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Landkreis Landsberg

25.11.2015

Das Gerücht vom bösen Flüchtling

Symbolfoto
Bild: dpa

Immer mehr Bürger werfen Polizei und Medien vor, Straftaten von Asylbewerbern zu verschweigen. Doch was ist dran?

Wenn über das Thema Flüchtlinge gesprochen wird, ist auch im Landkreis immer wieder die Rede davon, dass die Polizei Straftaten von Asylsuchenden verschweigt. Das Gerücht kennt Alfred Geyer auch. Der Leiter der Landsberger Polizeiinspektion berichtet von Bürgern, die seine Kollegen direkt mit dem Vorwurf konfrontieren sowie Briefe oder E-Mails schreiben. Und was ist an dem Gerücht dran? Nichts. „Es gibt keinen Maulkorb und auch keine Anweisung von oben“, sagt Alfred Geyer.

Auch das Landsberger Tagblatt hat eine E-Mail erhalten, in der ein Leser kritisiert, dass Straftaten von Asylbewerbern in der Berichterstattung verschwiegen werden. Als Beispiel nennt er sexuelle Nötigung und Vorwürfe der Vergewaltigung, über die in der Bevölkerung „recht wahrheitsgetreu“ gesprochen werde. Die Statistik der Landsberger Polizei spricht eine andere Sprache. In diesem Jahr sei der Polizei bislang eine Vergewaltigung gemeldet worden. Flüchtlinge waren nicht dabei, weder als Täter, noch als Opfer. Und sexuelle Nötigung? Da gab es einen Fall in einer Asylunterkunft. Täter und Opfer waren Flüchtlinge.

Persönlichkeitsrechte des Opfers wahren und respektieren

Werden Straftaten begangen, dann soll das auch in die Öffentlichkeit, egal ober der Täter Deutscher oder Ausländer ist. Diese Meinung vertritt Alfred Geyer. Es gebe aber auch Grenzen. Nämlich dann, wenn der Schutz des Opfers im Vordergrund steht. Als Beispiel nennt der Polizeichef eine Vergewaltigung. Dabei gelte es, die Persönlichkeitsrechte des Opfers zu wahren und zu respektieren. Deswegen werde in der Regel nicht berichtet, es sei denn, der Täter wird noch gesucht und die Polizei ist dabei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Es könne aber auch sein, dass Straftaten aufgrund von laufenden Ermittlungen nicht gemeldet werden.

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Was in der Regel auch nicht veröffentlicht wird, sind zum Beispiel Körperverletzungen bei Familienstreitigkeiten oder Suizidversuche. Ansonsten sei die Berichterstattung immer gleich – bei Deutschen, bei Migranten oder bei Flüchtlingen. Nach den Erfahrungen, die Alfred Geyer bisher gemacht hat, begehen Flüchtlinge nicht mehr Straftaten als andere Bevölkerungsgruppen. Vieles spiele sich zudem innerhalb der Unterkünfte ab. Von den immer wieder in der Bevölkerung genannten Diebstahlsdelikten sei der Polizei nichts bekannt. „Es gab keine Anzeigen“, sagt der Polizeichef.

Nicht nur in Landsberg, sondern auch in anderen Landkreisen bewegen sich die Fälle mit Asylbewerbern im Promillebereich. Beispiel Bad Tölz: Dort werden jährlich zwischen 5000 und 6000 Straftaten begangen. Heuer waren an 46 Vorgängen Flüchtlinge beteiligt. Und woher kommen die Ängste in der Bevölkerung? Für die Polizei ist klar, auf Fremdes reagieren viele Bürger mit Angst und Unsicherheit. Alfred Geyer: „Es gibt Kreise, die mit solchen Ängsten gezielt spielen.“

Und so nimmt die Zahl der besorgten Hinweise und Schreiben an die Polizei mit der Zahl der Flüchtlinge weiter zu. Immer häufiger würden sich Bürger bei der Polizei melden, weil sie Angst haben. Die sei aber meist unbegründet. Dass seine Kollegen häufiger an ihre Grenzen stoßen, habe nicht zwingend mit von Asylbewerbern begangenen Straftaten zu tun. Es sei viel mehr ein bürokratisches Problem. Immer öfter stellen Flüchtlinge in der Inspektion ihren Antrag auf Asyl, was viel Arbeit nach sich ziehe. „Personell sind wir am Anschlag“, sagt Geyer.

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