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Krumbach

22.06.2020

Monate ohne Einnahmen: So lief der Neustart für die Krumbacher Kletterer

Formtest nach der Zwangspause: Pierre Fischer beweist seine Kletterfähigkeiten am überhängenden Moonboard in der Kletterhalle des Alpenvereins in Krumbach.
Bild: Alois Thoma

Plus Kletterer in Krumbach und Günzburg sind froh, dass es weitergeht und locken mit Neuigkeiten. Doch der Neubeginn in den Kletterhallen läuft schleppend.

Pia Kaiser ist gerade dabei, abgesichert von ihrem Mann Christian, eine Wand mit dem Schwierigkeitsgrad 6 zu bezwingen und Pierre Fischer beweist Kletterfähigkeiten am überhängenden Moonboard. Werner Lieb, der Vorsitzende der Sektion Krumbach im Deutschen Alpenverein (DAV), sein Stellvertreter Martin Leopold und dessen Ehefrau Dorothea (Jugendreferentin) betrachten die Aktionen mit sichtlichem Wohlwollen. Denn es darf endlich wieder geklettert werden. Zwei Monate lang hat das Coronavirus dem Höhendrang der Alpinisten unfreiwillig Einhalt geboten. Doch jetzt kehrt wieder Leben ein in die vom Alpenverein vor vier Jahren für 850.000 Euro erbaute Kletterhalle am Burgweg in Krumbach. Seit knapp zwei Wochen ist das Kletterzentrum wieder geöffnet.

Geklettert werden darf natürlich nur unter Beachtung der verschiedenen vom Deutschen Alpenvereins, dem Bayerischen Landessportverband und der bayerischen Staatsregierung ausgesprochenen Auflagen. Das heißt zum Beispiel, dass nur acht Seilschaften (also maximal 16 Personen) gleichzeitig in der Halle aktiv sein dürfen. Am Kletterturm im Freien sind vier Seilschaften erlaubt. Alles freilich nur, wenn Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln (zwei Meter) befolgt werden. Daran halten sich die Sportler, versichert Dorothea Leopold. „Seit Wiedereröffnung der Halle haben wir keinen einzigen Verstoß festgestellt.“ Es zeige sich hier die Eigenart der Kletterer, dass man auf andere Rücksicht nimmt.

Kletterer in Krumbach desinfizieren die Hände mit Magnesia

Höchste Priorität für die Akteure in der Halle besitzt, dass sie ihre Hände mit Magnesia einreiben, bevor sie an die Wand gehen. Das wirkt desinfizierend. So bleibt es dem Betreiber erspart, die Griffe an der Wand nach der Benutzung zu desinfizieren. Eine solche Maßnahme, da sind sich die Verantwortlichen einig, wäre „ein Unding“. Geklettert werden darf ohne Mundschutz, ansonsten ist das Tragen von Masken in der gesamten Halle samt aller Nebenräume Pflicht.

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Selbstverständlich ist, dass nur Personen das Training aufnehmen dürfen, die keine Symptome einer Infektion aufweisen, in den vergangenen 14 Tagen nicht positiv getestet wurden und in diesem Zeitraum auch keinen Kontakt zu positiv getesteten Personen hatten. Letztlich wird noch ein lückenloser Besuchernachweis gefordert, wofür der Verein extra einen Touchscreen gekauft und selbst programmiert hat.

Einnahmen brachen ein für die DAV-Sektion Krumbach

Über Monate musste die Sektion Krumbach bei laufenden Kosten ohne einen Euro Einnahmen über die Runden kommen. Das ist mit dem Klettern eines Überhangs gleichzusetzen. Aber die Krumbacher haben es gemeistert, ohne „ins Seil zu fallen“. Lieb zufolge war das nur möglich, „weil wir unsere Sektion in vollem Umfang ehrenamtlich betreiben. Das gilt sowohl für die Verwaltung von über 1600 Mitgliedern wie auch für den Betrieb des Kletterturms und der Kletterhalle sowie alle unsere sonstigen Aktivitäten, wie etwa die umfangreiche Jugendarbeit und die Bergfahrten.“ Und Martin Leopold fügt hinzu: „Müsste man dieses Personal zahlen, hätte man jetzt schon dichtmachen müssen.“

Ungefähr 20000 Euro gingen dem Verein in den vergangenen Monaten durch die Lappen. 13.000 Euro aus dem normalen Kletterbetrieb und 7000 Euro aus der regen Jugendarbeit. Zudem fielen auch die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf weg. Dabei hätte man das Geld dringend nötig, sind doch vom Bau der Kletterhalle noch Verbindlichkeiten in Höhe von 350.000 Euro offen.

Kletterkurse und Lehrgänge in der Kletterhalle fielen aus

Sieben Jugendgruppen standen wegen der Corona-Maßnahmen vor verschlossener Halle. Zwei Kletterkurse für junge Erwachsene und die Ausbildung von Jugendausbildern habe man von heute auf morgen absagen müssen, berichtet die Jugendreferentin. Doch das war nicht alles. „Wir arbeiten viel mit den heimischen Schulen und den Lehrern sowie mit dem Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg zusammen. Auch das ist alles spontan weggebrochen“, bedauert der Sektionsvorsitzende. Dabei sind Kletterkurse aus Vereins-Perspektive sehr wichtig, schließlich bilde man da die spätere Kundschaft aus.

Kein Wunder, dass die Krumbacher den Neustart herbeigesehnt haben. Doch der ist gar nicht so einfach. Gerade, was die Jugendlichen betrifft. Die haben vor der Corona-Krise größtenteils Kletterutensilien wie Hüftgurt, Kletterschuhe, Sicherungsgeräte und Seil vom Verein bekommen. Doch das ist zurzeit rechtlich nicht möglich. Die Jugend käme zwar mit fliegenden Fahnen, aber wer jetzt klettern will, muss seine Ausrüstung selbst mitbringen. Die hat aber kaum ein Anfänger und das ist, so die Verantwortlichen, ein Grund, warum der Neubeginn momentan schleppend und sehr vorsichtig anläuft.

Auch in Günzburg kann wieder geklettert werden

Dass die DAV-Sektion Krumbach auch in Zukunft mit Einschränkungen leben muss und gewohnte Angebote wie ein Tag der offenen Tür oder Sektionsabende mit Vorträgen in der Schwebe sind, damit hat man sich abgefunden. Aber man blickt mit Zuversicht in die Zukunft, denn das Coronavirus hatte auch etwas Gutes, wie der stellvertretende Vorsitzende glaubt. Martin Leopold: „Unsere Routenschrauber hatten jetzt genügend Zeit, Umbauaktionen an den Wänden auszuführen und alles auf den neuesten Stand zu bringen. Wer jetzt in die Halle kommt, wird Kletterrouten vorfinden, die er bisher noch nicht geklettert hat.“

Auch an der Kletterwand der DAV-Sektion Günzburg in der alt-ehrwürdigen Jahnhalle hat man in der Zwangspause eifrig geschraubt, versichert deren Vorsitzender Hans-Jürgen Abmayr. Auch hier finden die Kletterer neue Routen vor. Seit ein paar Tagen ist die Anlage wieder geöffnet.

Informationen zum DAV-Angebot und zu bestehenden Auflagen gibt’s unter:

davguenzburg.greendisk.ch und

alpenverein-krumbach.de

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