Newsticker

16.700 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Verfall und Bildkörper 03 gewinnen

Landkreis Günzburg/Krumbach

27.03.2015

Verfall und Bildkörper 03 gewinnen

Kunstpreisverleihung in Krumbach bei der Vernissage zur Kult-Jahreskunstausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum mit (von links): Bürgermeister Hubert Fischer, den Preisträgern Werner Bisle und Esther Hagenmaier sowie stellvertretendem Landrat Dr. Josef Langenbach. In der Mitte das prämierte Werk Bisles mit dem Titel „Verfall 2015“.
Bild: Wolfgang Mennel

Werner Bisle bekommt den Krumbacher Kunstpreis 2015 und Esther Hagenmaier erhält den Mittelschwäbischen Kunstpreis.

Mitten unter der Woche war ganz schön was los im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach. Der Kulturverein Kult und das Museum hatten zur Vernissage der Jahreskunstausstellung geladen, wobei auch die diesjährigen Preisträger gekürt wurden.

Werner Bisle überzeugte die Jury mit seinem Werk „Verfall“ für den Krumbacher Kunstpreis 2015 und Esther Hagenmaier faszinierte die Juroren mit ihrem Bildkörper 03, wofür ihr der Mittelschwäbische Kunstpreis verliehen wurde.

Während Museumsleiterin Anita Roth als Hausherrin erklärte, warum man sich diesmal mittwochs zur Vernissage treffe (weil donnerstags bis sonntags geöffnet ist, und man das ausnutzen voll wollte) erklärte Wolfgang Mennel vom Kult-Verein, dass der frühere Kunstpreis der Stadt Krumbach dieses Jahr umbenannt worden sei in „Krumbacher Kunstpreis“. Der Grund: Die Sparkasse Günzburg-Krumbach, die seit 2004 den „Kunstpreis der Stadt Krumbach“ jährlich mit einem festen Betrag für den Ankauf des Werkes gesponsert hatte, hat sich aus diesem Sponsorenengagement zurückgezogen. Den heuer mit 1500 Euro dotierten Preis teilen sich darum nun die Stadt Krumbach und der Kult-Verein. Angekauft wird das Werk nun nicht mehr.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mennel warb vehement dafür, dass sich ein Unternehmen oder ein sonstiger Gönner fände, um wenigstens den Vereinsanteil an der nun „Krumbacher Kunstpreis“ genannten Auszeichnung künftig zu übernehmen. Bürgermeister Hubert Fischer gratulierte dem Preisträger Werner Bisle herzlich zur Auszeichnung und sprach über die Freiheit in Städten, wo sich Krumbach mit der Jahreskunstausstellung in einer guten Tradition befinde.

Dr. Josef Langenbach hob als Stellvertreter des Landrats ab auf die Vielzahl der Einreichungen zu dieser Schau. 273 Werke waren es und präsentiert werden nun gerade einmal 46. Insofern könne sich jeder an der Ausstellung Beteiligte als ausgezeichnet und geehrt fühlen. Er beglückwünschte Esther Hagenmaier zum Mittelschwäbischen Kunstpreis, der vom Landkreis Günzburg gesponsert wird und der mit 1500 Euro dotiert ist.

Der gelernte Silberschmied Werner Bisle ist 1977 in Krumbach geboren und in Münsterhausen aufgewachsen. Heute lebt er in Wörleschwang (Landkreis Augsburg). Sein Werk Verfall ist traditionellen Klosterarbeiten nachempfunden und feinst mit Perlen bestickt und mit goldenen Tressen verziert. All dieser Ornat gruppiert sich um eine Hostie, die er in einer Hostienbäckerei erstanden hat. Hunderte kleine aus Goldfolie geprägter Blättchen umrahmen das Zentralmotiv. Bisle hat aber auch Staub, Schmutz und Fehler eingearbeitet. Es scheint an manchen Stellen brüchig, das Muster ist ausgefranst und Bisle übt damit ganz subtil Kritik an der katholischen Kirche, auch wenn er als Bub Ministrant war und wie er sagt, in einem sehr katholischen Haushalt aufgewachsen sei. 2003 hat Bisle bereits einmal den Kunstpreis der Stadt Krumbach gewonnen.

Esther Hagenmaier ist 1975 in Aalen geboren und hat Freie Kunst in Saarbrücken und an der Ecole des Beaux-Arts in Rennes (Frankreich) studiert. Die Meisterschülerin von Sigurd Rompza lebt und arbeitet in Ulm. Ihr Werk Bildkörper 03 entstammt der Fotografie und der Betrachter kann mitnichten erkennen, dass es sich um ein Foto handelt, so stark ist es abstrahiert. Und dennoch: „Ich nehme ein Foto immer so, wie es ist und versuche es schon so abstrakt wie möglich zu machen. Ihre preisgekrönte Arbeit erinnert an ein altes Patchworkmuster mit verschiedenfarbigen Flächen. Ein Quadrat ist himmelblau und es handelt sich dabei tatsächlich um ein fotografiertes Stück Himmel, eine Fläche ist rostrot und ist die Unterseite eines Balkons und zwei angrenzende Rautenflächen sind abricotfarbener Beton, der so hell erscheint, weil er vom Sonnenlicht angestrahlt ist. Das auf einer Aludibond-Platte aufgezogene Originalfoto beschneidet Hagenmaier, sodass die aufgenommene Architektur nicht mehr als solche erkennbar ist. Einzig eine dunkle Fuge im rostroten Feld könnte als Wasserablaufritze im Gebäudebeton gesehen und gedeutet werden. Rätselhaftes Entdecken ist dabei angesagt.

Die Vernissage wurde von einem ausgezeichnet agierenden Jazz-Duo aus Augsburg musikalisch umrahmt: von Stephan Holstein an Klarinetten und Saxofon sowie Uli Fiedler am Kontrabass.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren