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Initiative katholische Priester

24.10.2012

Pfarrer gehen in die Offensive

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47 katholische Priester sind es bisher, die im Bistum Augsburg eine Diskussion über Reformen anstoßen wollen. Unter Verweis auf das Zweite Vatikanische Konzil warnen sie vor einem "wachsenden Zentralismus und Klerikalismus in der Kirche“.
Bild: Rolf Haid dpa

Auch katholische Geistliche im Landkreis fordern Reformen. Erneut wird über die Abschaffung des Zölibats diskutiert. Heftigen Widerspruch ernten die Reformer aus Maria Vesperbild.

47 katholische Priester sind es bisher, die im Bistum Augsburg eine Diskussion über Reformen anstoßen wollen. Aus dem Landkreis Günzburg hatten bis zum gestrigen Mittag Klinikseelsorger Hermann Wohlgschaft, Prodekan Peter Seidel (beide Günzburg), Pfarrer Heribert Singer (Reisensburg) und der Ruhestandsgeistliche Hermann Ehle (Niederraunau) den Brief an Bischof Konrad Zdarsa unterzeichnet.

"Wachsender Zentralismus und Klerikalismus in der Kirche"

Der promovierte Theologe Wohlgschaft sagt: „Wir knüpfen an das Vaticanum II. an, das ja eine weltoffene Kirche beziehungsweise eine menschenfreundliche und lebensnahe Seelsorge anmahnt.“ Dieses Konzilsanliegen werde seit 50 Jahren zunehmend verdunkelt „durch einen wachsenden Zentralismus und Klerikalismus in der Kirche“.

Er habe den Eindruck, sagt der Günzburger Klinikseelsorger, dass gerade auch die Augsburger Kirchenleitung übermäßig stark das konservative (und erzkonservative) Spektrum des Gottesvolks bediene und ein Großteil der Gläubigen vernachlässigt werde. Die Pfarrer teilen mit, dass sie trotz des Verbots Geschiedenen und Wiederverheirateten die Kommunion reichen. Die Bistumsreform (Raumplanung 2025) halten sie für „verhängnisvoll“.

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„Warum soll jemand, der eine Frau liebt, kein guter Seelsorger sein?“

Wohlgschaft hat eine Lösung parat, durch die man die Bildung von größeren Pfarreiengemeinschaften vermeiden könne: „Man kann mehr Priester weihen, dazu müsste man aber den Zölibat abschaffen.“ Die katholische Kirche bringe sich hier um eine große Chance: „Warum soll jemand, der eine Frau liebt, kein guter Seelsorger sein?“

Wohlgschaft sagt, er hätte kein Problem damit, wenn Frauen zu Priestern geweiht würden. Wortgottesfeiern von Laien müssten gefördert, und nicht aus Angst um die Sonderstellung des geweihten Priesters verboten werden. Auch der Niederraunauer Ruhestandspfarrer Hermann Ehle sagt: „Ohne Wortgottesfeiern wird es nicht gehen.“ In der Weltkirche sei der Rückgang des Klerus dramatisch. „Da ist das starre Festhalten am Zölibat eine Frage, über die diskutiert werden muss“, so Ehle.

Imkamp: "Nicht zu wenig Priester, sondern zu wenig Gläubige"

Entschiedenen Widerspruch erntet die Initiative beim Direktor der Wallfahrtsdirektion Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp. „Hier handelt es sich um eine psychologisch verständliche Fehlinterpretation einer ganz bestimmten Alterskohorte, die schwerste theologische Defizite aufweist“, sagt Imkamp. Die Diskussion um den Zölibat sei ein „Ladenhüter“, der die katholische Kirche seit ein paar Hundert Jahren begleite.

Imkamp empfiehlt den Blick auf andere Konfessionen. Dort dürften Pfarrer heiraten, die Probleme seien dort aber noch viel stärker. „Wir haben nicht zu wenig Priester, wir haben zu wenig Gläubige“, sagt Imkamp. Noch nie in der Kirchengeschichte Deutschlands habe es so viele Messen für so wenig Gläubige gegeben. Für seine Pfarrerskollegen hat der Direktor folgende Anregung: „Sie sollten besser Krankenbesuche machen und die Konzilstexte, wenn möglich, auf Latein studieren.“

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