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Serientipps

01.04.2020

Alltag mit Corona: Sieben Serien-Empfehlungen gegen Langeweile

Die Serien-Auswahl auf den Streaming-Plattformen ist riesig.
Bild: Proxima Studio, Adobe Stock (Symbolbild)

Streamingdienste und Fernsehsender bieten mehr als genug Serien. Hier finden Sie sieben Empfehlungen: vom Bergarbeiterepos bis zum Fußballabsteiger-Drama.

Serien-Tipp 1: "Modern Family" - eine verrückte Familie

Es ist ja nicht so, dass wir viel zu lachen hätten in diesen Tagen. Die Krise zwingt uns zum Einsiedlerdasein. Wie gut, dass es da eine Ersatzfamilie gibt, die mit all ihren Marotten und Sprüchen für Ablenkung sorgt. Seit 2003 bereits läuft die US-Serie „Modern Family“, die letzte Staffel kommt in diesem Jahr auf Netflix. Anders als andere Sitcoms wie „Big Bang Theory“ oder „How I met your mother“ blieb der Familienalltag rund um Oberhaupt Jay Pritchett immer so etwas wie ein Geheimtipp. Dabei wurde die Serie in den USA mit Preisen überhäuft – und das zu Recht.

Die überzeichneten Charaktere schildern den Alltag dreier Familien: Rentner Jay mit seiner deutlich jüngeren Frau Gloria und dem kapriziösen Sohn Manni. Claire, leicht überspannt und überfürsorglich, die sich gemeinsam mit dem trotteligen Ehemann Phil um die nicht immer pflegeleichten Kinder Haley, Alex und Luke kümmert. Sowie Jays Sohn Mitchell, der mit einem Mann (Cameron) verheiratet ist und in Lily eine chinesische Adoptivtochter hat, die zum Zynismus neigt. Herrlich verschroben, immer mit Vorurteilen spielend. Und wem dieser Jay bekannt vorkommt: Ed O’Neill spielte einst den Proleten in „Eine schrecklich nette Familie“ – doch das muss in einem früheren Leben gewesen sein. (Margit Hufnagel)

In den USA läuft gerade die elfte Staffel von "Modern Family".
Bild: obs/Sky Deutschland

Serien-Tipp 2: "Rote Erde" - eine Saga rund um Bergarbeiter

Es gab Zeiten, da hatten die öffentlich-rechtlichen Sender noch das Geld, um opulente Mehrteiler zu drehen. Beispielsweise die Bergarbeitersaga "Rote Erde", die 1983 mit einem Budget von 15 Millionen Mark zu den teuersten Produktionen des deutschen Fernsehens überhaupt gehörte. Regisseur Klaus Emmerich konnte mit Liebe zum Detail und mit einem Staraufgebot an Schauspielern die Geschichte eines Bergarbeiterdorfes im Ruhrpott nacherzählen, die heute noch fesselt. Rote Erde beginnt 1887 und verfolgt das Leben einfacher Arbeiter, die bis zum Umfallen schuften und gleichzeitig für bessere Lebensbedingungen kämpfen, bis der Erste Weltkrieg alles zunichtemacht.

"Rote Erde II", sieben Jahre später erschienen, schreibt die Geschichte über die Nazizeit bis zum Wiederaufbau fort. Die rund 1000 Minuten sind auch eine Parabel auf heutige Corona-Zeiten. Es geht um die Angst vor der Zukunft, die Bewältigung des Mangels und kleine Lichter des Glücks in dunklen Zeiten. Es geht um Isolation, das beklemmende Eingeschlossensein unter Tage nach einem Stolleneinsturz. In einer Krise kann das Wissen Trost sein, dass es früher noch schlimmer war und Menschen sich gefreut hätten, wäre ihr einziges Problem das ausverkaufte Toilettenpapier gewesen. Die ARD hat dieses fesselnde Meisterstück in einem Schuber mit sieben DVDs, Bonusmaterial und 40-seitigem Booklet verewigt. (Stefan Lange)

Serien-Tipp 3: The Witcher - Fantasy überlebensgroß

Was schauen Fantasy-Fans, wenn sie alle Folgen von Game of Thrones das dritte Mal durchhaben? Möglicherweise auf der Streamingplattform Netflix "The Witcher", das dort kurz vor Weihnachten 2019 eingestellt wurde und über Nacht zum Publikumsliebling wurde. Auch hier liegt allem ein umfangreicher Romanstoff zugrunde, die Geralt-Saga des polnischen Schriftstellers Andrzej Sapkowski.

In der Serie stehen drei überlebensgroße Figuren im Mittelpunkt: Geralt, ein Witcher, eine lebende Kampfmaschine, bewundert und gefürchtet zugleich. Dann gibt es die junge Zauberin Yennefer, die nicht weiß, was sie aus sich und ihren magischen Fähigkeiten machen soll. Und Ciri, Enkelin einer Königin, ist so etwas wie die große Unbekannte. Sie wird von einem Königreich gejagt und ist über ein rätselhaftes Band mit Geralt verbunden. Anders als bei Game of Thrones wird sehr viel gezaubert, es gibt auch sehr viel weniger Plotlinien, dafür aber hat man von Anfang an das Gefühl, dass dieser Fantasy-Stoff den Machern nicht so leicht entgleiten wird. (Richard Mayr)

Serien-Tipp 4: "Bad Banks" - ein Kampf um Macht und Einfluss

Als die erste Staffel von Bad Banks Anfang 2018 an den Start ging, waren ziemlich viele ziemlich schnell ziemlich überrascht: Öffentlich-rechtliche TV-Serien auf Augenhöhe mit Netflix, Amazon Prime und Co., die gab es bislang vielleicht in Großbritannien bei der BBC, aber nicht in Deutschland. Und so kann man Bad Banks durchaus als kleine Sensation im sonst oft so drögen deutschen TV-Kosmos bezeichnen: gute Story, gute Dramaturgie, gute Bilder, gute Schauspieler (u. a. Barry Atsma, Désirée Nosbusch, Tobias Moretti), ein Streaming-Erfolg made by ZDF und arte.

Zwei Jahre, ein Deutscher Fernsehpreis und ein Grimme-Preis später läuft aktuell die zweite Staffel, unter anderem in der ZDF-Mediathek. Im Mittelpunkt der Serie stehen weiterhin die junge, ehrgeizige und bisweilen skrupellose Bankerin Jana Liekam, stark gespielt von Paula Beer, und die fiktive Großbank Deutsche Global Invest. Nachdem sich der Staub nach dem Crash in der Finanzmetropole Frankfurt am Ende von Staffel eins gelegt hat, ist Berlin und seine gehypte Start-up-Szene die neue Kulisse. Die Story bleibt unverändert (spannend): Intrigante Bank-Vorstände, gierige Investmentbanker und ehrgeizige Politiker begegnen sich im Kampf um Macht und Einfluss. (Stefan Drescher)

Serien-Tipp 5: "The marvelous Mrs. Maisel" - ein Sittengemälde jüdischen Lebens

Die Geschichte beginnt mit einem Klischee: Der Mann brennt mit der Sekretärin durch und lässt seine Frau und die beiden Kinder sitzen. Und Miriam „Midge“ Maisel muss schauen, wie sie alleine klarkommt im New York der 1950er Jahre. Alles, was dann kommt, ist aber so weit von einem Klischee entfernt wie, sagen wir, die damalige Mode – diese Hüte! – von heute. Midge will Komikerin werden. Die junge Frau – hinreißend gespielt von Rachel Brosnahan – nimmt die Zuschauer mit in schummrige Spelunken, vibrierende Jazz-Clubs, glamouröse Casinos. Und beglückt sie mit einem Humor, wie es ihn nur noch selten gibt: fein und unprätentiös, subtil und elegant.

Die Amazon-Serie "The marvelous Mrs. Maisel" wurde mehrfach ausgezeichnet.
Bild: 2017 Amazon.com Inc.

Und sie zeichnet ein Sittengemälde jüdischen Lebens in Amerika. Die preisgekrönte Amazon-Serie The Marvelous Mrs. Maisel von der Gilmore-Girls-Schöpferin Amy Sherman-Palladino ist nicht nur urkomisch – und was, wenn nicht Humor können wir in diesen Tagen gebrauchen? –, sie geht auch ans Herz. Mit klugen Dialogen, mit wundervollen Nebencharakteren, mit einer Musik zum Schwelgen, mit Kostümen zum Niederknien und einem Bühnenbild, das so bunt und originell orchestriert ist, dass man diese Welt nur schwerlich wieder verlassen möchte. Kurzum: marvelous. Wunderbar. (Stephanie Sartor)

Serien-Tipp 6: "Sunderland 'til I Die" - das Drama um einen Fußballabsteiger

Mal ehrlich: Auf die meisten Fußballdokumentationen kann man getrost verzichten – selbst als Fan. Statt Authentizität gibt es weichgespülte und von der Pressestelle des Vereins freigegebene Bilder, die den jeweiligen Klub in das bestmögliche Licht tauchen. Doch der Achtteiler Sunderland ’til I Die (Netflix) ist anders – es ist die beeindruckende Geschichte eines großen Scheiterns. Protagonist ist der Traditionsverein AFC Sunderland, der zu Beginn der Dreharbeiten gerade frisch aus der englischen ersten Liga abgestiegen ist. Wie wichtig der Verein für die Stadt im wirtschaftlich maroden Nordosten Englands ist, wird in der ersten Szene deutlich: Ein Priester bittet Gott in einer Messe darum, Sunderland beim Ziel, wieder in die Premier League aufzusteigen, zu helfen, denn: „Dieser Verein trocknet die Tränen unserer Stadt.“ Doch statt des Aufstiegs steht eine Saison voller Chaos an: Der Investor dreht den Geldhahn ab, der Trainer wird gefeuert, der Klub verliert Spiel um Spiel und steigt am Ende ab. Ein Verein in der Phase seiner völligen Zersetzung – das ist schlimm anzusehen, aber hoch spannend. So spannend, dass Sunderland dank der Doku zu einem der gehyptesten Klubs des Landes wurde und – so viel sei verraten – sportlich mittlerweile wieder in die Spur gefunden hat. Seit dem 1. April ist die zweite Staffel online. (Florian Eisele)

Serien-Tipp 7: "Broad Church" - ein Ort verliert seine Unschuld

Eine Nacht und ein Tag reichen aus, um die Idylle des englischen Küstenstädtchens Broadchurch zu zerstören. Während seine Eltern noch einen letzten sorglosen Morgen verbringen, wird der elfjährige Danny Latimer tot am Strand gefunden. Die Nachricht von der Tat verbreitet sich rasend schnell unter den Einwohnern, die Familie ist bekannt, ohnehin ist in Broadchurch jeder auf die eine oder andere Weise mit jedem verknüpft. Bald ist klar: Es war kein Unfall, ein Mörder ist in der Kleinstadt unterwegs.

Acht Episoden lang fahnden die Kommissare Alec Hardy (David Tennant) und Ellie Miller (Olivia Coleman) in dieser meisterhaften britischen Serie (in Deutschland über Netflix abrufbar) nach dem Täter. Fesselnder noch als ihre Ermittlungen sind die Folgen, die der Mord für das zunächst so intakt scheinende soziale Gefüge der Kleinstadt hat. Misstrauen und Zweifel schleichen sich in die Blicke der Bewohner, kleine und große Geheimnisse kommen ans Licht, Nachbarn, Verwandte und Freunde werden zu Verdächtigen. Der Ort hat seine Unschuld verloren – und wird lange nicht zur Ruhe kommen, wie die zweite, ebenso brillante Staffel der Serie zeigt. (schsa)

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