Newsticker
Bundesregierung stuft mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Ehepaar aus Egling fährt mit dem Rad einmal durch Deutschland

Egling

25.08.2020

Ehepaar aus Egling fährt mit dem Rad einmal durch Deutschland

Anton und Luitgard Ruile aus Egling sind vom südlichsten zum nördlichsten Punkt Deutschlands mit dem Fahrrad gefahren. Das Bild zeigt sie am Sylter Ellenbogen. 
Bild: Ruile

Plus Anton Ruile aus Egling fährt mit dem Rad von Oberstdorf nach Sylt. Seine Frau Luitgard begleitet ihn einen Großteil des Weges. Was das Ehepaar alles erlebt.

Einmal von ganz im Süden bis an den nördlichsten Punkt Deutschlands ist Anton Ruile aus Egling mit dem Rad gefahren. Einen Großteil der Strecke war er mit seiner Frau Luitgard unterwegs. Beide verzichteten bewusst auf elektrische Unterstützung. Bereits der erste Tag der Tour war eine ziemliche Herausforderung.

Da ging es vom Haldenwanger Eck – 22 Kilometer südlich von Oberstdorf – zurück nach Egling. „Es hat in Strömen geregnet den Tag, und es war mit 140 Kilometern ein sehr langes Teilstück. Ich war froh, als ich endlich daheim war“, sagt der 60-jährige Bauingenieur. Das Teilstück absolvierte er – der insgesamt 1400 Kilometer an 14 Tagen gefahren ist – alleine. Seine Frau begleitete ihn auf insgesamt 800 Kilometern des Weges und nahm teilweise den Zug.

Die Ehefrau trainiert ab April regelmäßig

Doch wie sind sie auf die Idee gekommen, Deutschland einmal zu durchqueren? „Ich bin vergangenen Dezember in einem Bericht auf den Mittelpunkt Deutschlands gestoßen. Dann habe ich mich gefragt, was der nördlichste und südlichste Punkt sind, und mir überlegt, dass ich die drei Punkte bei einer Tour abfahren könnte“, sagt Anton Ruile. Er hat auch in der Vergangenheit schon längere Radtouren gemacht und beispielsweise die Alpen überquert. Seine Frau trainierte ab April regelmäßig, um die Strecke zu schaffen, und machte Touren von 50 bis 60 Kilometern Länge. „Bei der Routenplanung habe ich ihm vertraut, dass er etwas raussucht, was ich auch schaffe.“

Von Egling bis Bamberg begleitete sie spontan ein Nachbar, der griff allerdings aufs E-Bike zurück. Das kam für das Ehepaar nicht infrage. „Ich finde es wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen“, betont die Übersetzerin für Englisch und Französisch. Jeweils mittags überlegten sie sich, wie weit sie an dem Tag noch fahren wollen und buchten übers Handy eine Unterkunft im entsprechenden Ort.

Die beiden hatten nur einen Rucksack dabei, der insgesamt sieben Kilogramm wog. Hinzu kamen zwei Wasserflaschen und etwas zu essen. „Mehr als zehn Kilogramm wollte ich nicht mitschleppen“, sagt Anton Ruile. Die Wäsche wurde jeden Abend unter der Dusche gereinigt. „Wir hatten viel Glück mit dem Wetter, sodass am nächsten Morgen immer alles wieder trocken war“, sagt seine 53-jährige Ehefrau.

1600 Höhenmeter auf dem Rennsteig bewältigt

Besonders gut gefallen hat es dem Ehepaar im bayerisch-thüringischen Grenzgebiet. Da gebe es viele kleine Städte wie Suhl oder Hildburghausen mit schönen Ortskernen, und die Qualität der Radwege sei sehr gut, betonen sie. Durch den Thüringer Wald zu fahren, sei aber auch anspruchsvoll. Insgesamt 1600 Höhenmeter bewältigte Anton Ruile während der 70 Kilometer langen Tagestour auf dem Rennsteig.

Dank einer auf dem Handy installierten App wurden ihnen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke angezeigt. Sie machten unter anderem auch in Eisenach Station und besichtigten die Wartburg, wo Martin Luther – getarnt als Junker Jörg – die Bibel übersetzte. Von dort ging es weiter nach Heiligenstadt-Flinsberg, eine der Gemeinden, die für sich beansprucht, der Mittelpunkt Deutschlands zu sein. Hintergrund ist, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, den Mittelpunkt zu berechnen.

In Heiligenstadt hatten die beiden ein Erlebnis, an das sie sich gerne zurückerinnern. Eigentlich hatten sie nur kurz angehalten, um sich zu orientieren, als ein Mann vorbeikam und seine Hilfe anbot. „Er hat uns dann bis Duderstadt begleitet und dank ihm sind wir in Teistungen am Grenzmuseum vorbeigekommen, dessen Ausstellung sich dem Alltag an der innerdeutschen Grenze widmet. Das lag ursprünglich nicht auf meiner Route“, so der Bauingenieur, der zusammen mit seiner Frau mehrere Huskies besitzt und mit den Tieren auch längere Touren macht, beispielsweise in Schweden.

Sie spielt mit dem Gedanken, sich in den Zug zu setzen

Im südlichen Niedersachsen hatte Luitgard Ruile dann das erste Tief. „Die Gegend um Sessen und Bockenem, am Rand des Harzes, war irgendwie trostlos von den Häusern und Gärten. Das hat uns nicht gefallen. Die Euphorie war deswegen bei mir nach einer Woche auch weg und ich habe mit dem Gedanken gespielt, mich in Hannover in einen ICE zu setzen und bequem und schnell zurückzufahren“, sagt sie. In Hildesheim habe sie sich eigentlich nur kurz eine Kirche ansehen wollen und sei dort wegen der „beeindruckenden Begegnung mit einem Lektor“ länger geblieben. Das Erlebnis habe ihr neue Kraft gegeben für die Radtour. Und so war sie auch beim Besuch der Verwandtschaft noch dabei, die in Buxtehude bei Hamburg lebt. Die Tour endete am Sylter Ellenbogen.

Und die Deutschlandtour der beiden hat noch einen positiven Nebeneffekt für den Eine-Welt-Laden in Egling, in dem sich Luitgard Ruile engagiert. Die 1400 Kilometer ihres Mannes honoriert die Raiffeisenbank Nordkreis Landsberg mit einer Spende von 25 Cent je gefahrenem Kilometer.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren