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08.02.2018

Ein Amerikaner in Landsberg

Eugene Hostetler begann im Alter von acht Jahren, Basketball zu spielen. Neben dem Sport glüht er für Amerika, Gott und seine Familie.
Bild: Peter Wilson

Porträt Auf den Spuren von Peter Wilsons „Landsberger Leuten“. Heute: Eugene Hostetler. Was Basketball mit Gott zu tun hat

Landsberg Es gibt doch nichts Spannenderes als den Menschen. Jeden Einzelnen. Seinen Lebensweg, seine Beweggründe, die Dinge zu tun, die er tut. Seine Sehnsüchte und Träume. All die großen und kleinen Geschichten. Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen, soll Arthur Schopenhauer gesagt haben. Da steht ein Mensch vor dir, einzigartig wie eine Schneeflocke, von denen es nicht zwei gleiche gibt. Wenn man Glück hat, zeigt er ein wenig von seiner Einzigartigkeit, vielleicht auf einen Foto von Peter Wilson, vielleicht in unserer Porträtserie auf den Spuren des stadtweit bekannten Fotografen mit seiner Reihe „Landsberger Leute“.

Durch die Tür kommt ein großer, sportlich aussehender Mann, lässig gekleidet. Ganz klar: ehemaliger Basketballspieler. Die langen, dunkelbloden Haare zum Zopf gebunden, ein Käppi mit dem Aufdruck „ USA“ tief ins Gesicht gezogen. Ein patriotischer Amerikaner? Auch das. Freundliche blaue Augen, ein leichter Akzent und dieser unvergleichlich offene Charme, wie ihn nur amerikanische Surfertypen haben. Eugene Hostetler lebt seit 20 Jahren in Deutschland, seit 2004 in Landsberg, hat 2015 eine Landsbergerin geheiratet. Neben seiner jungen Familie glüht er für drei Dinge: Basketball, Amerika und Gott.

1968 im kleinen Ostküstenbundesstaat Maryland geboren, aufgewachsen als Jüngstes von fünf Kindern einer (später) alleinerziehenden Mutter im Rustbelt-Staat Ohio. In einer ländlichen Gegend, die damit wirbt, hier sei alles etwas anders, langsamer, altmodischer, traditioneller. Ohio ist „Amish Country“. Alles, von Lebensmitteln bis zu Möbeln, wird hier „the old-fashioned way“ gemacht, wie vor 300 Jahren, ohne Strom, ohne elektrische Hilfsmittel. Eine tiefreligiöse protestantische Glaubensgemeinschaft, deren Wurzeln in der reformatorischen Täuferbewegung Süddeutschlands und der Schweiz liegen.

Auch Eugene Hostetlers Vorfahren sind 1738 aus der Schweiz dorthin ausgewandert. Noch vor der Geburt der Kinder verließen die Eltern die Amischen und wendeten sich dem mennonitischen Glauben zu, einer evangelischen Freikirche aus der Täuferischen Tradition, eng verwandt mit den Amischen, aber liberaler. Dieser Glaube wird Eugene Hostetler sein Leben lang begleiten, mit allen Höhen und Tiefen, und letztlich wird er ihm seine Frau Miriam bringen.

Doch der Reihe nach. Mit acht Jahren begann Eugene Basketball zu spielen, weil seine vier älteren Geschwister auch diesen Sport betrieben. Der Junge „leckte Blut“, es wurde „sein“ Sport. Er brachte ihm sogar Stipendien ein, um an verschiedenen Universitäten des Landes studieren zu können. Nach seinem Abschluss (vergleichbar in Deutschland in etwa mit „Soziale Studien“) arbeitete er zunächst fünf Jahre in Indiana in einer Psychiatrieklinik, bevor ihn ein Programm der mennonitischen Kirche nach Deutschland brachte. Da war Eugene 27 Jahre alt und gerade von seiner ersten Frau geschieden.

Sechs Monate arbeitete er im Rahmen dieses Programmes in der Nähe von Karlsruhe, dann bei Ingolstadt. Natürlich suchte er sich gleich einen Basketballverein, der ihn nach Ende seines einjährigen Aufenthalts einlud, professionell einzusteigen. Als Spieler und als Jugendtrainer. Über einen Pastor seiner Gemeinde kam er nach Dachau, spielte dort profimäßig für drei Jahre, wechselte nach Augsburg. Schließlich zeigte der DJK Landsberg Interesse an dem engagierten Sportler. Damals, so Hostetler, spielte Landsberg in der ersten Regionaliga, innerhalb von fünf Jahren waren sie viermal aufgestiegen. Ein Höhepunkt im Landsberger Basketballleben. Zurzeit ist Eishockey und American Football wieder angesagter, sagt Hostetler.

Über mehr als zehn Jahre pendelte er zweimal jährlich zwischen den USA und Deutschland hin und her. 2007 suchte er sich zusätzliche Hilfsjobs in Landsberg, wechselte in die Produktion eines medizintechnischen Betriebes in Türkenfeld und blieb von da an mit unbefristeter Aufenthaltsgenehmigung in Landsberg. Das Basketballspiel wurde weniger, „ich war 40, ich konnte nicht mehr so wie früher“. Es war auch eine Zeit, in der sein Glaube in den Hintergrund getreten sei.

Nach ein paar Jahren beschloss er, dass „Gott in meinem Leben wieder wichtig werden soll. Gott kennt unsere Herzen und unser Verlangen“, deshalb sei es kein Zufall, dass er kurz nach Eintritt in die hiesige evangelische Freikirche Vineyard, seine Frau Miriam kennenlernte und eine Familie gründete. Heute spielt seine 15-monatige Tochter Ella bereits mit einem kleinen Basketball und für August hat sich weiterer Nachwuchs angekündigt. Wer weiß, vielleicht wird Eugene Hostetler ja noch mal in das Jugendtraining einsteigen, wenn seine Kinder soweit sind.

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