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Thannhausen

29.01.2020

Nach Missständen auf Bauernhof: Landwirt muss ins Gefängnis

Bild: Peta

Plus Ihm werden massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen. Der 59-Jährige sieht sich als Opfer. Doch dann bricht die Fassade zusammen.

Tote, abgemagerte Kühe, hinkende Tiere mit ungepflegten Klauen, eine knöchelhohe Schicht aus Mist und Exkrementen. Die Aufnahmen, die die Tierschutzorganisation Peta vor einem Jahr von einem Bauernhof in Thannhausen veröffentlichte, waren schockierend (mehr dazu lesen Sie hier). Eine Welle der Empörung schwappte durch die sozialen Netzwerke, auch das Veterinäramt stand am Pranger. Jetzt hat der Fall vor dem Amtsgericht Günzburg ein vorläufiges Ende gefunden.

Auf der Anklagebank sitzt der 59-jährige Besitzer des Hofs, ein korpulenter Mann mit Schnauzbart. Und er nimmt von Anfang an kein Blatt vor den Mund. Mit selbstbewusster Stimme versucht er, die Vorwürfe gegen ihn abzuwiegeln. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, durch mangelnde Hygiene und Versorgung insgesamt elf Rindern erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt zu haben. Zwei Tiere wurden bei einer Kontrolle durch das Landratsamt tot auf dem Hof aufgefunden, weitere mussten notgeschlachtet werden.

Missstände auf Thannhauser Hof: Angeklagter will sich rausreden

Doch für alle Vorwürfe will der Mann eine Erklärung haben. Mal habe er ein nötiges Medikament nicht bekommen, mal erklärt er, die scheinbare Abmagerung der Tiere sei für diese Rasse normal. Und überhaupt sei aufgrund des öffentlichen Drucks von Seiten des Landratsamts Stimmung gegen ihn gemacht worden. Zeugen fällt der Angeklagte immer wieder ins Wort und versucht, sich zu rechtfertigen. Nicht nur Richterin Daniela König stellt schnell fest: Dieser Mann sieht sich offenbar selbst als Opfer.

Nach Missständen auf Bauernhof: Landwirt muss ins Gefängnis

Die eigentlichen Opfer haben in diesem Prozess aber gar keine Namen. Nummern der Ohrmarken kennzeichnen die Kühe und Jungrinder, um die es in dem Verfahren geht. Akribisch versucht das Gericht in dem mehr als sieben Stunden andauernden Verfahren, die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufzudröseln. Die zentralen Fragen: Wie sehr haben die Kühe gelitten? Und inwieweit hätte der Angeklagte das verhindern können?

Besonders schwer wiegt die Aussage einer Amtstierärztin, die die beiden toten Kühe untersucht hat, die am 22. Januar 2019 auf dem Hof gefunden wurden. „Bei den Tieren waren alle Körperfettreserven abgebaut. Sie haben auf jeden Fall mehrere Wochen an Unterernährung gelitten.“ Polizisten und Mitarbeiter des Veterinäramts sagen aus, was sie in dem angeklagten Zeitraum zwischen 19. November 2018 und 28. Januar 2019 auf dem Hof vorgefunden haben. Es kristallisiert sich langsam heraus: Irgendetwas muss in dieser Zeit gewaltig schiefgelaufen sein.

Landwirt aus Thannhausen muss ein Jahr ins Gefängis

Auch Dr. Franz Schmid, der Leiter des Veterinäramts in Günzburg, bezeugt, dass die wirklich schwerwiegenden Missstände erst in diesem Zeitraum aufgetreten seien. Zuvor hatte es zwar auch immer mal wieder Probleme gegeben, allerdings nicht in diesem Ausmaß. Das ist der Zeitpunkt, an dem die beiden Verteidiger Willi Reisser und Martin Fischer ihren Mandanten zu einem Gespräch bitten. Auch ihnen ist nicht verborgen geblieben, dass der 59-Jährige bis dahin keine gute Figur gemacht hat.

Dann bricht die Fassade zusammen, die Hintergründe werden offenbar. Mit tränenerstickter Stimme erzählt der Landwirt, dass sein Hof in dieser Zeit vor der Zwangsvollstreckung stand. Außerdem stand er zum wiederholten Mal wegen Betrugs vor Gericht und wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, die er aktuell in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Memmingen absitzt. Mehrfach hatte er Tiere und Waren eingekauft, aber nicht bezahlt. „Ich war wie gelähmt, es war mir alles zu viel. Dabei bin ich der letzte, der will, dass eine Kuh im Dreck stehen muss. Die Viecher sind mein Leben“, sagt der seit über 40 Jahren als Landwirt tätige Angeklagte.

So sind sich Staatsanwalt Daniel Theurer und die Verteidiger schnell über das Strafmaß einig. Ein Jahr soll es sein, keine Chance auf Bewährung. Der Versuch, wenigstens ein Betreuungsverbot zu umgehen, um nach der Haft als Fahrer für Viehtransporte arbeiten zu können, misslingt. Richterin König verhängt ein Halte- und Betreuungsverbot von einem Jahr und sechs Monaten. Nach Ablauf entscheidet das Landratsamt, ob der Landwirt noch eine Chance bekommt.

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.03.2020

so ein Tierquäler gehört enteignet !! aber das Gericht in Günzburg ist ja aber für ihre milden strafen bekannt

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17.02.2020

(edit/mod).

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