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Bundeswehr

22.01.2019

Die Historie bleibt Chefsache

Hauptmann Gerhard Bechtold (links) ist der neue Kommandant der Welfenkaserne. Gemeinsam mit Oberstabsfeldwebel Michael Siebert ist er auch für die Militärgeschichtliche Sammlung verantwortlich, die an den Bunkerbau in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs erinnert.
Bild: Julian Leitenstorfer

Gerhard Bechtold ist der neue Kommandant in der Welfenkaserne. Sein Zweitjob ist es, sich um die Militärgeschichtliche Sammlung zu kümmern, die ein wichtiger Teil der Landsberger Erinnerungsarbeit ist

Die Welfenkaserne zwischen Landsberg und Igling ist in zweifacher Hinsicht ein besonderer Bundeswehr-Standort. Zum einen ist sie die letzte verbliebene Kaserne der Garnisonsstadt Landsberg, zum anderen wurde sie auf den Hinterlassenschaften eines Rüstungsprojekts aus den letzten Monaten der Zweiten Weltkriegs errichtet. Seit einigen Monaten hat die Kaserne einen neuen Kommandanten: Hauptmann Gerhard Bechtold hat dabei wie sein Vorgänger Oberstleutnant Gerhard Roletscheck auch noch einen Zweitjob als Leiter der dortigen Militärgeschichtlichen Sammlung.

Bereits im Mai kam er vom Standort Lechfeld in die Welfenkaserne, seit Oktober ist der 48-Jährige zusammen mit Oberstabsfeldwebel Michael Siebert auch für die Erinnerungsarbeit in der Welfenkaserne zuständig. „Das ist ein Riesenaufgabenpaket“, sagt er nach den ersten Monaten.

Erfahrungen in beiden Bereichen hat Bechtold zuvor schon auf dem Lechfeld gesammelt, wo er als Kasernenoffizier auch für die dortige Militärgeschichtliche Sammlung zuständig war. Vergleichbar seien beide Sammlungen jedoch nicht: Üblicherweise seien solche Ausstellungen Museen zur Geschichte des jeweiligen Standorts und Teil der Traditionspflege. „In der Welfenkaserne geht es aber auch um Gedenkarbeit und Erinnerung“, sagt Bechtold – an das Sterben und Leiden jüdischer Zwangsarbeiter, die hier ein gigantisches Rüstungsprojekt errichten sollten.

Ende April 1945 wurden die Häftlinge von den amerikanischen Truppen befreit. Um 1960 herum sollte der Bunker, der im Krieg zum Bau von Flugzeugen vorgesehen war, dazu verwendet werden, amerikanische Matador-Atomraketen zu lagern. Dazu kam es jedoch nicht, ab 1964 wurde die Untertageanlage von der Bundeswehr als Lager- und Instandsetzungseinrichtung verwendet. Die Welfenkaserne in ihrer heutigen Form wurde 1989 eröffnet.

Die Vorgeschichte des Standorts aus der NS-Zeit wurde verstärkt durch Bechtolds Vorgänger Gerhard Roletscheck dokumentiert und interessierten Besuchern präsentiert. Rund 140 Führungen fänden jährlich im Bunker statt, der ein wichtiger Bestandteil der Landsberger Erinnerungsorte ist. Über die Zugänglichkeit dieser Sammlung wurde in den vergangenen Monaten in Landsberg ebenso intensiv diskutiert wie bei der Europäischen Holocaustgedenkstätte Kaufering VII. An dieser beschränkten Zugänglichkeit wird sich jedoch auch unter dem neuen Team der Militärgeschichtlichen Sammlung nichts ändern: „Das ist militärischer Sicherheitsbereich, da muss man bestimmte Sicherheitsauflagen erfüllen. Der Zutritt ist nur in Begleitung möglich, wir können an diesem Verfahren nichts ändern“, sagt Bechtold. Arbeitsplätze und Ausstellung seien räumlich verbunden. Man sei aber immer bemüht, auch kurzfristig Besichtigungstermine zu ermöglichen.

Genauso interessiert sei man auch, die Sammlung zu erweitern. Wer also Exponate, Fotos und sonstige Dokumente zum Bau des Bunkers am Ende des Krieges abgeben will, sei willkommen.

Wichtig ist Bechtold aber auch, der Bevölkerung etwas Zweites zu vermitteln: „Die Bundeswehr ist noch da und sie wird größer.“ Derzeit gibt es im Instandsetzungskommando 13 130 Soldaten und 110 zivile Angestellte, die zwischen Landsberg und Igling Elektronikbauteile des Tornados warten und reparieren. Außerdem gibt es hier eine Dienststelle für Umzugsmanagement und Reisekostenabrechnung, vor Kurzem kam ein Fuhrparkservice dazu und ab September sollen in der Kaserne Fachinformatiker ausgebildet werden.

Für 2020 sei vorgesehen, das bislang in Penzing angesiedelte Bundeswehr-Dienstleistungszentrum in die Welfenkaserne umzusiedeln. Diese Dienststelle ist für Betrieb und Unterhalt zahlreicher Standorte in der Region zuständig. Dazu gibt es eine 55-köpfige Feuerwehr – insgesamt seien in der Welfenkaserne 450 Personen beschäftigt.

Der neue Kasernenkommandant ist ein gebürtiger Landsberger. Seit 1992 ist Bechtold bei der Bundeswehr. Er war zunächst auf dem Lechfeld stationiert. Nach einem zweijährigen Studium (Betriebswirtschaft und Controlling) kam er aufs Lechfeld zurück, wo er im Geschwaderstab für Einsatz- und Alarmwesen zuständig war, ging dann zur 1. Luftwaffendivision nach Fürstenfeldbruck und war von 2014 bis zu seinem Wechsel nach Landsberg als Kasernenoffizier zweiter Mann auf dem Lechfeld. In Landsberg will Bechtold nun bleiben: „Ich will hier in Pension gehen“, sagt er und blickt auf die nächsten Jahre, in denen es auf dem Standort auch einige Jahrestage geben werde: 30 Jahre Welfenkaserne in diesem Jahr, 75 Jahre Kriegsende im kommenden Jahr und zehn Jahre Militärgeschichtliche Sammlung im Jahr 2021.

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