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Landsberg

02.07.2020

Die Lange Kunstnacht wandert ins Netz

Die Lange Kunstnacht in Landsberg muss in diesem Jahr wegen Corona ausfallen. Unser Archivfoto zeigt eine Aktion aus dem Jahr 2019 am Hauptplatz.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Die Stadt Landsberg sagt die Lange Kunstnacht wegen Corona ab. Auch der Ellinor Holland Kunstpreis muss dieses Jahr pausieren. Wie Verantwortliche und Künstler reagieren.

Eigentlich hatten es viele schon befürchtet, doch jetzt steht fest: die 20. Lange Kunstnacht am 12. September wird nicht in gewohnter Form stattfinden. Die Stadt Landsberg hat das beliebte Kulturfest abgesagt. Der Grund: die Rahmenbedingungen und Einschränkungen, hervorgerufen durch die Corona-Pandemie. Auch die immer am gleichen Tag stattfindende Gala unserer Zeitung, die Verleihung des Ellinor Holland Kunstpreises, wird in diesem Jahr ebenfalls nicht stattfinden. Ganz müssen Künstler, Geschäftsleute und Besucher jedoch nicht verzichten.

Leicht haben es sich die Organisatoren sicher nicht gemacht, die Lange Kunstnacht, die eine ganz besondere werden sollte, abzusagen. Doch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen ließen letztlich keinen anderen Schritt zu, bestätigt Patricia Eckstein vom Kulturbüro auf LT-Nachfrage. Zuvor hatten Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und Kulturamtsleiterin Claudia Flörke per Pressemitteilung bekannt gegeben, dass es „unter den aktuell gegebenen Rahmenbedingungen“ nicht möglich sei, die Veranstaltung durchzuführen. Es seien unkalkulierbare Risiken, zudem eine zu große Belastung für die teilnehmenden Künstler und Einzelhändler, die diesen Schritt notwendig werden ließen.

Auch der Ellinor Holland Kunstpreis ist betroffen

Zum elften Mal hätte heuer auch die Ellinor-Holland-Kunstpreisverleihung im Landsberger Stadttheater stattfinden können. Aber ohne die Lange Kunstnacht gibt es auch die Preisverleihung im Theatersaal in diesem Jahr nicht. „Das bedauern wir sehr“, sagt LT-Redaktionsleiterin Alexandra Lutzenberger. „Aber wir freuen uns umso mehr auf das neue Jahr und hoffen, dass wir den Preis dann wieder in diesem wunderschönen Rahmen verleihen können.“

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Abstände können nicht gewährleistet werden

Einer, der schon für den Ellinor Holland Kunstpreis nominiert und viele Male bei der Kunstnacht aktiv mit dabei war, ist der Landsberger Maler Hans Dietrich. In diesem Jahr hatte er aber schon früh beschlossen, seine Bilder nicht auszustellen. „Mir ist die Situation zu unsicher.“ In den Ausstellungsräumen – Dietrich zeigte seine Werke im Obergeschoss bei Markita an der Karolinenbrücke – könnten die Abstände unter den Besuchern nicht gewährleistet werden. Der 76-jährige Künstler sieht aber seine Verantwortung für die Gesundheit der Besucher und auch der Mitwirkenden und hat sich daher erst gar nicht gemeldet.

Das scheint anderen Mitwirkenden ähnlich zu gehen. „Die Anmeldungen waren in diesem Jahr sehr zurückhaltend“, ist aus dem Kulturbüro zu erfahren. So waren bislang nur 40 Teilnehmer fix. In den vergangenen Jahren bewegte sich die Zahl der Mitwirkenden bei 70.

Auflagen sind eine zu große Belastung

Natürlich sei es den Organisatoren lieber, Veranstaltungen zu planen statt abzusagen. Allerdings stünden Verantwortliche und Mitarbeiter im Kulturbüro hinter der Entscheidung. Auflagen wie Abstandsgebot, Maskenpflicht, Time-Slots, Zugangsbeschränkungen und weitere Einschränkungen wären eine zu große Belastung für Gastronomen und Einzelhändler geworden, die zudem auch noch ein großes Risiko tragen würden.

So war die Lange Kunstnacht von 2019:

Die Lange Kunstnacht wandert ins Netz
73 Bilder
Die Landsberger Kunstnacht in Bildern
Bild: Julian Leitenstorfert

Das zu übernehmen, sieht sich Ingrid Asam, Inhaberin von Buch Hansa, nicht gewillt und nicht in der Lage. In den zurückliegenden Jahren tummelten sich während der Langen Kunstnacht immer um die 100 Personen in ihrem Laden im Vorderen Anger. „Das ist mir heuer zu gefährlich.“ So wäre auch sie in diesem Jahr nicht mit dabei gewesen. Das sei schade, bedauert sie, aber hinter einer solchen Teilnahme stecke neben der Verantwortung für Gesundheit und Sicherheit ihrer Besucher und Mitarbeiter sehr viel Aufwand. Doch ganz möchte sie den Termin nicht unbeachtet vorbeiziehen lassen: „Ich habe die Malerin Barbara Koopmann gebeten, mir Bilder zu geben.“ Damit möchte sie dann Laden und Schaufenster schön dekorieren.

Impressionen vom Ellinor Holland Kunstpreis 2019:

Christoph Hartmann (Oboist/Berliner Philharmoniker) ist der Landsberger Kunstpreisträger 2019, der sich derzeit auf Japantournee befindet. Sein Sohn Franz nahm den Preis von Gerd Horseling (stv. Chefredakteur Augsburger Allgemeine) entgegen. Ein buntes Programm und eine Ausstellung sorgten für Kurzweil.
125 Bilder
Volles Stadttheater beim 10. Ellinor Holland Kunstpreis
Bild: Thorsten Jordan

Mit sich und seiner Absage längst im Reinen ist Michael Vivell, Inhaber des Reisebüros „Derpart“ am Hauptplatz. „Wir haben uns schon frühzeitig im April entschieden und abgesagt.“ Das Risiko für ihn als Geschäftsinhaber stufte er einfach als zu hoch. Dazu komme, dass er und seine Mitarbeiter in der für die Wirtschaft und die Reisebranche ohnehin schwierigen Phase alle Konzentration auf das Unternehmen lenken müssten. „Da bleibt kein Raum für andere, kulturelle Projekte.“ Daher wundere es ihn auch, dass die Absage der Stadt eigentlich relativ spät erfolge, da ja ohnehin in Bayern Großveranstaltungen – und zu einer solchen ist die Kunstnacht mit ihren über 5000 Besuchern durchaus zu rechnen – bis Ende Oktober untersagt sind. Ob er im nächsten Jahr mit seinem Geschäft wieder mit dabei ist? „Wir werden sehen, wie sich die Umstände bis dahin gestalten.“

Neues Erscheinungsbild im nächsten Jahr

Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und Claudia Flörke jedenfalls haben sich bereits auf einen Termin geeinigt. „Wir freuen uns auf eine unbeschwerte, bunte und fulminante 21. Lange Kunstnacht am 18. September 2021“, ließ das Stadtoberhaupt per Presseerklärung mitteilen. Die wird dann auch in einem neuen Gewand präsentiert. So werden bereits eine neue grafische Gestaltung entwickelt und die Homepage der Kunstnacht überarbeitet. Auch das Programm werde in einem neuen, handlicheren Format erscheinen.

Doch ganz ohne Kunst und Kultur muss die Bevölkerung nicht auskommen. „Wir planen im September als Ersatz eine digitale Kunstnacht“, erklärt Patricia Eckstein. Künstler und Einzelhändler können ab sofort Bilder, Texte oder Videos an das Kulturbüro (E-Mail: kultur@landsberg.de) mit dem Betreff „Kunstnacht digital“ schicken. Diese würden dann im September für etwa vier Wochen im Internet (www.lange-kunstnacht.de) zu sehen und zu erleben sein.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Kunstnacht mal anders

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