Kriminalität

27.01.2012

Bei Anruf Betrug

Immer häufiger agieren Callcenter aus dem Ausland und versprechen Gewinne

Landkreis „Sie haben gewonnen“: Wer wird nicht hellhörig, wenn die Stimme am anderen Ende der Leitung ein nigelnagelneues Auto verspricht? So ist es einem jungen Pärchen aus dem südlichen Landkreis gegangen, dem am Telefon ein neuer Volvo in Aussicht gestellt worden war. Doch der große Preis entpuppte sich als Nullnummer – sitzen geblieben ist das Pärchen auf rund 700 Euro, die es im Voraus für die Kaskoversicherung für den Neuwagen überwiesen hatte. Ähnliche Betrugsfälle häufen sich derzeit, sagen Werner Deuring und Thomas Marcks, die Experten des Sachgebiets Internetkriminalität der Polizeiinspektion Krumbach. Das Muster, nach dem die Kriminellen vorgehen, ähnelt sich.

Vorgeschaltet sind Callcenter, die vom Ausland aus operieren. Sie rufen ihre Opfer an und versprechen zunächst einen Gewinn. Doch der ist an Vorleistungen gebunden. Das kann die Kaskoversicherung oder auch eine Zollgebühr sein. Das Geld soll dann überwiesen werden – über die Western Union. Über das Unternehmen lässt sich weltweit schnell Bargeld transferieren. Die Betrüger holen es sich dann bei einer Western-Union-Niederlassung ab und bleiben dabei unerkannt.

Eine weitere Betrugsmasche, die die Polizei beschäftigt, hat ebenfalls mit Callcentern zu tun: Deren Mitarbeiter rufen bevorzugt ältere Menschen an und setzen sie unter Druck. Unter einem Vorwand wird der Gesprächspartner eingeschüchtert: Beispielsweise drohen die raffinierten Callcenter-Mitarbeiter mit dem Gerichtsvollzieher.

Gearbeitet werde mit allerlei Tricks, erklärt Werner Deuring. Bei der Gewinn-Vorspiegelung gebe es beispielsweise eine Benachrichtigung mit einer Telefonnummer eines Notars oder Rechtsanwalts. Wer anruft, der landet wieder im Callcenter – bei jemand, der sich als Jurist ausgibt. Perfide: Teilweise sollen die vermeintlichen Gewinner sogar über das Internet verfolgen können, wo sich das neue Auto auf dem Weg nach Deutschland gerade befindet. Kurz vor dem Ziel werde dann die Internetseite gelöscht, so Deuring. Die Aufklärungsquote von Internetkriminalität sei im Rahmen der Möglichkeiten gut, sagt Thomas Marcks. Allerdings sind die Möglichkeiten mitunter beschränkt: Nicht jeder Provider oder Telefondienstleister hält die sogenannten Verkehrsdaten längere Zeit vor. „Wir könnten noch erfolgreicher aufklären, wenn sechs Monate gespeichert würde, so wie es die EU vorsieht“, sagt Thomas Marcks.

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