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Riederau

27.03.2019

Im Riederauer Senioren-Landhaus wird ausgeräumt

Die letzten Bewohner des Senioren-Landhauses in Riederau sind schon in der vergangenen Woche ausgezogen. Momentan räumen Leiterin Andrea Ferlings (links) und Pflegedienstleiterin Manuela Stork das Gebäude.
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Die letzten Bewohner des Senioren-Landhauses in Riederau sind schon in der vergangenen Woche ausgezogen. Momentan räumen Leiterin Andrea Ferlings (links) und Pflegedienstleiterin Manuela Stork das Gebäude.
Bild: Thorsten Jordan

Die letzten Bewohner und Mitarbeiter der Riederauer Pflegeeinrichtung sind weg. Bis wann der Insolvenzfall abgeschlossen werden kann, ist unklar.

Still ist es im Senioren-Landhaus in Riederau geworden. Die 26 Bewohner leben inzwischen in anderen Pflegeheimen, neben Geschäftsführerin Andrea Ferlings ist noch eine Mitarbeiterin im Haus, um den Betrieb abzuwickeln. Zum Monatsende ist in der einst bei Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen sehr beliebten Einrichtung endgültig Schluss – zumindest, was das „operative Geschäft“ betrifft, wie sich Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn ausdrückt. Wann das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist und alle juristischen Streitigkeiten zwischen Betreiber, Verpächter und den Bauverantwortlichen abgehakt werden können, sei jedoch noch nicht absehbar.

Eine ehemalige Mitarbeiterin hatte uns über die Zustände in der Einrichtung berichtet: Insolventes Seniorenheim: Jetzt packt eine Altenpflegerin aus

Das für die bisherige Leiterin des Seniorenlandhauses wichtigste Thema ist, dass alle Bewohner trotz allgemein knapper Pflegekapazitäten andernorts aufgenommen werden konnten. „In der letzten Woche sind die letzten Bewohner in andere Heime umgezogen. Wir können hoch erhobenen Hauptes hier rausgehen“, fasste Ferlings gegenüber dem LT zusammen.

Im Riederauer Senioren-Landhaus wird ausgeräumt

Ein Bewohner lebt jetzt in Leipzig

Zahlreiche Landhaus-Bewohner hätten im Landkreis Weilheim-Schongau eine neue Bleibe gefunden. Allein sechs seien in einem Seniorenzentrum in Penzberg untergebracht worden, erzählt Ferlings. Gerade von dort habe man viel Unterstützung erfahren. Auch drei Pflegekräfte aus dem Senioren-Landhaus seien nach Penzberg gegangen. Ihre eigene berufliche Zukunft lässt Ferlings offen. Sie habe noch keine Zeit gehabt, darüber nachzudenken, sagt die ausgebildete Altenpflegerin, gerontopsychiatrische Fachkraft und Kauffrau. Es gebe auch etliche Beschäftigte, die noch keinen neuen Vertrag unterschrieben haben. Viele der einstmals 26 Mitarbeiter hätten sich bewusst eine neue Arbeit außerhalb des Landkreises Landsberg gesucht – aus Enttäuschung darüber, wie das Landratsamt im Falle des Senioren-Landhauses gehandelt habe.

Anfang Februar hatte es vor dem Landratsamt eine Demo gegeben:

Senioren, Angehörige und Pflegekräfte demonstrieren vor dem Landratsamt Landsberg. Sie sind gegen eine Schließung des Senioren-Landhauses Riederau.
Video: Stephanie Millonig

Andrea Ferlings und ihre Mitarbeiter hatten im Februar vor dem Landratsamt demonstriert, weil sie sich in ihrem Bemühen, die Pflegeeinrichtung weiterzuführen, nicht genügend unterstützt fühlten. Das Landratsamt hatte zwar Umbau und Erweiterung der Pflegeeinrichtung baurechtlich genehmigt, später wurden aber bauliche Mängel offenkundig. Diese führten dazu, dass die Räume nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden konnten. Während Ferlings auf die Landkreisverwaltung weiterhin nicht gut zu sprechen ist, lobt sie aber auch die Unterstützung durch den Leiter der Seniorenheime des Kreises, Thomas Söldner. „Das war toll und ganz unbürokratisch.“ Denn auch das Seniorenheim Theresienbad habe einige Landhaus-Bewohner aufgenommen. Im Awo-Pflegeheim in Dießen seien ebenfalls Bewohner untergekommen. Ein Bewohner habe jedoch einen richtig weiten Umzug auf sich nehmen müssen. Auf Wunsch der Angehörigen werde dieser künftig in einer Einrichtung in Leipzig betreut.

Die Übergabe an die Eigentümer ist noch offen

Wenn Ferlings mit ihrer letzten Mitarbeiterin das Haus im Riederauer Malerweg am Ende der Woche räumt, ist das Kapitel Senioren-Landhaus aber noch nicht ganz abgeschlossen. Wann die Übergabe an die Eigentümer erfolgen soll, sei noch offen, sagt Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn. Er macht der bisherigen Leiterin der Einrichtung schon jetzt ein großes Kompliment: Sie habe das alles „ganz toll gemacht“, sagt er und spricht von „einer ganz geordneten Insolvenz“.

Als Nächstes, kündigt Stemshorn an, werden die aus dem Eigentum der Betreiberfirma noch vorhandenen Möbel und sonstigen Ausstattungsgegenstände „verwertet“. Der Erlös sei dann den noch vorhandenen Gläubigeransprüchen gegenüberzustellen. Bis das alles geklärt ist, kann es noch eine längere Zeit dauern. Wie hoch diese sind, hänge auch noch davon ab, ob und wie sich Betreiberfirma und Eigentümer des Landhauses einigen.

Die Investorensuche war vergeblich

Und dann liegen die Eigentümer auch mit dem Architekten und dem Bauleiter im Streit. Dabei geht es um die Frage, ob und welche Baumängel diese zu verantworten haben. Vor diesem Hintergrund stehe der zweite Bauabschnitt des Pflegeheims seit eindreiviertel Jahren leer, erklärt der Geschäftsführer der Hausverwaltung, die das Objekt für die Eigentümerfamilie betreut.

Das Gutachten, das im Rahmen eines gerichtlichen Beweissicherungsverfahrens beauftragt wurde, liege seit der vergangenen Woche vor, heißt es vom Hausverwalter weiter. Die Eigentümer seien auch weiterhin daran interessiert, die Immobilie als Pflegeheim, alternativ auch für eine Tagespflegeeinrichtung zu nutzen, betont der Hausverwalter. Jedoch müsste zunächst einmal die bauliche Situation geklärt werden. Man sei deswegen auch im Kontakt mit der Heimaufsicht im Landratsamt.

Demnächst werde aber wohl die Stilllegung des Pflegeheims erklärt werden, deutet Insolvenzverwalter Georg Jakob Stemshorn an. Die aktive Suche nach Investoren, die den Betrieb weiterführen wollen, wurde bereits vor einigen Wochen eingestellt. Theoretisch könnte der Betrieb noch weitergeführt werden, meint Stemshorn, spätestens dann aber, „wenn keine Betten mehr im Haus sind, wird es schwierig“. Und er fügt an: „Wenn jemand das Heim aus dem laufenden Betrieb heraus übernommen hätte, wäre es leichter gewesen. Ein Neustart dürfte schwerfallen.“

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