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Grippewelle

27.02.2015

Die mobilen Reserven sind alle im Einsatz

Symbolfoto
Bild: dc-5

Influenzavirus hat den Landkreis Landsberg mit zweiwöchiger Verspätung im Griff. Ein Ende liegt noch in weiter Ferne

Die Grippewelle überrollt Bayern, die Schlagzeilen in den Medien überschlagen sich. Zwei Todesfälle in München, zwei in Augsburg, die Notaufnahmen in den Kliniken sind voll. Jährlich sterben in Deutschland bis zu 15000 Menschen an der schweren Erkrankung. Jetzt hat die Influenza, wie die Grippe korrekt bezeichnet wird, auch den Landkreis erwischt: Bislang sind dem staatlichen Gesundheitsamt 54 Fälle von Erkrankungen mit Influenza-A-Viren und 23 Fälle mit Influenza-B bekannt.

Ein sprunghafter Anstieg gegenüber dem Jahresbeginn, als Dr. Lorenz Schröfl, dem Leiter des Gesundheitsamts, nur ganz vereinzelte Fälle von Grippeinfektionen gemeldet wurden. Seit Anfang Februar leidet die Republik, den Landkreis erreichte die Grippewelle mit leichter Verzögerung. Dr. Schröfl: „Wir liegen ungefähr zwei Wochen zurück, doch jetzt hat es ordentlich eingeschlagen.“ Und dabei sind die 77 Fälle von Grippeerkrankungen nur die offiziellen, die dem Gesundheitsamt gemeldet wurden. Die Dunkelziffer, so ist Schröfl überzeugt, liege noch wesentlich höher: „Nicht bei jedem Patient wird vom Arzt auch gleich ein Abstrich gemacht.“

Auch am Landsberger Klinikum wird dem Personal die Zeit nicht lang. „Wir haben ordentlich Betrieb hier“, berichtet Gabi Klüber, stellvertretende Leiterin der Notaufnahme. Dabei würden alte wie junge Patienten gleichermaßen zur Erstbehandlung kommen. Für Klüber und ihr Team handelt es sich dabei erst einmal um fieberhafte Infekte, stationär blieben dabei überwiegend ältere Menschen in der Klinik.

Dr. Lorenz Schröfl unterscheidet dabei Erkrankungen mit dem Influenza-A-Virus und der B-Variante. Dass die Grippe in diesem Jahr dermaßen durchschlagen konnte – trotz Impfaufruf im vergangenen Jahr –, dafür hat er eine zweifache Erklärung: „Zum einen herrscht in der Bevölkerung einfach eine gewisse Impfmüdigkeit, zum anderen handelt es sich um einen gegenüber dem Vorjahr leicht abgeänderten Erregertyp.“ Was zur Folge hat, dass der verwendete Impfstoff nicht alles abdecken kann, denn der wird wiederum auf Basis des Influenzavirus der vorjährigen Grippewelle hergestellt.

Firmen, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel Schulen sind durch die krankheitsbedingten Ausfälle jetzt schon an kritischen Grenzen angelangt. So kann der Leiter des staatlichen Schulamtes, Direktor Rudolf Schönauer, den Betrieb „gerade so noch“ aufrecht erhalten. Vor allem im Lehrerbereich hat er zahlreiche Ausfälle zu beklagen: „Die mobilen Reserven sind inzwischen alle im Einsatz.“ Da sich durch Krankheitsfälle jedoch auch die Reihen in den Klassen gelichtet haben, könnten Einheiten zusammengelegt und gemeinsam unterrichtet werden. Die Situation sei allerdings schon grenzwertig.

Der Leiter der Mittelschule Landsberg, Christian Karlstetter, bestätigt die derzeit hohe Zahl der Schülerabsenzen, die sich in einer Größenordnung von etwa fünf Prozent bewegen. Im Lehrerkollegium sehe es ähnlich aus, doch noch sei die Situation beherrschbar. Sorge bereiten ihm eher diejenigen, die erkranken und dennoch an die Schule kommen: „Mir wäre es lieber, die blieben zu Hause.“ Doch da stelle sich oft das Problem, dass die Eltern beide berufstätig seien und die kranken Kinder daher in die Schule schicken. Entspannter sieht die Lage am Ammerseegymnasium in Dießen aus. „Bei uns gibt es keine auffällige Anzahl an Erkrankungen – weder im Lehrerkollegium noch bei den Schülern“, so Rektor Klaus Rechenberger.

Dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen, ist das Risiko für Ansteckungen traditionell höher. Im Kauferinger Seniorenstift beispielsweise hat die derzeitige Erkrankungswelle nicht unbedingt die Bewohner erfasst, sondern das Personal. „Mitarbeitermäßig sind wir an der Obergrenze. Viele haben Infekte“, sagt Einrichtungsleiterin Gabi Schüder. Insgesamt hat das Seniorenstift, wo 62 Bewohner leben, 120 Mitarbeiter. Davon seien derzeit zehn bis 15 Personen erkrankt. Kompensiert wird der Personalausfall mit Leihkräften über entsprechende Agenturen. „Wir stehen für Pflegequalität, die die Bewohner nicht ausbaden dürfen.“ Oberstes Gebot sei in diesen Tagen Händedesinfektion. „Das ist das A und O“, so Schüder.

Ein Ende der Grippewelle im Landkreis ist aber noch nicht in Sicht. Dr. Lorenz Schröfl: „Den März über wird sie uns noch beschäftigen.“ Allerdings sei eine Grippe keine Sache des Winters: „Die Influenza ist völlig unberechenbar.“

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