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Wie Ostern helfen kann, wieder Vertrauen ins Leben zu haben

Kommentar Von Alois Knoller
04.04.2021

Die Pandemie stellt unser Miteinander auf eine harte Probe. Deshalb müssen wir uns darauf besinnen, woraus wir in anderen Situationen Kraft gezogen haben.

Finster ist es in dieser Stunde, wenn in der Osternacht sich das Licht einer kleinen Flamme verteilt, vervielfacht an Dutzenden von Dochten und die Kirche allmählich warm erhellt. Ein magischer Moment, der sinnlich erfahrbar macht: Die Finsternis ist nicht das Letzte, sie ist nicht der Sieger.

Wie sehr sehnen sich die coronageplagten Menschen nach so einem Moment. Endlich Licht am Ende des Tunnels! Bisher ging es mit der Pandemie-Politik immer noch ein weiteres Mal ins Ungewisse hinein, und es hieß: Nur eine kurze Spanne jetzt noch aushalten, dann wird alles besser werden. Kein Wunder, dass sich deswegen Überdruss ausbreitet anstelle von Zuversicht. Doch eine begründete Hoffnung braucht es jetzt. Woher?

Trotz Corona-Krise den Lebensmut nicht verlieren

Die Psychologie kennt eine Therapie, um traumatisierte Patienten zu stabilisieren. Sie rät: Blicke zurück in deine Vergangenheit und sieh, was du schon alles gut bestanden hast. Woher ist dir damals Kraft zugewachsen, welche Quellen haben dir Lebensmut gegeben – trotz allem Schweren, das du durchgemacht hast? Jeder, der schon einmal schwer krank gewesen ist, wird dazu etwas sagen können. Sonst wäre er nicht mehr hochgekommen.

 

Ganz alltäglich mögen die Gründe sein, um Kraftreserven zu mobilisieren: Die Familie braucht mich noch. Mein großes Lebensprojekt ist noch nicht vollendet. Ich fühle mich zu jung, um zu sterben. Oft umgeben uns auch Menschen in so einer schwierigen Phase, denen viel an uns liegt, die alles für uns tun würden. Sei es, Blut zu spenden, ihr Knochenmark oder sogar eine Niere. Weil sie lieben, wachsen sie über sich hinaus. Fragt man sie, warum sie auch Übermenschliches für einen anderen zu tun bereit sind, werden sie verlegen. Das seien sie ihm halt schuldig.

Die Corona-Pandemie zeigt: Wir Menschen sind soziale Wesen

Eine solidarische Gesellschaft kann sehr stark sein, stärker als jeder Einzelne in ihr. Deshalb wirkt es einigermaßen vermessen, wenn in Deutschland auf der Straße nun lautstark Freiheitsrechte eingefordert werden, die zum größten Teil nur eigennützige Zwecke erfüllen. Wenn es eine fundamentale Lehre aus der Corona-Zeit gibt, dann die Einsicht, dass ein auf die Spitze getriebener Individualismus sich gegen die menschliche Natur kehrt.

Wir Menschen sind nun einmal soziale Wesen, von Geburt an angewiesen auf die Fürsorge anderer Menschen und aufgehoben in der Gemeinschaft mit anderen. Wir schlagen alle unsere Augen in den Armen eines anderen Menschen auf.

Und noch beim Abschiednehmen von dieser Erde ist es tröstlich, einen Menschen zur Seite zu haben. Sogar wenn kein einziges Wort zwischen ihnen fällt, spüren sie seine Wärme und Nähe. Unter dem Gebot des Abstandhaltens sind jedoch zehntausende Mitmenschen im Lauf des vergangenen Jahres auf einer Isolierstation ohne ein letztes Wort und ohne einen Händedruck einsam gestorben.

 

Auch den Angehörigen hat auf Trauerfeiern, die amtlich auf den engsten Angehörigenkreis reduziert waren, trostvolle Nähe gefehlt. Deshalb ist es angebracht, wenigstens nachträglich einen nationalen Tag des Gedenkens um die in der Pandemie Verstorbenen zu begehen.

Die Corona-Krise weckt Misstrauen voreinander

Tief steckt in uns inzwischen das Misstrauen voreinander. „Bleib mir vom Leib!“, möchten wir jedem zurufen, der uns zu nahe rückt. Er könnte uns ja mit der tödlichen Seuche infizieren. Wie lässt sich das Zutrauen in die Gemeinschaft wieder herstellen? Der Legende nach haben die Münchner Schäffler mit ihrem Tanz 1517 nach einer Pest die Leute wieder auf die Straße geholt. Wahrscheinlich braucht es auch jetzt nach überstandener Pandemie ein Fest, um gemeinsam in ein wieder unbeschwertes Zusammenleben zu starten. Ostern kann davon schon etwas vorwegnehmen.

Um Hoffnung in Corona-Zeiten geht es auch in einer Folge unseres Audioangebots "Über Gott und die Welt: Der Glaubenspodcast" mit den Bischöfen Bertram Meier (katholisch) und Axel Piper (evangelisch). Hier können Sie das Gespräch anhören.

 

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