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Brauchtum

04.11.2015

Die große Schwester steht am Ammersee

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Bei der Kauferinger Leonhardifahrt am Sonntag werden gleich zwei Jubiläen gefeiert. Das 300-jährige Bestehen der Kapelle und 40 Jahre Wiederaufnahme der Fahrt. Die Kauferinger Kapelle hat übrigens eine große Schwester...

Warum sich die Leonhardikapelle in Kaufering und die Leonhardskirche in Utting so ähnlich sehen. Am Sonntag findet die alljährliche Leonhardifahrt statt. Dann werden gleich zwei Jubiläen gefeiert

Prächtige Gespanne und edle Rösser lassen die Herzen von Pferdefreunden am Wochenende wieder höher schlagen. Dann wird in Kaufering wieder Leonhardi gefeiert und der Segen des Schutzpatrons von Vieh, Gefangenen und Fuhrleuten erbeten. In diesem Jahr steht die Brauchtumsveranstaltung unter einem ganz besonderen Zeichen: Es wird das 300-jährige Bestehen der Leonhardikapelle gefeiert und zugleich das Jubiläum der Wiederaufnahme der Leonhardifahrt in Kaufering vor 40 Jahren.

Mehrere Male ziehen Ross und Reiter am Sonntag um die Leonhardikapelle, während Prälat Dr. Bertram Meier den Segen spendet. Für manch Gespann wird es dann schon der zweite Segen am selben Tag sein. Denn am Vormittag wird traditionell in Utting der Leonhardstag begangen, am Nachmittag in Kaufering. Und beide Orte haben große Gemeinsamkeiten, was ihr Gotteshaus anbelangt, das dem heiligen Leonhard geweiht ist. Die Ähnlichkeit beider Sakralbauten ist frappierend: die Zwiebelform, die mittige Platzierung des Glockenturms am Ende des Langhauses und die abgesetzte Form der Apsis. Und die Ähnlichkeit kommt nicht von ungefähr. Denn beide Gebäude – Leonhardikapelle in Kaufering und Leonhardskirche in Utting – stammen von ein und demselben Baumeister.

Michael Natter, Vertreter der Vorarlberger Bauschule, plante zunächst das Gotteshaus in Utting (Bauzeit 1707 bis 1712). Im Jahre 1715 wurde am Lechhang südlich von Kaufering die Wallfahrtskirche fertiggestellt, die die Kauferinger Bürger im Jahre 1704 in den Wirren des Spanischen Erbfolgekriegs dem Heiligen Leonhard als Nothelfer versprochen hatten. Michael Natter war seinerzeit ein gefragter Baumeister. Eines seiner größten Projekte war die Planung des Augustiner-Chorherren-Stifts in Dießen. Zudem realisierte er St. Remigius in Raisting oder die Rassokirche in Grafrath.

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Die Kauferinger Leonhardikapelle verlor im Laufe der Jahrzehnte jedoch ihren Glanz. „Der derzeitige Zustand ist der einer erschreckenden Verwahrlosung“, hieß es im Jahr 1961 in einem Schreiben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege an die Kauferinger Pfarrei St. Johannes Baptist. Der frühere Kauferinger Ehrenbürger Heinz-Otto Mattes und seine Frau Ursula setzten sich nachhaltig für die Renovierung der Kapelle ein. Viele Bürger halfen mit, dass die Sanierung gestemmt werden konnte. Aus dieser Zeit stammen auch die beiden Ketten, die die Fassade der Kapelle umspannen. Für 20 D-Mark konnte damals ein Kettenglied erworben werden, das mit dem Spendernamen versehen wurde.

Nach fast einem Jahr Sanierung war es am 6. November 1975 soweit: Die Leonhardikapelle konnte wieder eingeweiht werden, wie eine Festschrift anlässlich des 300-jährigen Bestehens belegt. Damals wurde auch der Brauch der Leonhardifahrt nach 17 Jahren Pause wiederbelebt. Denn 1959 war die Leonhardifahrt mangels Pferden eingestellt worden, da die Technologisierung in der Landwirtschaft Einzug gehalten und Maschinen das Pferd als Arbeitstier verdrängt hatten.

Damit der Leonharditag in Kaufering farbenfroh und prächtig über die Bühne geht, investieren die Mitglieder der Leonhardsbruderschaft, die seit 1988 existiert, das Brauchtum lebendig hält und sich um die Kapelle kümmert, viele Stunden ins Schmücken der Festwagen. Zahlreiche Vereine aus dem Ort beteiligen sich alljährlich an der Leonhardifahrt. Die Liste der teilnehmenden Gruppen und Gespanne umfasst in diesem Jahr 42 Nummern. Um 9.30 Uhr beginnt in St. Leonhard der Festgottesdienst mit Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier. Ab 13 Uhr starten Gespanne und Reiter ihre Leonhardifahrt, die durchs Dorf zur Leonhardikapelle führt. Dort werden die Teilnehmer gesegnet und es findet eine Andacht statt. Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen im Leonhardisaal in Alt-Kaufering.

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