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Fußball

21.08.2019

Das Ende einer erfolgreichen Jugendarbeit

Die Zahl der Jugendmannschaften sinkt immer weiter: Uwe Nitsch sorgt sich ernsthaft um die Zukunft des Fußballs in der Region.
Bild: Ernst Mayer

Über zehn Jahre lang hat die JFG Krumbach mit wechselnden Partnervereinen viele Talente hervorgebracht. Jetzt hat sich der Verein aufgelöst. Das Ende der Jugendfördergemeinschaft ist auch ein Alarmsignal.

Wer jüngst einen Blick in die neuen Spielpläne für die Bezirksoberliga der A-Junioren geworfen hat, wird überrascht festgestellt haben: Der letztjährige Meister der Kreisliga, die JFG Krumbach, ist nicht dabei. Stattdessen wird da der TSV Krumbach aufgeführt. Wie der Vorsitzende der JFG Krumbach auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt, ist das kein Tippfehler des Bayerischen Fußballverbands (BFV). Die JFG Krumbach, die über 15 Jahre hinweg durchaus erfolgreiche Jugendarbeit im südlichen Landkreis betrieben hat, hat sich zum Ende der vergangenen Saison aufgelöst.

Aus Neuburger Sicht lohnt sich der Aufwand nicht

Grund dafür ist der Ausstieg des zweiten Stammvereins, des SV Neuburg. Herbert Constanti, Jugendleiter in Neuburg und gleichzeitig Zweiter Vorsitzender der JFG, erklärt die Entscheidung seines Vereins: „Nur sieben oder acht von 80 Spielern bei der JFG waren aus Neuburg. Wir haben aber trotzdem jedes Jahr mehrere Tausend Euro investiert. Das stand in keinem Verhältnis mehr. Der Aufwand hat sich nicht gelohnt.“ Da auch die erste Mannschaft der Neuburger, die in der Kreisklasse West 1 spielt, kaum Nachwuchs aus der JFG gewonnen habe, sei die Entscheidung in der Abteilungsführung einstimmig ausgefallen. „Kleinfeldmannschaften haben wir selber. Wir werden jetzt versuchen, von unten herauf wieder etwas Eigenes aufzubauen.“ Dazu sei auch eine Spielgemeinschaft im Jugendbereich mit dem TSV Langenhaslach geplant, so Konstanti.

Und was passiert mit den Mannschaften aus der jetzt aufgelösten JFG? Die werden nun mit dem Wappen des TSV Krumbach auflaufen, informiert JFG-Chef Uwe Nitsch. Zumindest im übertragenen Sinne. „Sie werden erst mal weiter die JFG-Trikots tragen. So schnell können wir die nicht alle austauschen.“ Der TSV werde auch in der kommenden Saison in allen Spielklassen vertreten sein, so Nitsch weiter. Nachwuchssorgen hat man beim ältesten Verein des Landkreises (noch) nicht. Doch der langjährige Jugendtrainer macht sich dennoch Sorgen. „Die Zahl der Jugendmannschaften sinkt immer weiter. Wir haben im Landkreis kommende Saison nur noch 17 A-Jugendteams. Wie soll da der Nachwuchs für 90 aufstiegsberechtigte Mannschaften reichen?“

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Der Lokalrivale SpVgg Krumbach winkt ab

Als Chef der JFG Krumbach musste Nitsch regelmäßig seine größten Talente an andere Vereine abgeben. Jüngstes Beispiel ist Marco Schneider, der aus der Meistermannschaft der Krumbacher A-Junioren zum TSV Ziemetshausen wechselte und dort in fünf Spielen bereits fünf Tore geschossen hat. „Andere Spieler verlassen den Verein wegen des Studiums, wollen mit den Kumpels zusammenspielen oder werden mit Geld gelockt“, sagt Nitsch. Auch in Krumbach kommt man deshalb zu dem Schluss: Die erste Mannschaft hat von der JFG nicht genug profitiert. Weiter gemacht hätte man dennoch, so Nitsch. Doch es fand sich kein neuer Partnerverein. Unter anderem habe Lokalrivale SpVgg Krumbach abgewunken.

Ist das Konzept der Jugendfördergemeinschaften damit am Ende? Es sei zumindest nicht mehr attraktiv, sagt Uwe Nitsch. Seit auch Spielgemeinschaften im Jugendbereich aufstiegsberechtigt sind, würden sie von vielen Vereinen bevorzugt. Denn dafür müsse kein eigener Verein gegründet werden. Doch auch sie könnten das Mannschaftssterben nicht aufhalten. „Die Verbände verschlafen das Problem. Es müssten neue Konzepte her, neue Anreize für Vereine und Jugendliche.“ Nitsch spricht sich unter anderem dafür aus, höherklassige Vereine zu einer eigenen Jugendarbeit zu verpflichten. Er erwähnt hier explizit Landesligist SC Ichenhausen, dessen Spieler ausschließlich bei anderen Vereinen ausgebildet wurden.

Nun macht's der TSV Krumbach allein

Der TSV Krumbach versucht nun, die gute Jugendarbeit alleine fortzusetzen. Ob der Kreisklassist davon profitieren kann, wird sich zeigen.

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