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Krumbach

21.05.2020

Der Spaß, wieder auf dem Tennisplatz zu stehen

Tennistrainer Benni Schmid auf dem Platz von Rot-Weiß Krumbach. Links von ihm sieht man, dass andere Tennisplätze noch nicht hergerichtet sind.
Bild: Rebecca Mayer

Wegen der Lockerungen der Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus darf seit 11. Mai wieder auf den Tennisplätzen gespielt werden. Wie eine Kindermannschaft in Krumbach trainiert.

Der erste Ball geht gegen das Netz. „Oh menno“, ruft Sophie*. „Ich bekomme ja gar nichts mehr hin.“ Tennistrainer Benni Schmid lächelt sie an: „Du musst dir Zeit geben.“ Gerade nach so einer langen Pause müsse man sich an das Hüpfen der Tennisbälle erst wieder gewöhnen. Mit Sophie trainieren Lisa* und die beiden Schwestern Marie* und Klara*. Es ist das erste Tennistraining der Mädchen, das nach der achtwöchigen Corona-Pause wieder stattfindet. Da sei es, so Schneider, völlig normal, dass der erste und auch der zweite Schlag nicht optimal sitze. „Das braucht einfach Übung“, beruhigt er seine Schülerin.

Vier Mädchen trainieren in Krumbach

Seit dem vorletzten Montag, dem 11. Mai, sind die Tennisanlagen in Bayern wieder geöffnet. Dass das Training unter den auferlegten Schutzmaßnahmen nicht wie gewöhnlich ablaufen wird, spürt man bereits an der Art und Weise, wie die Kinder den Tennisplatz in Krumbach betreten. Vorsichtig blicken sich Marie und Klara um. Als Marie ihre Teamkollegin Lisa sieht, strahlt sie über beide Ohren. „Hallo“, ruft sie ihr schon von Weitem zu und bleibt ein paar Meter entfernt stehen. „Ihr müsst auf dem gesamten Tennisgelände den Abstand zu einander einhalten“, spricht Trainer Benni Schmid den Spielerinnen zu. Alle vier sind bereits zu Beginn des Trainings in ihren Sportklamotten umgezogen gekommen. Denn die Umkleiden sind wegen der auferlegten Schutzmaßnahmen gesperrt. „Die Kinder dürfen sich in der Sportanlage weder umziehen, noch duschen“, erklärt Schmid. Die Toiletten seien für die Sportler frei zugänglich. Auf den Waschbecken würden Händedesinfektionsmittel bereitstehen. Der 39-jährige Trainer erklärt seinen Schülerinnen im Alter von elf bis 14 Jahren, was sie während des Trainings zu beachten haben. „Wir müssen verschiedene Schutzmaßnahmen einhalten und aufpassen, dass wir uns beim Spielen nicht in die Quere kommen.“ Wegen der Gefahr, den Abstand untereinander nicht einzuhalten, dürften Doppelspiele derzeit nicht gespielt werden.

Die Gruppe läuft hintereinander auf das Spielfeld. Während Benni Schmid das Desinfektionsmittel in die Hände der Mädchen verteilt, ziehen alle gleichermaßen die Nase hoch. „Das riecht wie eine Seife mit Moskitoschutz“, sagt Klara und die Truppe beginnt zu kichern. Der Trainer zeigt auf die vier Bänke, die am Spielfeldrand aufgestellt sind. Er erklärt: „Jeder von euch bekommt während des Trainings eine Bank, auf die ihr eure Sporttasche ablegen und euch bei einer Trinkpause hinsetzen könnt.“ Die aufgestellten Markierungen im Spielfeld seien dazu da, untereinander den notwendigen Abstand einzuhalten. Nach einer kurzen Aufwärmübung beginnt das Tennistraining. Als Sophie nach ein paar Versuchen den Ball über das Netz spielen kann, strahlt sie über das ganze Gesicht. Auch die anderen Mädchen freuen sich, wieder trainieren zu dürfen. „Das Training ist anders. Anders heißt aber nicht immer, dass etwas problematisch ist. Ich finde es einfach nur toll, wieder auf dem Platz stehen zu dürfen und spielen zu können“, erzählt Klara. Bei jedem weiteren Schlag gegen den Ball spürt man die Freude der Mädchen. „Durch das Tennis habe ich einen Sport gefunden, durch den ich mich richtig auspowern kann. Das hat mir in den vergangenen Wochen wirklich gefehlt“, sagt Marie. Die achtwöchige Trainingspause hätte die Mädchen aber auch erfinderisch gemacht. „Wir haben versucht, auf der Straße Tennis zu spielen“, strahlen Marie und Klara. „Ich habe sogar gegen das Garagentor gespielt“, ergänzt Lisa. „Meine Eltern fanden die Delle im Garagentor aber nicht sehr toll.“

Der Spaß, wieder auf dem Tennisplatz zu stehen

Tenniscamp der Krumbacher in den Pfingstferien fällt aus

Nach den auferlegten Schutzmaßnahmen dürften maximal vier Spieler gleichzeitig auf dem Platz trainiert werden. Auch unter normalen Bedingungen würde Benni Schmid nicht in größeren Gruppen trainieren. „Mehr als vier Kinder auf dem Platz zu trainieren, macht für mich keinen Sinn. Da sind zu viele Spieler auf zu engem Raum zusammen“, berichtet er. Seit fünf Jahren ist Benni Schmid Tennistrainer beim TC Rot-Weiß Krumbach. Für diese Saison dürften die Vereine, so Schmid, selbst entscheiden, ob sie eine Mannschaft für die Mannschaftswettspiele anmelden oder nicht. „Die Sommersaison im Tennis ist in diesem Jahr eine Art Übergangs- beziehungsweise Freizeitsaison.“ In Krumbach seien Mannschaften zu den Wettspielen angemeldet. „Auf die Wettspiele arbeiten die Kinder die ganze Saison hin“, berichtet er. Diese Vorfreude, ihr Können unter Beweis zu stellen, dürfte man den Spielern nicht komplett nehmen. Das Tenniscamp, das in den Pfingstferien stattgefunden hätte, fällt aus. „Das ist schade“, sagt Klara. „Ich versuche jedes Jahr, daran teilzunehmen, denn es ist einfach eine tolle Sache, so viel Zeit mit Tennisspielen zu verbringen.“ Der Grund für die Absage sei, so Schmid, die hohe Teilnehmerzahl gewesen. „Wir hatten zu viele Teilnehmer, dass wir den Abstand nicht richtig hätten einhalten können.“ In den Sommerferien sei ein weiteres Tenniscamp geplant. Ob dieses stattfinde, sei, so Schneider, noch unklar. Das Spielfeld neben der Trainingseinheit hat kein Netz. „Es sind noch nicht alle Plätze auf dem Tennisgelände hergerichtet“, erklärt der 39-Jährige. Aufgrund der Wetterextreme von Wärme und Kälte und insbesondere dem stetig wiederkehrenden Nachtfrost sei der Boden auf den Plätzen teilweise sehr weich und würde sich nicht so gut zum Spielen eignen. Er freut sich: „Zum Glück dürfen wir nun die Außenbewirtung wieder nutzen.“ Durch die Schließung der Gastronomie, so auch der Bewirtung am Tennisplatz, ginge, so Schmid, ein Stück weit die Geselligkeit unter den Tennisspielern verloren.

Als Marie mit ihrem Schläger den Ball trifft und ihn sehr hoch über das Netz schießt, witzelt der Trainer mit ihr und sagt: „Du spielst ja so hoch wie der Mount Everest.“ Auch, wenn der ein oder andere Ball heute noch nicht perfekt über das Netz ging, freuen sich die Mädchen schon auf das nächste Training. „Wir können nur besser werden“, sagt Sophie und lächelt Marie zu.

* Die Namen der Kinder wurden aus Datenschutzgründen geändert.

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