Bauprojekt

10.02.2015

Dem Trend folgen

Bis auf das Wohnhaus werden die landwirtschaftlichen Gebäude des ehemaligen Hofes am Reischer Talweg einer neuen Nutzung weichen.
Bild: Julian Leitenstorfer

Am Reischer Talweg sollen Büros, Geschäfts- und Boarding-Häuser entstehen

Ein neuer Begriff hält Einzug am Reischer Talweg. Dort werden auf dem Areal eines ehemaligen Bauernhofs neben anderen Gebäuden drei Boarding-Häuser entstehen. Der Bauausschuss gab gegen zwei Stimmen sein Einverständnis dazu. Boarding-Häuser sind in der Regel nichts „Unanständiges“, sondern vielmehr Gebäude, die wie Hotels oder Pensionen beherbergen, nur für etwas längere Zeit. In der Regel mieten sich Projektleiter, Manager oder auch Monteure in Boarding-Häusern ein, die planen, mehr als nur ein paar Tage vor Ort zu sein. In Großstädten gehören solche Unterkünfte bereits zum Standard, in Landsberg sorgen sie beim einen oder anderen noch für Unbehagen, wie zum Beispiel bei CSU-Stadtrat Bernhard Ott: „Ich bin mir nicht sicher, was wir uns da für ein Klientel in die Stadt holen.“ Damit deutete er auf eine ganz andere Nutzung hin, wobei Stadtbaumeisterin Annegret Michler die Pläne verteidigte: „Das ist keine glückliche Bezeichnung, das gebe ich zu, aber mit Rotlichtmilieu hat das überhaupt nichts zu tun.“ Vielmehr verwies sie darauf, dass die Nachfrage nach solchen temporären Unterkünften für Monteure, Manager und sonstige Arbeitnehmer, die eventuell befristete Vertragsverhältnisse haben, stark im Kommen sei. Um diesem Trend nachzukommen, möchte der Antragsteller, ein alteingesessener Landwirt, drei Boarding-Häuser mit 17 Apartments bauen. Seinen Hof hat er bereits vor Jahren aus dem innerstädtischen Bereich ausgesiedelt. Lediglich das Wohnhaus soll von den landwirtschaftlichen Gebäuden übrig bleiben.

Unter den drei Boarding-Häusern wird sich eine Tiefgarage (90 Stellplätze) erstrecken, wodurch der Stellplatzbedarf (100) mit zusätzlichen 20 überirdischen Parkplätzen erfüllt werde. Zu den Boarding-Häusern sollen auf dem nahezu 8000 Quadratmeter großen Gelände noch ein Wohnhaus mit zwei Einheiten, ein Wohn- und Geschäftshaus mit fünf Wohneinheiten und Flächen für Einzelhandel und Büros entstehen.

Eine kurze Diskussion entwickelte sich im Bauausschuss noch bezüglich der Zukunft der alten Bäume auf dem Grundstück. Laut Sitzungsvorlage von Alfred Ganzenmüller, Referatsleiter der technischen Bauaufsicht, sollen erhaltenswerte Laubbäume, soweit bautechnisch möglich, erhalten werden. „Wer legt denn fest, welcher Baum erhaltenswert ist“, echauffierte sich Dr. Andreas Hartmann (Grüne). Die Formulierung sei „windelweich“. Mehr sei nicht festzuhalten, bedauerte Alfred Ganzenmüller, da es vor Ort keine Baumschutzverordnung gebe: „Wenn er möchte, kann der Besitzer alle umschneiden.“ Letztlich stimmten elf Stadträte dem Vorhaben zu, nur Bernhard Ott und Reinhard Skobrinsky bleiben Boardings-Häuser weiter suspekt.

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