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Landkreis Günzburg

16.02.2018

Untersuchung für Vorschulkinder erzürnt Eltern

„Das werden wir nicht so einfach schlucken.“Bei der Schuleingangsuntersuchung werden Vorschulkinder unter anderem Seh-, Sprach- und Hörtests unterzogen. Bislang fanden die Untersuchungen in den Kindergärten statt. Seit diesem Kindergartenjahr sollen Eltern aber mit ihren Kindern dafür ins Gesundheitsamt nach Günzburg kommen. (Symbolfoto)
Bild: Martina Diemand

Bislang fand die Schuleingangsuntersuchung in den Kindergärten statt. Künftig sollen Eltern dafür ins Gesundheitsamt nach Günzburg fahren. Die Neuregelung stößt auf Widerstand.

Magnus Blank ist ziemlich sauer. Bislang fanden die verpflichtenden Schuleingangsuntersuchungen für Vorschulkinder an den jeweiligen Kindergärten statt. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes waren dann vor Ort und nahmen etwa Seh-, Sprach- und Hörtests, Tests zum logischen Denken und des Konzentrationsvermögens oder der Motorik vor. Der Sinn dieser Untersuchungen ist, Informationen zum Gesundheitszustand der Vorschulkinder zu erhalten und zu ergründen, ob in bestimmten Bereichen Förderbedarf besteht. Zu diesem Termin müssen auch die Eltern anwesend sein.

Unterschriftenaktionen laufen in Kindergärten

Blank bezweifelt nicht den Sinn dieser Untersuchungen. Doch seit diesem Kindergartenjahr kommen nicht mehr die Mitarbeiter des Gesundheitsamts in die Kindergärten. Die Eltern sollen nun selbst mit ihren Kindern ins Gesundheitsamt fahren. Das sorgt besonders im südlichen Landkreis für Irritationen. Vor allem Alleinerziehende oder Familien, die nicht über ein Auto verfügen, haben Schwierigkeiten nach Günzburg zu kommen. Aber auch in anderen Kommunen und Ortsteilen, die nur rudimentär an das öffentliche Nahverkehrsnetz angeschlossen sind, sorgt die Umstellung für Schwierigkeiten.

Immerhin können die Eltern inzwischen einen individuellen Termin zwischen Februar und Mai im Gesundheitsamt vereinbaren. Bis vor Kurzem erhielten die Kindergärten noch vom Gesundheitsamt Listen, auf denen Termine für die Untersuchung eines jeden einzelnen Kindes festgelegt waren.

Blank ist Vater von vier Kindern. Er hält es für eine Zumutung, dass er künftig für jedes Kind extra nach Günzburg fahren soll. „Das ist ein Riesenaufwand für die Eltern“, schimpft er. In den Kindergärten würden bereits Unterschriftenaktionen gegen die Umstellung laufen.

Schützenhilfe erhält Blank auch von Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer, der bei einer Veranstaltung im städtischen Kindergarten auf die Neuregelung und den Ärger der Eltern aufmerksam wurde. Bereits am 9. Februar hat Fischer einen Brief an Landrat Hubert Hafner geschrieben, der unserer Redaktion vorliegt. Darin berichtet Fischer dem Landrat, dass der Unmut der Eltern in dem Kindergarten so groß gewesen sei, dass offen über einen Boykott der Anordnung diskutiert worden sei. Weiter erklärte Fischer, dass er den Unmut der Eltern „absolut nachvollziehen“ könne. „Es kann doch nicht sein, dass allein aus dem Bereich der Stadt Krumbach mehr als 100 Kinder mit ihren Eltern die Fahrt nach Günzburg auf sich nehmen müssen. Dies widerspricht meines Erachtens jeglicher Vernunft und steht in krassem Widerspruch zum Prinzip eines kinderfreundlichen Landkreises sowie den Bestrebungen, nicht unnötig Energie zu verschwenden.“ Er bitte deshalb dringend darum, die Maßnahme noch einmal zu überdenken. Seiner Ansicht nach sollte wenigstens in jedem Sprengelbereich einer Grundschule ein Untersuchungsort durch das Gesundheitsamt angeboten werden.

Die Leitung des Gesundheitsamts argumentiert mit „organisatorischen Gründen“ für die Umstellung, wie es in einer Pressemitteilung heißt, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Darin wird die Umstellung der Untersuchung als großer Erfolg gefeiert. Bis Mitte Februar sei bereits mehr als die Hälfte der knapp 1500 Schulanfänger untersucht worden. Darin schwingt eines der Hauptargumente des Gesundheitsamts mit. Der Faktor Zeit. In der bisherigen Variante der Untersuchungen sei es durchaus möglich gewesen, dass ein Kind, das im September eingeschult wird, erst Anfang August untersucht wurde. Wenn in solch einem Fall ein logopädischer Förderbedarf diagnostiziert würde, wäre die Zeit bis zum Schulbeginn darauf zu reagieren, denkbar knapp, erklärt Pressesprecher Meinrad Gackowski.

Gesundheitsamt registriert überwiegend positive Reaktionen

Um die Untersuchungen zufriedenstellend und mit Blick auf das Kind bestmöglich durchzuführen, rücke auch immer mehr die technische Ausstattung in den Vordergrund. Verschiedene Geräte müssten dabei zusammenspielen, was in der Form bislang nur am Gesundheitsamt möglich sei, erläutert Dr. Patrick Dudler, Leiter des Gesundheitsamts. Diese Möglichkeiten stünden aktuell nicht am Kreishaus in Krumbach zur Verfügung, und auch die Anwesenheit von den drei am Gesundheitsamt angestellten Schulärzten sei nur in Günzburg gesichert, argumentiert Dudler weiter. Vor allem für die Eltern sei das ein großer Vorteil, da sie unmittelbar Beratung in Anspruch nehmen könnten. Dudler verweist auch darauf, dass in naher Zukunft eine grundsätzliche Reform der Schuleingangsuntersuchung anstehe mit erweiterten Tests und Diagnoseinstrumenten, die nur in den Räumen des Gesundheitsamts sinnvoll umzusetzen seien. Die Reaktionen, die am Gesundheitsamt zur Umstellung registriert worden sind, seien überwiegend positiv, berichtet Dudler.

Grundsätzlich seien die Argumente des Gesundheitsamts „schon nachvollziehbar“, sagt Krumbachs Zweiter Bürgermeister Gerhard Weiß, der Fischer während dessen Urlaub vertritt. „Wir wollen versuchen, im guten Gespräch eine Lösung zu finden“, verspricht er. Die soll nicht an mangelnden Räumen scheitern. Das findet auch Thannhausens Bürgermeister Georg Schwarz, der das Thema in der Kreistagsfraktion besprechen will. Er erkenne an, dass man möglicherweise nicht an jedem Kindergarten mit kompletter Ausrüstung und Personal anrücken könne, aber es sollten doch zusätzliche Standorte für die Schuleingangsuntersuchung im südlichen Landkreis eingerichtet werden.

„Lieber fährt doch jemand aus dem Gesundheitsamt nach Krumbach oder Thannhausen als hunderte Eltern nach Günzburg“, sagt Schwarz. An der technischen Ausstattung und an fehlenden Räumlichkeiten solle es letztlich nicht scheitern, findet der Bürgermeister. „Die sollen sagen, welche Geräte gebraucht werden“, dann könne man über eine Lösung diskutieren, sagt Schwarz und kündigt Widerstand gegen die Neuregelung an: „Das werden wir nicht so einfach schlucken.“

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