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Greifenberg

25.02.2020

Greifenberg: Der 100-Jährige und die Sache mit dem Hörgerät

Greifenbergs Zweiter Bürgermeister Hagen Adler (rechts) überreichte ein Präsent der Gemeinde. Martin Mielke (links) freut sich mit seinem Vater Kurt Mielke.
Bild: Romi Löbhard

Plus Kurt Mielke feiert im Seniorenheim in Greifenberg seinen 100. Geburtstag. Er hat viel erlebt, ist wohlauf und gesund. Was sich sein Sohn für ihn wünscht.

Seit Tagen schon stieg die Aufregung bei Kurt Mielke. Allen hat er es erzählt: Er wird 100 Jahre alt! Im Kreis von Familie und Bekannten feierte der hellwache Senior, der seit knapp einem Jahr im Seniorenheim Theresienbad in Greifenberg wohnt den Rutsch in die Dreistelligkeit. Sein größtes gesundheitliches Problem scheint das Gehör zu sein. Und deswegen hat sein Sohn Martin eigentlich nur einen Wunsch.

Und das Rezept für ein solch hohes Alter in geistiger Frische? Von gesundem Lebenswandel könne bei seinem Vater nicht unbedingt gesprochen werden, meint Sohn Martin, bei sechs Jahren Fronteinsatz, drei Jahren Kriegsgefangenschaft, 40 Jahren Raucher, null Sport. Wahrscheinlich seien gute Gene der Grund, gepaart mit wenig Alkohol, kaum Stress und Zufriedenheit mit dem geführten Leben.

Als Funker war er an vielen Kriegsschauplätzen

Kurt Mielke kam am 23. Februar 1920 in Koschütz im Kreis Deutsch Krone (heute Westpommern in Polen) zur Welt. Ein Jahr später zog seine Familie nach Danzig, dort wurden seine fünf Halbgeschwister geboren. Auf die Schule folgte eine kaufmännische Ausbildung. Die Arbeit in dem Beruf währte nicht lange, Kurt Mielke wurde eingezogen. Als Soldat, ab 1941 als Funker, verschlug es ihn an viele Kriegsschauplätze in halb Europa. Mielke überstand den Balkanfeldzug und Schlachten in Leningrad, Smolensk, Kiew und weitere.

Greifenberg: Der 100-Jährige und die Sache mit dem Hörgerät

Der katholische Pfarrer lehnte eine Trauung ab

Im Mai 1945 wurde er von tschechischen Partisanen festgenommen und an die Rote Armee ausgeliefert. Vom KZ Auschwitz aus erfolgte der Abtransport nach Sibirien und dort Zwangsarbeit. Von den Russen sei er meist gut behandelt worden, erinnert sich der Senior. Nach mehr als drei Jahren ging es zurück. Mielke fand zu seiner Familie, die mittlerweile in Polling lebte. In dem Ort lernte der evangelische Flüchtling Kurt seine katholische Klara kennen. Eine solche Hochzeit in einer katholischen Kirche? Das ging damals ja gar nicht. Der katholische Pfarrer lehnte die Trauung rundweg ab. Also wurde 1951 evangelisch geheiratet, und auch die beiden Kinder Silvia (1955) und Martin (1962) wurden evangelisch getauft.

Sein Berufsleben verbrachte Kurt Mielke zum allergrößten Teil am Arbeitsamt Weilheim, als Zuständiger für Arbeitslosen- und Kurzarbeitsgeld. Schnell entwickelte sich bei Familie Mielke Reisen als großes Hobby. Mielkes düsten zunächst mit dem Motorrad über Land. Erstes Ziel mit dem Auto und der gesamten Familie war Dänemark, erinnert sich Sohn Martin. Hauptreiseziele, egal ob mit Auto oder Flieger, seien Italien und Spanien gewesen.

Den Ruhestand genossen Kurt und Klara, die nach der Kindererziehung als Verkäuferin gearbeitet hatte, während vieler weiterer Reisen. 2011 konnte das Ehepaar Diamantene Hochzeit feiern, ein Jahr später starb Klara nach längerer Krankheit. Das sei schon ein Schock gewesen, die Lust am Leben war aber noch da. Der Senior lebte fortan allein und versorgte sich selbst.

Im Sommer lässt er sich gerne an den Dampfersteg fahren

Dass Kurt Mielke heute im Theresienbad lebt, sei eine glückliche Fügung, meinen Sohn Martin und Schwiegertochter Marlis, die in Utting leben. In dem Seniorenheim fühlt sich der Jubilar pudelwohl, nimmt an vielen Veranstaltungen teil. „Die Aktivitäten halten ihn jung.“ Mielke beobachtet und bestimmt die Vögel am Futterhäuschen auf dem Balkon, freut sich über die Besuche seiner Nachkommen. „Im Sommer lässt er sich gern zum Dampfersteg fahren, genießt Essen oder Kaffee bei Enkelin Lena im „Lenas am See“. „Nur schade“, meint Sohn Martin bedauernd, „dass er jegliche Art von Hörgeräten ablehnt.“ Das sollte sich der jetzt 100-Jährige noch mal überlegen.

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