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Krumbach

05.05.2020

Dr. Josef Langenbach: Ein Leben für Krumbach und den Landkreis

2015: Auszeichnung mit der Goldenen Bürgermedaille (höchste Krumbacher Auszeichnung): Dr. Josef Langenbach (links) und Bürgermeister Fischer.
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2015: Auszeichnung mit der Goldenen Bürgermedaille (höchste Krumbacher Auszeichnung): Dr. Josef Langenbach (links) und Bürgermeister Fischer.
Bild: Monika Leopold-Miller

Plus Dr. Josef Langenbach, langjähriger Chefarzt und Kommunalpolitiker, ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein ehrenamtliches Engagement wurde vielfach ausgezeichnet.

„Ich kann es immer noch nicht glauben, vor einigen Tagen hat er doch noch an der Stadtratssitzung teilgenommen“, sagt Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer zum Tod von Dr. Josef Langenbach. Der langjährige Chefarzt in der Krumbacher Kreisklinik hat auch die Kommunalpolitik in Krumbach und im gesamten Landkreis Günzburg über Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Nun ist er im Alter von 85 Jahren gestorben.

Langenbach gehörte dem Krumbacher Stadtrat seit 1972 an. Bei der jüngsten Kommunalwahl hatte er nicht mehr kandidiert. Bei der letzten Sitzung des bisherigen Stadtrates (2014 bis 2020) wurde er feierlich verabschiedet. „Und so war er. Pflichterfüllung bis zum letzten Tag“, betont Fischer, der die umfassenden Verdienste Langenbachs mit Nachdruck würdigte.

„Er ist noch immer ein Energiebündel“, schrieben die MN vor fünf Jahren in einem Bericht über das Leben und Schaffen von Dr. Josef Langenbach, der damals seinen 80. Geburtstag feierte. Jetzt nahm er Abschied von dieser Welt, nach längerer Krankheit und doch aktiv bis zu seinen letzten Tagen. Die Stadt, der Landkreis, die Krumbacher Klinik und der Sport trauern um einen Menschen, dem zeitlebens der mittelschwäbische Raum viel bedeutet hat, dem er bereit- und freiwillig diente und in dem er sich viele Jahrzehnte wohlfühlte – immer in dem Bewusstsein, die Familie hinter sich zu haben. Den abstrakt klingenden Begriff „Person des öffentlichen Lebens“ hat er in bemerkenswerter und beispielhafter Weise in die Tat umgesetzt.

Unweit des Kaiserstuhls geboren

Geboren ist Dr. Langenbach am 11. April 1935 unweit des Kaiserstuhls nahe Freiburg. Seine Mutter stammte aus Glött (Landkreis Dillingen) und war im Hotelbereich tätig. Dort lernte sie den Kenzinger Ratsschreiber Josef Langenbach kennen, heiratete ihn und brachte den Sohn Josef zur Welt. Jedoch starb der Vater drei Jahre später an Lungentuberkulose, sodass der kleine Bub an ihn kaum eine Erinnerung besaß. Seine Mutter kehrte wenig später nach Schwaben zurück, erhielt bei der Bahn eine Beschäftigung und fand in Augsburg eine Wohnung.

In vielen Gesprächen erinnerte sich Langenbach später immer wieder an den Zweiten Weltkrieg und an dessen Ende mit der schrecklichen Bombennacht im Februar 1944. Er selbst war damals acht Jahre alt. Er erzählte über die Angst im Luftschutzkeller, aber auch vom glücklichen Gefühl, dieses schreckliche Ereignis überlebt zu haben. Einige Monate später wurde die Augsburger Wohnung beschlagnahmt, amerikanische Soldaten zogen ein und der Familie – seine Mutter hatte inzwischen einen Musiklehrer geheiratet – blieb lediglich ein Zimmer. Immer wieder äußerte er sich positiv über die große Hilfsbereitschaft der Menschen in der Kriegs- und Nachkriegszeit, die ihm den Besuch des humanistischen Gymnasiums St. Stephan möglich machten.

Dem Abitur folgte ab 1953 das Medizinstudium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, das er 1959 mit der Note „Sehr gut“ beim Staatsexamen abschloss.

1961 kam er nach Krumbach

Es folgten verschiedene berufliche Stationen, darunter in der Augsburger Hessing-Klinik, bevor er 1961 nach Krumbach kam, wo seine Mutter das Gasthaus „Weißes Ross“ gepachtet hatte. Erlaubte es die Zeit, so schenkte der junge Arzt den Gästen Bier oder andere Getränke aus. Im Krumbacher Kreiskrankenhaus, das in dieser Zeit mehrere Erweiterungen und Umbauten sowie Modernisierungen erfuhr, erfolgte für Langenbach ein steiler beruflicher Aufstieg. 1977 wurde er zum Chefarzt der chirurgischen Abteilung berufen und blieb dies 23 Jahre bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000.

Ein „regelrechtes Energiebündel“ war er aber auch im Ehrenamt und dies bis fast in die Gegenwart. Besonders „seine Klinik“ war es, deren Zukunft ihm am Herzen lag. So gründete er 2008 zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Willy Rothermel den Förderverein der Krumbacher Kreisklinik, an dessen Spitze er bis 2018 stand. Durch Spenden war die Anschaffung wichtiger medizinischer Geräte möglich, darunter beispielsweise Hirnstrom-Messgeräte für die Intensivmedizin und Führungsinstrumente für die Bauchchirurgie. Die Silberdistel der Augsburger Allgemeinen und ihrer Heimatzeitungen – die seit fast 30 Jahren besondere Leistungen und Initiativen im Ehrenamt würdigt – und die der Förderverein im April vergangenen Jahres erhielt, war auch für Langenbach selbst eine Auszeichnung seiner außergewöhnlichen Lebensleistung. Sein Wissen, Können und noch mehr sein kommunalpolitisches Engagement als jahrzehntelanger Stadt- und Kreisrat fanden in zahlreichen Auszeichnungen ihre verdiente Würdigung.

Ab 1972 Krumbacher Stadtrat

So war er ab 1972 in Krumbach Ratsmitglied, später Stellvertreter des Bürgermeisters und schließlich Träger der Goldenen Bürgermedaille: Für den Landkreis der zweite Mann als Landrat und bei Ärztevereinigungen sowie im Sport in führenden Positionen aktiv. Für ihn war dieser Einsatz eine Selbstverständlichkeit und er war es auch, der einmal sagte: „Die Gebietsreform war eine bewegte Zeit. Aber es war glücklicherweise kein Krieg.“ Und weiter in seiner Erinnerung: „Es war ein besseres Leben als damals im Februar 1944 in Augsburg.“

In den ersten Jahren seines Lebens hat Langenbach Krieg und Not erleben müssen. Nun endet sein Leben in einer Zeit, in der sich die gesamte Welt erneut in einer tiefen Krise befinde. Es ist eine Krise, die auch Angehörigen das Trauern erschwert. Wie Bürgermeister Fischer berichtete, sei eine Urnenbestattung geplant. Aber mit Blick auf die aktuelle Lage müssten noch verschiedene Details geklärt werden. Bleiben wird Dr. Josef Langenbachs beeindruckende Lebensleistung.

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