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Lumpiger in Landsberg

18.01.2018

Es bleibt dabei: Musik ja – Alkohol nein

Auf den Faschingswagen, die beim Umzug in Landsberg dabei sein wollen, gilt: Musik ja – Alkohol nein.
Bild: Thorsten Jordan (Archivfoto)

Die Stadt Landsberg verteidigt die Vorgaben für die Teilnehmer auf den Wagen. Es gab Absagen, aber auch spontane Rückkehrer.

Die Liebe zur Lechstadt hat Christian Ettenberger und seine Faschingsfreunde von „Ettis Bayernstüberl“ aus Hattenhofen (Kreis Fürstenfeldbruck) noch davon abgehalten, dem Landsberger Fasching heuer den Rücken zu kehren. „Wir haben in den sauren Apfel gebissen und fahren mit“, sagt er. Aber das neu eingeführte Alkoholverbot geht ihm gegen den Strich. Denn in Landsberg darf auf den Faschingswagen kein Bier mehr getrunken werden, woanders, sagt er, sei nur Schnaps verboten.

Wenn es mit Verboten und Auflagen so weitergehe, befürchtet Ettenberger, dann werde der Fasching bald sterben. Denn er habe auch keine Lust, als Verantwortlicher am Ende ein Bußgeld zahlen zu müssen, sollte jemand auf seinem Wagen das Alkoholverbot missachten. Immerhin seien ihm in diesem Fall von der Stadtverwaltung schon mal 200 Euro Bußgeld in Aussicht gestellt worden.

Sofort Konsequenzen gezogen

Christian Ettenberger macht aber auch klar, dass er manche Regeln beim Gaudiwurm durchaus richtig findet: „Das Flaschenverbot finde ich gut“, sagt er. Als das Bayernstüberl vor zwei Jahren zu Fuß unterwegs war, musste ein Teilnehmer mit Schnittverletzungen am Fuß ins Krankenhaus gebracht werden, weil er in Scherben getreten war. Auch die Lautstärke runterzudrehen, findet Ettenberger gut, habe er doch selber schon gesehen, wie sich Kinder wegen des Lärms die Ohren zuhielten. Ähnlich sieht das auch Alexander Englisch von „Pimp my Faschingswagen“ aus Olching, dem Vorjahressieger. Er und seine Mitstreiter ziehen aber sofort Konsequenzen: Sie machen um Landsberg einen Bogen und fahren nach Mindelheim, genauso wie eine zweite Gruppe aus Olching. Und Konrad Benner von den Haberfeldtreibern Gernlinden wird ebenfalls fehlen. Er meint: „Es ist schade, solche Konsequenzen daraus ziehen zu müssen, aber leider ist es so als Teilnehmer untragbar.“

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Andere wiederum zeigen offenbar Verständnis, nachdem der erste Ärger verraucht war. Gaudiwurm-organisator Anton Sirch: „Wir haben gestern bereits wieder erste Teilnahmebestätigungen nach den neuen Vereinbarungen bekommen.“ Auch der Chef einer Gruppe, die am Montag die Infoveranstaltung der Stadt vorzeitig verlassen hatte, meldete sich zurück. Anton Sirch: „Er selbst war nicht da gewesen und hat sich entschuldigt. Sie sind wieder dabei.“ Somit rechnet Sirch mit einem Faschingsumzug am Lumpigen Donnerstag, der aus 18 oder 19 Wagen besteht, und fünf Fußgruppen, darunter zwei Faschingsgarden.

Stadt trägt das Risiko

Noch einmal betont er: „Wir tragen als Veranstalter das Risiko und sind Ordnungsbehörde zugleich.“ Deren Chef, Ernst Müller, erklärt, dass er die Auflagen mit denen anderer Orte wie etwa Dachau abgeglichen hat. Dort gehe man sogar noch restriktiver vor, zum Beispiel was die Sicherung der Wagen angeht: „Bei uns reicht pro Seite eine Person, in Dachau muss jede Achse durch eine Person abgesichert sein.“

Im vergangenen Jahr sei der Alkoholkonsum bei einigen dieser Personengruppe hoch gewesen. „Einer war so blau, dass er nicht mehr laufen konnte.“ Der habe sich an den Faschingswagen gehängt und mitziehen lassen. Schon allein wegen Vorfällen dieser Art habe das THW geäußert, dass es so nicht mehr möglich sei, die notwendige Sicherheit aufrecht zu erhalten. Es wollte sich, sollte es zu keiner Organisationsänderung kommen, aus dem Ordnungsteam zurückziehen. Auch die Polizei ließ keinen Zweifel daran, dass sie die Sicherheit so nicht mehr gewährleistet sieht. Ernst Müller: „Es sind einfach zu viele Menschen auf begrenztem Raum.“ Vor allem treibt ihn die Sorge um die vielen Kinder um, die zwischen Absperrungen und Wagen hin- und herspringen und Süßigkeiten einsammeln. Die Kritik, dass woanders harte Alkoholika verboten seien, Bier aber nicht, lässt ihn kalt: „Was für den Alkoholpegel sorgt, ist letztlich egal.“

Zapfanlagen vorübergehend stilllegen

Ernst Müller ist der Überzeugung: „Die Wagen sind so professionell ausgestattet, dass wir die gleiche Professionalität in Bezug auf die Sicherheit verlangen dürfen.“ Dennoch seien ja Verständigungen ausgehandelt. So müssten die Zapfanlagen in den Wagen nicht ausgebaut, wohl aber vorübergehend stillgelegt werden – was auch kontrolliert werde. In der Ludwigsstraße, einer der Engstellen mit hohem Gefahrenpotenzial, wird das THW in diesem Jahr Absperrbaken aufstellen, um die Zugstrecke wie auch die Zuschauer abzusichern. Und was den Lärmpegel angeht, ist wiederum Dachau beispielgebend. Dort hätte man das Problem gelöst, indem die Lautsprecher nicht nach außen, sondern in den Wagen-Innenbereich ausgerichtet sein müssen: „Seither passt die Lautstärke.“ In Landsberg darf heuer noch nach außen „gesendet“ werden.

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