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Landsberg

08.01.2019

Ein Hauch von Ostkirche in Landsberg

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Landsberg feiert mit ihrem Pfarrer Ioan-Petru Scripcinc regelmäßig Gottesdienste in der Landsberger Klosterkirche.
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Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Landsberg feiert mit ihrem Pfarrer Ioan-Petru Scripcinc regelmäßig Gottesdienste in der Landsberger Klosterkirche.
Bild: Julian Leitenstorfer

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde hat in der Landsberger Klosterkirche eine neue Heimat gefunden. Heilig-Drei-König ist für sie ein ziemlich wichtiger Tag.

Viel ist in den vergangenen Wochen über die Nutzung von Kirchenräumen in Landsberg gesprochen worden – speziell über die Klosterkirche, zu der es im Stadtrat den Vorschlag der Renovierung in Richtung Konzertsaal gab. Daraufhin wurde erstmals vonseiten der Stadtpfarrei Mariä Himmelfahrt erwähnt, dass ab sofort die Rumänisch-orthodoxe Gemeinde Landsberg diese Kirche nutzen dürfe. Das LT hat sich mit dem Gemeinderatsvorsitzenden Christian Napholcz unterhalten und am Dreikönigstag einen rumänisch-orthodoxen Gottesdienst besucht.

Christian Napholcz ist jung, 26 Jahre, und er hält seine zweijährige Tochter auf dem Arm. Zwei Kinder im Alter von einem und zwei Jahren hat der gebürtige Landsberger und Ingenieur, der bei einer Meitinger Chemiefirma in der Forschung und Entwicklung tätig ist. Die Familie wohnt in Landsberg. Er hat sich an unsere Zeitung gewandt, weil es ihm wichtig ist, welches Bild die Landsberger von der Gemeinde haben. „Wir sind keine Sekte“, betont er, „wir haben eine tausendjährige gemeinsame Geschichte mit den Katholiken.“ Und: „Wir wollen keine Fremden sein, sondern ein Teil der Gesellschaft, offen auch für Deutsche, Griechen, Bulgaren, alle, die Interesse haben.“

In der Vergangenheit mussten die Kirchenmitglieder weit fahren

Eine rumänisch-orthodoxe Gemeinde gibt es im Landkreis seit Ostern 2017. Davor mussten Mitglieder dieser Kirche nach München, Augsburg oder Kempten fahren, um an Gottesdiensten teilzunehmen. Zunächst fand man in Schwifting in der Margarethenkapelle einen ersten eigenen Raum. Nachdem die Gemeinde aber ständig wuchs, richtete die Gemeinde eine Anfrage an die Landsberger Stadtpfarrei. Stadtpfarrer Michael Zeitler sagte sofort zu. Die Klosterkirche ist seitdem eine – wenn auch noch unsichere – Heimat für die Kirchengemeinde. Auch bei Oberbürgermeister Mathias Neuner haben Pfarrer Ioan-Petru Scripcinc und Christian Napholcz schon vorgesprochen. Denn die Klosterkirche gehört der Stadt.

Wie viele Mitglieder die Landsberger Gemeinde hat, kann Napholcz schwer sagen, eine Registrierung ist gerade erst in Arbeit. Die Besucherzahlen zu den Hochfesten schätzt er auf 100 bis 150. Die Gemeinde besteht aus Rumänen, die selbst eingewandert sind, Deutsch-Rumänen und einigen aus anderen osteuropäischen Ländern. Die meisten in der Gemeinde sind junge Familien, die auf der Suche nach Arbeit hierher kamen.

Der Pfarrer ist der „Parinte“

„Unser Kirchenoberhaupt ist der Patriarch Daniel Ciobotea in Bukarest“, erklärt Napholcz die Struktur seiner Kirche. In Nürnberg ist der Metropolit (Erzbischof) für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, Serafim Joant. Es gibt einen Pfarrer als Gemeindeoberhaupt, der von den meisten „Parinte“ (Vater) genannt wird. In Landsberg ist das Ioan-Petru Scripcinc. Er pendelt für die Messen noch von Rumänien aus nach Landsberg, möchte sich aber langfristig hier ansiedeln.

Eines der Hochfeste in der Rumänisch-Orthodoxen Kirche ist das „Bobo Teaza“, die Epiphanie, am 6. Januar. Dabei wird an die Taufe Jesu im Jordan erinnert (bei den Katholiken ist das am 13. Januar), und es findet die große Wasserweihe statt. An diesem Tag geht der Pfarrer auch mit einem Ministranten von Haus zu Haus und segnet die Häuser mit dem Weihwasser – geräuchert wird nicht. Weitere Hochfeste sind Weihnachten, Ostern und Pfingsten, zum Teil zu anderen Zeiten als bei den Katholiken und Evangelischen. Zum Tag der Orthodoxie in der Fastenzeit gibt es eine Prozession mit Ikonen.

Im Gottesdienst gibt es auch Wein für die Gläubigen

Zum Hochfest der großen Wasserweihe hat die Gemeinde die Klosterkirche geschmückt, und man taucht unvermittelt in die Welt der Ostkirchen ein: Im Mittelgang und auf den Seitenaltären sind goldglänzende Ikonen aufgebaut, davor mit Sand gefüllte Schalen, in denen Dutzende lange honiggelbe Kerzen stecken. Die Bänke sind locker besetzt, es sind geschätzt etwa 80 Personen anwesend – viele Kinder, junge Erwachsene, kaum Ältere.

Der Priester steht mit dem Rücken zum Volk und spricht auf Rumänisch, während von einer Frauenschola liturgische Gesänge erklingen. Auch der Priester selbst singt – mit einer verblüffend weich schwingenden, dennoch kräftigen und klaren Baritonstimme, die ausgebildet klingt. Endlos scheinen dem westlichen Kirchenbesucher diese Gesänge. Derweil kommen immer wieder Gottesdienstbesucher nach vorne und zünden neue Kerzen an.

Der Festgottesdienst dauert fast drei Stunden

Zur Kommunion bekommen die Gläubigen – auch Kinder jeden Alters – mit Wasser versetzten Wein, in den Brot eingeweicht wurde, vom Priester mit einem Löffel verabreicht, Jesus Christus ist damit nach orthodoxem (wie auch römisch-katholischem) Verständnis im Gottesdienst gegenwärtig, so die . Eine Schale mit gesegneten Brotwürfeln steht daneben, manche nehmen sich davon etwas mit, in Tütchen verpackt. Zur Wasserweihe wird ein großes mit Wasser gefülltes Aluminiumfass, ähnlich einer Milchkanne, vor den Altarraum gestellt. Der Priester taucht seine Hand dreimal in das Wasser, betet und singt. Schließlich werden alle Gläubigen mit dem frisch geweihten Wasser besprengt. Das Vaterunser wird erst auf Rumänisch, dann aber auch auf Deutsch gebetet. Das Deutsche können allerdings nur wenige mitsprechen, auch wenn die meisten hier perfekt zweisprachig sind. Der Gottesdienst dauert zum Hochfest am 6. Januar rund drei Stunden, danach erhalten die Gläubigen den Segen und eine Flasche Weihwasser.

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