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Landsberg

31.01.2020

Coronavirus: Der Landrat reagiert auf die Kritik

Pressekonferenz zum Coronavirus im Landratsamt (von links): Dr. Ingo Mecklenburg, Dr. Birgit Brünesholz, Landrat Thomas Eichinger und der für das Gesundheitswesen zuständige Sachgebietsleiter Tobias Reinhold.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Zuletzt bemängelten vor allem Eltern, dass der Kindergarten, den das Kind des infizierten Kauferingers besucht, nicht geschlossen wird. Was die Behördenvertreter dazu sagen.

Nach dem ersten in Deutschland nachgewiesenen Coronafall liegen turbulente Tage hinter dem Landsberger Gesundheitsamt. Wie ging man mit dem Fall des infizierten Kauferingers um? Warum wurde nicht bekannt gegeben, welchen Kindergarten die Tochter des Mannes besucht? Warum wurde die Tagesstätte nicht geschlossen? Um diese und weitere Fragen ging es gestern bei einer Pressekonferenz im Landratsamt.

Der Tenor der Aussagen: Für den Einzelnen besteht keine Gesundheitsgefahr, aber es gibt auch noch keine Sicherheit, dass das Virus im Landkreis bereits eingedämmt ist. Die Leiterin des Landsberger Gesundheitsamts, Dr. Birgit Brünesholz, blickte auf die vergangenen 72 Stunden zurück. Ein 33-jähriger Mann hatte sich während einer Schulung bei seinem Arbeitgeber in Stockdorf (Landkreis Starnberg) bei einer Kollegin aus China angesteckt. Das wurde am Montagabend bekannt. Am Dienstagmorgen wurde das Landsberger Gesundheitsamt informiert, dass der Mann aus Kaufering stammt. Dann wurden die Kontaktpersonen ausfindig gemacht. Damit war die Medizinerin am Dienstag bis 23 Uhr beschäftigt, wie sie erzählte.

Im Landkreis sind acht Personen isoliert

Wie berichtet, befinden sich die Ehefrau und das Kind des Infizierten genauso in Isolation wie ein Freund, der Kontakt zu dem Kauferinger hatte. Bei der Pressekonferenz informierte Dr. Brünesholz darüber, dass weitere fünf im Landkreis wohnende Personen aus dem beruflichen und privaten Umfeld isoliert seien. Alle acht wiesen keine Symptome auf, müssten aber daheim bleiben. Sämtliche Proben der Personen seien bisher negativ. Ein Negativtest in der Inkubationszeit schließt laut Auskunft der Medizinerin aber nicht aus, dass es nicht doch noch zu einer Erkrankung kommt. „Das Kind kann morgen krank sein“, so Dr. Brünesholz.

Coronavirus: Der Landrat reagiert auf die Kritik

Landrat Thomas Eichinger verteidigte die Informationspolitik seines Hauses. Anfangs war nicht bekannt gegeben worden, wo der Infizierte lebt beziehungsweise um welchen Kindergarten es sich handelt. Dass der Kindergarten nicht geschlossen wurde, hatte ebenfalls für Kritik gesorgt. Darum hatte Eichinger diese Pressekonferenz angesetzt, wie er sagte – gegen den Rat aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. Man habe eine Stigmatisierung der betroffenen Familie vermeiden wollen, so Eichinger. Die Öffentlichkeit habe auch kein Recht darauf zu erfahren, wo ein Grippekranker lebe und auch ein HIV-Infizierter werde nicht in Haft genommen.

„Es ist kein lebensbedrohlicher Infekt“

Eichinger betonte mehrfach, dass die Erkrankung am Coronavirus nicht so schwerwiegend sei: „Es ist kein lebensbedrohlicher Infekt.“ Maßnahmen dienten dazu, die Verbreitung einzudämmen, da ein solches Virus mutieren könne. „Es ist eine epidemiologische Fragestellung.“ Er verstehe, dass Menschen Angst hätten, doch man müsse keine Panik haben. Eichinger verweist auf die Grippe (Influenza), die bei geschwächten Personen ebenfalls zum Tode führen kann. Laut Birgit Brünesholz wurden im Landkreis Landsberg 2018 400 und 2019 336 Influenzafälle gemeldet, aber kein Todesfall.

Thomas Eichinger (Landrat des Landkreises Landsberg am Lech) über die Coronavirus-Fälle in der Region.
Video: Dominic Wimmer

Die Behörden sahen keinen Grund, den Kauferinger Kindergarten zu schließen, vor dem Hintergrund, dass das Kind des Infizierten keine Symptome zeige, also gesund sei. „Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung“, so Landrat Eichinger. Die Entscheidung sei von der Task Force Infektiologie des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit getroffen worden, so Eichinger und Brünesholz. Sie unterstützt die Gesundheitsämter in Fällen wie diesen. „Die Task Force hat das Heft in der Hand“, so Eichinger.

Ein Reisender aus Shanghai zeigte Grippesymptome

Der Chefarzt für Innere Medizin am Klinikum Landsberg, Dr. Ingo Mecklenburg, informierte bei der Pressekonferenz, wie sein Haus reagiert hat: Wie berichtet, wurde eine Isolationsstation mit acht Betten eingerichtet. Laut Mecklenburg handelt es sich dabei aber um keine Intensivstation, denn eine derartige Betreuung sei für Menschen, die an der neuartigen Lungenkrankheit erkrankt sind, erst einmal nicht nötig. Die Symptome seien mit einer Grippe vergleichbar. Am Klinikum wurde auch ein Geschäftsmann aus dem Landkreis untersucht, der in Shanghai war und nach seiner Rückkehr Symptome zeigte. Bei ihm konnte jedoch nach zwei Proben Entwarnung gegeben werden. Der Mann war nicht am Coronavirus erkrankt.

Wie geht es jetzt weiter? „Die letzten 72 Stunden waren sehr arbeitsintensiv“, sagte Eichinger. Er und der fürs Gesundheitswesen im Landratsamt zuständige Sachgebietsleiter Tobias Reinhold bescheinigten ihren Mitarbeitern, gut mit der Krise umgegangen zu sein und schnell informiert zu haben. Ob der Landkreis für das Coronavirus „eine Sackgasse ist“, wie die Leiterin des Gesundheitsamts hofft, muss sich noch zeigen. Bei einer Inkubationszeit von zehn bis 14 Tagen steht erst am Sonntag, 9. Februar, fest, ob eine Ausbreitung über den 33-jährigen Kauferinger gestoppt werden konnte. Landrat Thomas Eichinger wünscht sich auch in emotionaler Hinsicht eine „Beruhigung der Situation“.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Der richtige Umgang mit Corona ist schwierig

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