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Kreis Günzburg

23.06.2017

Sexuelle Übergriffe im Altenheim

Im Isabella-Braun-Heim (Archivfoto) ist es am 3. Advent des vergangenen Jahres zu sexuellen Übergriffen gekommen. Deswegen wurde jetzt ein 65 Jahre alter Heimbewohner verurteilt. 
Bild: Bernhard Weizenegger

65-Jähriger leckt Pflegerin am Hals ab und fasst ihr zwischen die Beine. Vor Gericht entschuldigt sich der Mann dafür. Wie sich das auf das Urteil ausgewirkt hat.

Der 65 Jahre alte Mann atmet hörbar schwer – nicht nur während der Urteilsverkündung. Er kommt nur mit Mühe aus seinem Stuhl hoch, stützt sich auf einen Stock. Und doch hat er am 11. Dezember des vergangenen Jahres etwas im Isabella-Braun-Altenheim in Jettingen-Scheppach getan, das im Juristendeutsch als sexuelle Nötigung bezeichnet wird und bei dem viele Menschen – allein schon bei der Vorstellung – Ekel empfinden. Er hat die Pflegerin, die kurz davor das Bett des Seniors machte, an beiden Oberarmen gepackt und ihr Tattoo am Hals abgeleckt. Ob er sie dann noch geküsst hat, lässt sich nicht mehr eindeutig nachvollziehen. „Ich habe den Speichel am Hals gespürt und mich nach dem Vorfall deshalb gewaschen“, erzählt die 33-Jährige als Zeugin vor dem Amtsgericht Günzburg. Aber damit nicht genug. Der Mann, der die Tat im Wesentlichen einräumt, griff der Frau danach durch die Arbeitshose an die Vagina. Etwa zehn bis 15 Sekunden habe das gedauert. Als das Opfer diesen Teil detaillierter vor dem Schöffengericht schildern soll, schließt Richterin Franziska Braun die Öffentlichkeit kurz aus.

Gutachterin spricht von einer „organischen Wesensveränderung“

Ein Plan, der Frau gegen ihren Willen sexuell nahe zu kommen, hat offenbar nicht bestanden, führt die Sachverständige Marion Yurtbil aus. Sie beschreibt einen Menschen, der im Alter von drei Jahren an Kinderlähmung erkrankte und der durch die Krankheit stigmatisiert war. Ihm sei es nie gelungen, eine Beziehung zu Frauen aufzubauen. Stattdessen flüchtete sich der frühere Raumausstatter in tagtäglichen, intensiven Alkoholkonsum – und das über viele Jahre hinweg. Das, so die Gutachterin, hat zu einer „organischen Wesensveränderung“ geführt – mit der Folge, dass der Täter im Seniorenalter nur noch über eine „eingeschränkte Steuerungsfähigkeit“ verfüge und seine Triebe nicht immer unter Kontrolle habe.

Die Richterin entspricht im Strafmaß den Vorstellungen von Staatsanwalt Thomas Hörmann und verurteilt den Rentner, der inzwischen in einem anderen Heim im Landkreis untergebracht ist, zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe. Sie ist auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Von Arbeits- und Geldauflagen sieht das Gericht ab. Der Mann ist gesundheitlich so angegriffen, dass er nicht arbeitsfähig ist. Außerdem muss er im Monat mit 110 Euro Taschengeld auskommen, sagt sein Betreuer. Die Pflegekosten übernimmt der Bezirk Schwaben. „Er ist froh, dass es vorbei ist“, sagt Pflichtverteidiger Walter Deistler in einer Verhandlungspause über seinen Mandanten. Mehrfach wiederholt der, dass es ihm leidtue. Seine Entschuldigung nimmt die Geschädigte noch im Gerichtssaal an. Nach dem Übergriff war sie fünf Wochen krankgeschrieben und hat später ihren Arbeitsplatz gewechselt. 

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