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Kartei der Not

16.11.2019

Gemeinsam geht's: So hilft unser Leserhilfswerk 

Gemeinsam geht‘s - unter diesem Motto hilft die Kartei der Not, unser Leserhilfswerk.
Bild: adobe.stock

Dank der Unterstützung unserer Leserinnen und Leser konnte die Kartei der Not bereits in fast 2000 Fällen helfen - wie in diesen beiden.

Für Kerstin M. ging es immer nur nach oben. Sie war top in der Schule, konnte dank eines Stipendiums studieren, spricht fließend fünf Sprachen, war unter den Uni-Besten und trat gleich danach einen Leitungsjob bei einem internationalen Konzern an. Was will man mehr? Auch privat schien sie das Glück gepachtet zu haben. Sie lernte einen netten jungen Mann kennen und bekam 2014 ihr erstes Kind. Zwei Jahre später im Juni 2016 wollte sie den Vater des Buben heiraten. Ein Leben auf der Sonnenseite schien ihr sicher.

Es sollte anders kommen. Es war immer ihr großer Traum gewesen: eine eigene Familie zu gründen und zwei Kinder großzuziehen. „Daraus wurde leider nichts“, sagt sie heute, gut drei Jahre später. Alles für das große Fest vor dem Traualtar war organisiert, die Einladungen für die Hochzeit waren verschickt, als drei Wochen vor dem Termin ihr Lebensgefährte die Hochzeit platzen ließ. Er fühle sich unglücklich, fabulierte er. Kurz danach gestand er: Es gibt da eine andere Frau, zu der er sich mehr hingezogen fühle als zu ihr. Dass er einen kleinen Buben hatte, der ihn gebraucht hätte und für den er sich eigentlich hätte verantwortlich zeigen müssen – geschenkt.

Kerstin M. war tief verletzt. Dabei wollte sie ihn gerade mit der freudigen Nachricht überraschen, dass sie zum zweiten Mal schwanger war – von ihm, der sie gerade sitzen ließ. Als sie ihn damit konfrontierte, forderte er, „das Kind muss weg“. Die Antwort kam prompt: „Das Kind bleibt.“ Eine Abtreibung kam für die tief gläubige Christin nicht infrage.

Gemeinsam geht's: So hilft unser Leserhilfswerk 

Sie war am Boden zerstört

Kerstin M., die eigentlich anders heißt, war klar, was das bedeutet: Sie ist von sofort an auf sich allein gestellt und muss ohne Unterstützung zwei kleine Kinder großziehen. Ihre Karrierepläne waren mit einem Mal Makulatur. Sie war am Boden zerstört. Weil ihre Mutter in der Nähe von Augsburg lebte, zog sie fürs Erste zu ihr. Das ging nicht gut in dem Einzimmer-Appartement. Sie brauchte dringend eine eigene Bleibe.

Auf dem Wohnungsmarkt bekam die Alleinerziehende eine Absage nach der anderen. Und auch das Geld fehlte an allen Enden. Erst im Augsburger Frauenhaus fanden die Schwangere und ihr Erstgeborener vorübergehend ein Dach über dem Kopf. Da hörte sie vom Ellinor-Holland-Haus, einem in Schwaben einzigartigen Sozialprojekt der Kartei der Not. 80 Menschen in besonderen Notlagen werden hier für bis zu drei Jahre aufgenommen und bekommen die Chance, wieder ins Leben zurückzufinden. „Ich war sofort begeistert und habe mich gleich beworben“, erzählt die 30-Jährige. Geholfen hat ihr dabei die Schwangerschaftsberatungsstelle Donum Vitae.

Die Bewerbung empfand sie als sehr anspruchsvoll. In einem Gespräch muss jeder, der hier aufgenommen werden will, seine Finanzen offenlegen und formulieren, was er in den drei Jahren im Ellinor-Holland-Haus für sich erreichen möchte. Und er muss sagen, was er in die Hausgemeinschaft einbringen kann. Aufgenommen wird, wer wirklich unverschuldet Hilfe benötigt und seine Lage aktiv verbessern will.

Jetzt zog sie wieder in eine eigene Wohnung

Kerstin M. gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von ihrer Zeit im Ellinor-Holland-Haus spricht. Ihr zweiter Sohn kam Anfang Januar 2018 zur Welt. Hier gibt es einen Kindergarten und eine Krippe, in der ihre Kinder „maximale Voraussetzungen haben, dass sie glücklich sind“. Sie selbst hat die Zeit gut genutzt und sich mithilfe des Jobcenters bei der Industrie- und Handelskammer als Personal-Assistentin fortgebildet. Als Alleinerziehende kann sie maximal 30 Stunden die Woche beruflich arbeiten.

Vor ein paar Wochen bezog sie dann eine eigene Wohnung. In der Nähe liegt auch der Kindergarten für ihren älteren Buben. Und auch die erhoffte Arbeitsstelle hat sie bekommen. Ihre Zeit im Ellinor-Holland-Haus kommt ihr im Rückblick wie ein Sechser im Lotto vor.

28 Wohnungen stehen im Augsburger Textilviertel für Menschen in besonderer Notlage bereit. Das Wohnen dort ist auf drei Jahre befristet. Dann sollen die Menschen wieder so weit sein, ihr Leben allein zu meistern. Andere bekommen dann die Chance für einen neuen Start ins Leben.

Möglich ist das alles nur, weil Leserinnen und Leser unserer Zeitung für dieses Projekt gespendet haben. Neben der Einzelfallhilfe, die die Kartei der Not seit mehr als einem halben Jahrhundert leistet, steht das Ellinor-Holland-Haus für eine langfristige Hilfe für Menschen in Not. Die Vorsitzende des Kuratoriums der Kartei der Not, Ellinor Scherer sagt, „wir haben gute Erfahrungen gemacht“. Obgleich die Problemlagen der Bewohner ganz unterschiedlich sind, „geht das Konzept auf“. Und Alexandra Holland, Herausgeberin unserer Zeitung und stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende, ergänzt: „Wir bereiten die Bewohner auf den Auszug vor und helfen ihnen, eine Wohnung zu finden.“ Mit Erfolg. Die Vermieter können gewiss sein: Wer im Ellinor-Holland-Haus gewohnt hat, weiß um seine Pflichten. Die Finanzen sind geordnet und sie haben gelernt, ihr Leben zu meistern.

Oft geht es um Alleinerziehende ohne Absicherung

Herzstück der Kartei der Not ist seit Gründung der Stiftung im Jahr 1965 die Einzelfallhilfe. Es sind oft Alleinerziehende, die nicht ausreichend abgesichert sind. Auch viele Ältere müssen mit so schmalen Renten klarkommen, dass sie beispielsweise die Heizkosten nicht mehr allein aufbringen können. Familien mit behinderten Kindern schaffen es oft nicht aus eigener Kraft, nötige Umbauten für Haus oder Fahrzeug zu leisten.

In fast 2000 Fällen konnte die Kartei der Not Menschen auch in diesem Jahr wieder in ganz konkreten Notlagen helfen. Unterstützt werden konnten zum Beispiel Sabine M. und ihre beiden Kinder. Sie hat es im Leben bisher besonders hart getroffen. In ihrer Kindheit war sie Opfer von Gewalt in ihrer Familie. Daran leidet sie bis heute und wird seit Jahren von einem Psychologen betreut.

Vor ein paar Jahren traf sie ein weiterer Schicksalsschlag. Bei der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern stellten die Ärzte Brustkrebs fest. Sie musste sich zweimal operieren lassen. Es folgte eine Strahlentherapie mit 28 Terminen.

Mit ihrer Gesundheit stand es nie zum Besten. Schon als kleines Kind musste sie sich am Herzen operieren lassen. Auch ihre Kinder sind krank. Ihr Sohn Karl, 14, leidet an Aufmerksamkeitsstörungen und ist Autist. Auch seine elfjährige Schwester Jasmin kann sich auch nur schlecht konzentrieren.

Die Behandlung war schmerzhaft für die zweifache Mutter

Ihre Bestrahlungstermine legte die 43-Jährige immer auf den Vormittag, „wenn meine Kinder in der Schule waren“. Bei der Behandlung trug sie sehr schmerzhafte Verbrennungen davon. Es dauerte Wochen, bis sie verheilt waren. Die Büroangestellte musste ihren Beruf aufgeben und lebt nun von einer schmalen Rente.

Für die beiden Kinder ist es nicht immer einfach, wenn jeder Cent zweimal umgedreht werden muss. Die elfjährige Jasmin hat lange Zeit ihrer Mutter verschwiegen, dass ihre Schuhe undicht sind, um ihr nicht neuen Kummer zu bereiten. Bei Regen hat sie eine Frischhaltetüte um ihre Füße gewickelt, um sie so trocken zu halten.

Gegen Monatsende herrscht meist völlig Ebbe im Geldbeutel. Wehe, die Waschmaschine oder der Herd gehen kaputt. Sabine M. hat am Monatsende oft so wenig Geld, dass es das eine oder andere Nudelgericht mehr als sonst geben muss. Dabei ist der Mutter nichts wichtiger, als ihre Kinder möglichst gut zu fördern. Das Geld für den Schwimm- und Gitarrenunterricht für die Kinder spart sie sich vom Mund ab.

Manchmal trösten die Kinder ihre Mama. „Hauptsache, wir haben ein Dach über dem Kopf“, sagte Jasmin vor nicht allzu langer Zeit, die von sich aus schon zurücksteht, damit nur ja kein Geld ausgegeben werden muss. Von Mitschülern wurde die Mittelschülerin schon gehänselt, weil sie gebrauchte Klamotten und keine Markenkleidung getragen hat.

Für beide Kinder hat die Kartei der Not Kleidung und Schuhe bezahlt. Und sie hat auch geholfen, dass die Kinder mit ihrer Mutter auch mal einen Ausflug unternehmen oder ins Kino gehen konnten. Sabine M. sagt mit leiser Stimme: „Ich bin unendlich dankbar für die Hilfe.“

Helfen Sie helfen!

Seit über 50 Jahren hilft die Kartei der Not Menschen in der Region, die unverschuldet in eine schwierige Lebenslage geraten sind. In dieser Zeit hat das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck und des Allgäuer Zeitungsverlags diese Menschen mit rund 43 Millionen Euro unterstützt.

Die Not kann jeden treffen. Plötzlich und unerwartet, durch Krankheit, einen Unfall oder den Verlust eines Angehörigen. Sie, liebe Leserinnen und Leser, helfen durch Ihre Spende mit, dass diese Menschen wieder in ein normales Leben zurückfinden. Wir achten darauf, dass das Geld dort ankommt, wo es am dringendsten benötigt wird. Mit Ihrer Spendenbereitschaft konnte viel Gutes bewirkt werden. Darum bitten wir Sie: Helfen Sie uns helfen. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Zur Internetseite der Kartei der Not geht es mit diesem Link.

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