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MarschdesLebens

24.04.2015

Auf dem richtigen Weg?

Das Todesmarschdenkmal in Landsberg ist ein Etappenziel.
Bild: Thorsten Jordan

Kontroverse Diskussionen begleiten die Gebets- und Gedenkaktion

Bereits ganz früh setzt sich heute die Initiative „Marsch des Lebens“ von Kaufering aus in Bewegung, um am Sonntag dann an der KZ-Gedenkstätte in Dachau die Aktion mit einem stillen Gedenken abzuschließen. Dabei soll in etwa der Weg nachgegangen werden, den vor 70 Jahren viele Tausend KZ-Häftlinge auf dem Todesmarsch zurücklegten (LT berichtete).

„Der Marsch des Lebens ist keine politische Demonstration und keine Evangelisation, sondern eine Gebets- und Gedenkveranstaltung.“ So steht es auf der Homepage des Veranstalters zu lesen. Man wolle, so erklärte Pastor Mathias Barthel, der einen weiteren Teil des Marsches organisiert, dass sich die Nachfolger der Täter und Opfer aussöhnen. Und dennoch tun sich Organisationen, Institutionen und Politiker schwer, diesen Gedenkmarsch zu unterstützen. So war ursprünglich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann als Schirmherr vorgesehen, er sagte seine Teilnahme aber ab.

Auch die evangelische Landeskirche geht auf Abstand. Pfarrer Björn Mensing, Landesbeauftragter der Evangelischen Kirche für Gedenkstättenarbeit, erklärte schon im Januar gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass es sich bei dem Marsch des Lebens um eine neu-pfingstliche Gruppierung handle mit einer dämonologischen Geschichtsdeutung.

Detlev Möller, evangelischer Pfarrer Landsbergs, heißt das Ziel des Gedenkens zwar gut, den Weg jedoch fragwürdig: „Da wird schon eine krause Theologie gepredigt.“ Von einer Decke des Schweigens, wie sie die Initiative anprangert, könne heutzutage jedenfalls nicht gesprochen werden. Es sei gerade in Landsberg in den vergangenen Jahren im Bezug auf Gedenkarbeit sehr viel getan worden. Man müsse sich auch nicht durch solch einen Gebetsmarsch entschulden lassen, weil vermeintliche Dämonen der Geschichte unsere Vergangenheit beherrschen. Detlev Möller: „Da möchte ich nicht dabei sein.“

Auch die Landesstiftung Bayerischer Gedenkstätten hält sich eher zurück. Wünschte sich die Organisation „Marsch des Lebens“ als Ziel- und Höhepunkt eine Gedenkveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Dachau, genehmigte die dortige Leiterin Gabriele Hammermann lediglich ein stilles Gedenken, der Stiftungsrat der Gedenkstätte versagte der Initiative offenbar jede Unterstützung.

Ein Grußwort zum Start des Marsches heute um 8 Uhr spricht auf alle Fälle Kauferings Bürgermeister Erich Püttner, der zu seiner Zusage stehen will. Allerdings räumt er ein, dass er von den Hintergründen der Initiative vorher so nichts gewusst habe: „Da hätte ich vermutlich anders entschieden.“ Er werde in seinem Grußwort jedenfalls darstellen, was die Marktgemeinde unter Gedenkarbeit verstehe: nämlich den Kontakt zu den Überlebenden des Holocaust. (hön)

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