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Dießener Töpfermarkt

14.05.2015

Große Schätze und kleine Lieblingsstücke

Ins Abstrakte gehen die großen Figuren von Ulrich Schumann aus Berlin-Pankow.
7 Bilder
Ins Abstrakte gehen die großen Figuren von Ulrich Schumann aus Berlin-Pankow.
Bild: Thorsten Jordan

Das Mekka der Keramik-Liebhaber am See ist heute im Regen eröffnet worden. 151 Aussteller aus zwölf Ländern zeigen ihre Erzeugnisse

Mit Ton kennt sie sich aus. Das bewies Schauspielerin Michaela May bei der Eröffnung des 15. Dießener Töpfermarkts am See. Eine große Ehre sei es für sie, diesen bedeutenden Markt zu eröffnen und sie tat das kurzweilig und kenntnisreich mit einem Blick auf ihre Familiengeschichte - die Schauspielerin entstammt einer bekannten Hafner-Familie. Mit ihrem Strahlen glich die Schauspielerin das Fehlen der Sonne aus, denn gerade bei der Markteröffnung goss es in Strömen. Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch: „Regen sind wir ja gewöhnt, aber dass es derart gießt, ist ein Novum“.

Umso mehr freue er sich, Michaela May als „alte Ammerseerin“ dabei zu haben. Traditionell hatten die Ehrengäste am Morgen des ersten Markttages schon auf dem Raddampfer gefrühstückt. Neben Michaela May wurden unter anderem gesichtet: die Landtagsabgeordneten Thomas Goppel und Ludwig Hartmann, Landrat Thomas Eichinger sowie die Landkreis-Bürgermeister Alexander Herrmann (Schondorf) und Josef Loy ( Eresing). An der Anlegestelle wurden sie in bewährter Weise von den Dießener Trachtlern begrüßt.

151 Aussteller aus zwölf europäischen Ländern – die Jury musste aus 360 Bewerbern auswählen – zeigen noch bis Sonntag ihre Kunst in Dießen auf einem der wichtigsten und umsatzstärksten Märkte Europas. Jedes Jahr wechselnde Aussteller sorgen für neue Anregungen, Impulse und Begegnungen.

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Im zentralen Ausstellungspavillon geht es heuer um „Dosen und Container“. „Das ist unser zentraler Punkt im Gelände, hier kann jeder Aussteller ein Exponat einbringen. Dadurch hat am hier den besten Überblick über Stile und Formen und kann seinen Marktrundgang planen“, empfiehlt Wolfgang Lösche. „Dosen und Container“ werden vielfältig interpretiert: Große, kleine, dicke und dünne, mit Henkel oder Deckel – die Ausstellung zeigt eine gewaltige Vielfalt. Zuckerdosen, Butterdosen (auch zum Kühlen), Pillendöschen, innen glasierte Gefäße zum Aufbewahren von Vorräten im Haushalt, filigrane vergoldete Döschen für den Familienschmuck …

Die 15 neuen Werkstätten fallen mit interessanten Werkstattstilen und zeitgenössischen Formulierungen ihres handwerklichen und künstlerischen Tuns auf. Einige sprechen mit teilweise extremer Modernität vor allem auch junge Menschen an. Aber auch ganz traditionelles Gebrauchsgeschirr ist wieder zu haben. Insgesamt bietet der Markt die größte denkbare (Keramik-)Vielfalt.

Auf dem Rundgang fallen die Arbeiten des in Spanien lebenden Jörg Baumüller auf; sie bestechen durch metallisch wirkende Kristallglasuren, die auf Keramikoberflächen gezüchtet werden und „unglaubliche Effekte erzielen“, wie Wolfang Lösche erklärt. Der Franzose Eric Astoul ist nach acht Jahren wieder vertreten, unter anderem schafft er zweckfreie Plastiken, die an geologische Formationen erinnern.

Im Gegensatz dazu stehen Heide Nonnenmachers extrem filigrane Porzellanobjekte, bestehend aus Porzellanspänen, die leicht und fedrig wirken. Viel Gold gibt es dieses Jahr zu sehen, etwa bei Lidwina Scherrer und Pat Bennet aus der fränkischen Schweiz, die Schmuck und Geschirr herstellen. Das flüssige Gold wird beim dritten Brand aufgetragen und verbindet sich mit der Keramik; das Geschirr ist spülmaschinenfest.

Silbertöne verarbeiten dagegen Vladimír Groh und Yasuyo Nishida aus Tschechien in ihren außergewöhnlichen grauweißen Gefäßen, die nur ab und zu von einem Farbton unterbrochen werden. Mit ihren pastelligen Tönen fallen die Gefäße des Innsbruckers Thomas Berktold ins Auge, während der Franzose Alain Fichot seine Kristallglasuren in edlem Weinrot und Braun hält.

Die Keramikwerkstatt von Eva von Ruckteschell aus der Nähe von Freiburg besticht mit Kreationen für Haus, Hof und Garten: Blumenkästen, Gartentischchen, Fliesen und schmalen Heizkaminen in außergewöhnlichen Farben – taubenblau, weinrot und braunbeige dominieren. Fürs Haus sind auch die Waschbecken von Hanno Leischke, gefertigt in seinen Werkstätten in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Groß ist auch das Interesse an Ausbildungseinrichtungen: Erneut ist Professor Dr. Kerstin Abraham von der Muthesius Kunsthochschule Kiel mit einer Projektgruppe in Dießen. Die Schulen von Landshut und Höhr-Grenzhausen informieren über keramische Berufsbilder.

Dass schlechtes Wetter echten Keramikfreunden nichts ausmacht, zeigten die langen Autoschlangen, die sich am Donnerstag aus allen Richtungen Richtung Dießen bewegten. Besonderes Pech hatte allerdings die Dießener Werkstatt Hudler von Gabriele Buchner. Ihr Stand wurde in der Nacht zum Donnerstag vom Sturm zerstört. „Der Stand machte förmlich einen Purzelbaum nach hinten“, so Marktleiter Lösche. Buchner bekam Hilfe von ihrer Schwester Gudrun Näther und Peter Raithel, die den Stand wieder aufgerichtet und die Scherben eingesammelt haben. „Eine große Kiste Bruch haben wir leider“, so Näther. Aber Scherben bringen ja bekanntlich Glück und so macht vielleicht ein gutes Marktgeschäft den Schaden wieder wett.

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