die das Publikum mitmachte, wirkten überzeugend und sorgten für jede Menge Heiterkeit. Es war, als wollte Verra einen seiner Grundsätze durch Körpereinsatz demonstrieren – nämlich dass Leben sich als Bewegung äußert. Er flitzte über die Bühne, immer in flotter Bewegung („Frequenz“), stets ausgreifend aktiv („Amplitude“) und fortwährend seinen Gesichtsausdruck an das Gesagte anpassend.

Der Mensch sei ein Rudelwesen. Gerade eben habe der Corona-Lockdown uns bewusst gemacht, was uns fehle, wenn wir auf uns selbst reduziert würden, erklärte der Referent. Im Rudel reagiere der Mensch beständig auf äußere Signale der anderen. Dass der Körper noch vor dem Rationalen aktiv werde, das könne jeder an sich selbst wahrnehmen, wenn er im Auto einer Polizeistreife begegne.

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Stefan Verra spricht beim Auftakt des Literaturherbst über Donald Trump

Alle, die den Vorrang der Körpersprache skeptisch beurteilt hätten, habe schließlich Donald Trump eines Besseren belehrt, denn Trumps Wirkung könne man nicht mit dem erklären, was er sage, sondern nur mit dem, wie er sich körpersprachlich darstelle. Alle Besucher waren aufgefordert, aufzustehen und die Selbstherrlichkeits-Pose von Trump übend zu imitieren: Zeigefinger und Daumen bilden einen Ring, die Unterarme weisen nach oben, Ellenbogen sind eng am Körper, der Kopf ist zur Seite gedreht und angehoben.

Die Pose allein aber mache es noch nicht. Ihre Wirkung lasse sich nur im Gesamtzusammenhang verorten, meinte Verra. Dass Trumps Aggressivität in Amerika gut ankommt, liege daran, dass Trump körpersprachlich das Aggressivitätspotenzial vieler seiner Landleute spiegelt, die um ihre eigene Zukunft und die Zukunft ihres Landes bangen. Verra gab immer wieder den einen oder anderen Hinweis darauf, wie Merkel und Macron, ein Sebastian Kurz oder ein Xi Jinping wirkten, legte den Schwerpunkt des Abends aber auf die Bedeutung der Körpersprache im Alltag.

Am meisten zu lachen hatte das Publikum bei der Übung, dem Nachbarn einen Satz zu sagen, ohne die Augenbrauen einzusetzen, dann den Satz zu wiederholen und mit Nachdruck die Augenbrauen sprechen zu lassen. Die Wirkung des gesprochenen Wortes im Verbund mit den Augenbrauen erwies sich als eine völlig andere. Man sollte nicht die gesprochene Sprache gegen die Körpersprache ausspielen, sagte Verra. Die gesprochene Sprache sei viel präziser, doch das Gesagte bekomme durch die passende Körpersprache erst so richtig Nachdruck und Wirkung. Gemeinhin gilt Körpersprache als unbewusst, weshalb sie nicht oder nur sehr bedingt gesteuert werden kann. Verra vertritt dazu eine abweichende Position.

Beim Literaturherbst in Krumbach dreht sich zum Auftakt alles um Körpersprache

Natürlich könne man nicht seinen ganzen Körper gezielt einsetzen, erklärte er. Es reiche aber, sich auf eine Körperpartie zu konzentrieren. Die Änderung, die man hier bewusst erreichen könne, wirke sich automatisch auf die Stimme, die Haltung, den Körper insgesamt aus. Das Ergebnis eines gezielten Einsatzes von Körpersprache würde ein besseres und effektiveres Miteinander im Alltag sein, ein Gewinn für alle, so der Referent.

Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer machte in seinem Grußwort auf die Nöte der Kulturschaffenden in Corona-Zeiten aufmerksam. Unsere Kulturlandschaft drohe zu verarmen. Er sei froh, dass der Literaturherbst stattfinde, und zwar als eine Reihe echter und interaktiver Begegnungen von Künstler und Publikum.

Sabine Turek, Prokuristin der Raiffeisenbank Schwaben Mitte, sprach ihr Schlusswort, als hätte der Vortrag von Stefan Verra wie ein Crashkurs zur Körpersprache auf sie gewirkt. Mit leuchtenden Augen und starker Mimik erklärte sie, so viel gelacht und aktiv mitgezogen hätte das Publikum noch bei keiner der bislang 15 Auftaktveranstaltungen zum Literaturherbst. Sie verwies auf die große organisatorische Leistung, die hinter den 16 Veranstaltungen stecke, und ehrte Anita Roth und Christine Däubler für ihre Verdienste mit Blumen.

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