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Neu-Ulm

26.11.2017

Erhoffte Wunderheilung wird Fall für das Gericht

Ein Mann verspricht einer chronisch Kranken eine Wunderheilung. Dafür sollte sie zahlen.
Bild: Alexander Kaya

Ein 34-Jähriger soll einer chronisch Kranken Genesung versprochen und sie so um viel Geld betrogen haben.

Um Lügen, Geld und die Hoffnung auf ein Wunder drehte sich ein Gerichtsprozess, der am Neu-Ulmer Amtsgericht verhandelt wurde. Auf der Anklagebank: ein 34-Jähriger aus dem Raum Weißenhorn. Er soll einer Bekannten, die seit 14 Jahren an einer Form von Muskelschwäche leidet und sich kaum bewegen kann, gesagt haben, ein Hodscha – ein islamischer Gelehrter – könne sie heilen. Nun wurde er von Richter Thomas Mayer wegen Betrugs zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und der Zahlung von 3790 Euro an das Opfer sowie 1200 Euro an das Rote Kreuz verurteilt.

In der verzweifelten Hoffnung auf eine Genesung gab das 31 Jahre alte Opfer dem Angeklagten mehrmals Geld. Wie viel genau, konnte während der zwei Verhandlungstage nicht geklärt werden. Die Geschädigte sprach von insgesamt 4500 Euro, viel sei mündlich abgesprochen worden. In Handy-Nachrichten war nur von 1460 Euro die Rede.

Auch wo das Geld am Ende landete, ist unklar. Den Ausführungen der 31-Jährigen zufolge hat der Angeklagte gesagt, dass er es einem türkischen Verein bringe. Dieser leite es dann an den Hodscha weiter. Sie selbst hat demnach im Auto sitzen bleiben sollen – einerseits weil sie zu freizügige Kleidung für einen Besuch beim Verein getragen habe, andererseits, weil dort sowieso lieber Männer gesehen seien. Der Mann sei stattdessen aber in das gegenüberliegende Gebäude gegangen. Bei Nachforschungen habe die 31-Jährige erfahren, dass darin ein Bordell untergebracht sein soll.

Die Frau, die ebenfalls im Landkreis Neu-Ulm wohnt, sagte vor Gericht: „Er hat mir erzählt, seine Cousine sei querschnittsgelähmt und ihr Vater habe heimlich Geld in einen Hodscha investiert. Und nach acht Monaten konnte sie plötzlich wieder laufen.“ Anfangs habe sie ihm das nicht glauben wollen, doch er habe sie irgendwann überredet. „Und aus Verzweiflung glaubt man halt an so etwas.“

Später bekam sie SMS von einer türkischen Nummer. Darin standen verschiedene Anweisungen, zum Beispiel, wann sie wie oft welches Gebet sprechen sollte. Die Nummer habe in „keine anderen Hände gelangen“ dürfen, sagte die 31-Jährige. „Ich durfte sie auch nicht anrufen. Wenn ich Fragen hatte, sollte ich eine Nachricht schicken.“ Das habe sie auch einmal gemacht – jedoch: Die Antwort blieb aus.

Staatsanwältin Patrizia Rabe ging bei ihrem Plädoyer von mindestens 3790 Euro aus, die die Frau an ihren Bekannten gezahlt hatte. Neben der Zahlung dieser Summe an die Geschädigte forderte sie eine achtmonatige Bewährungsstrafe. „Wir haben hier eine junge, hübsche Frau sitzen, die sich nichts mehr wünscht, als wieder richtig laufen zu können“, sagte Rabe. Da sei es „absolut verständlich, dass man sich an den letzten Strohhalm klammert“. Verteidiger Manfred Gnjidic bezeichnete die Ermittlungen – seitens Polizei und Staatsanwaltschaft – als „erschütternd“. Er warf Staatsanwältin Rabe vor: „Einiges haben Sie ausgeblendet, weil es Ihnen einfach nicht in den Kram passt.“ Den Herzenswunsch der Zeugin könne er nachvollziehen. Aber: Ein Gericht sei kein Ort, „wo Emotionalitäten vorgeschoben werden können.“ Über allem stehe die Unschuldsvermutung.

Richter Mayer hielt die Zeugin für glaubwürdig, der Angeklagte habe ihre Hilflosigkeit „schamlos ausgenutzt“. Dass das Urteil rechtskräftig wird, glaubt Mayer aber nicht: „Ich mache mir keine Illusionen“, sagte er und warf Verteidiger Gnjidic einen Blick zu. Zum Angeklagten sagte er: „Das Verfahren wird Sie noch Jahre beschäftigen – und eine ganze Stange Geld kosten.“ Und auch die Geschädigte warnte er vor: „Der Kampf ist heute noch nicht ausgefochten.“

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