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Landsberg

08.05.2020

In Corona-Zeiten wird oft ohne Begleitung gestorben

Hospizhelfer begleiten Sterbende und deren Angehörige. Beim Hospiz- und Palliativverein Landsberg gibt es 90 von ihnen. Wegen der Corona-Auflagen können sie derzeit ihrer ehrenamtlichen Arbeit aber nur sehr eingeschränkt nachgehen. 
Bild: Sebastian Kahnert/dpa (Symbolfoto)

Plus Gerade die Menschen, die geschützt werden sollen, werden allein gelassen. Denn Hospizhelfer dürfen sie auch im Landkreis Landsberg nur in Ausnahmefällen betreuen.

Landsberg Konzert, Theater, Flohmarkt – alles wird abgesagt. Doch Sterben, Tod und Trauer lassen sich nicht absagen. Sie finden weiterhin statt, und das oft unbemerkt und unbegleitet, allein. Zu Hause oder im Heim. Wo früher Freunde, Nachbarn, Angehörige oder Hospizhelfer zur Seite standen, Nähe und Mitgefühl spendeten, ist ein Vakuum entstanden durch die coronabedingten Verordnungen. Wer schon einmal beim Sterben mit dabei war, weiß, dass ganz zum Schluss nur noch eine warme Hand bleibt. Doch selbst die fehlt in vielen Fällen. Und das schmerzt die vielen Hospizbegleiter im Landkreis Landsberg.

Es gibt erste Lockerungen

Seit Corona dürfen Hospizhelfer weder in Heimen noch ambulant betreuen. Ein schmaler Weg zu mehr Menschlichkeit hat sich nun wieder durch erste kleine Lockerungen aufgetan. Bei „begründeten Einzelfällen“ dürfen sie zu Hause bei den sterbenden Menschen wieder unterstützen. Über Auslegung und Ablauf unter Beachtung der aktuellen Vorschriften berät sich derzeit der Hospiz- und Palliativverein Landsberg. Wichtig dabei sei, dass Vorstand und Koordinatoren eine gemeinsame Linie finden, sagen Koordinatorin Tina Dengel und Roswitha Schmidbaur vom Vorstand.

Roswitha Schmidbaur und Tina Dengel (von links) vom Hospiz- und Palliativverein Landsberg.
Bild: Dagmar Kübler

„Viele Hospizhelfer scharren mit den Hufen, sie wollen Betroffene weiter betreuen“, sagt Dengel. Jedoch gelte es auch, das Ansteckungsrisiko der Ehrenamtlichen, die zum Teil auch zur Risikogruppe zählen, zu minimieren. Momentan behelfe man sich, wo Betroffene noch dazu in der Lage sind, mit Telefonieren und Karten schreiben. Verschärft wird die Situation, dass Angehörige mit den Sterbenden zu Hause allein gelassen werden, durch den verordneten Aufnahmestopp in Heimen. Oft helfe ihnen schon ein Telefonat oder die Vermittlung von Kontakten, zum Beispiel zum Ambulanten Palliativ Team, mit dem der Hospizverein eine enge Zusammenarbeit pflegt, so Dengel.

Auch mit Heimen sei man in Kontakt, jedoch wollten diese nach wie vor vermeiden, dass mehr Besucher kommen, so Schmidbaurs Erfahrung: „Mir tut es im Herzen weh, dass wir gerade in dieser Situation nicht da sind.“ Dengel gibt zu bedenken, dass das Pflegepersonal vielerorts bereits vor „Corona“ am Limit war. Es gäbe sein Bestes, jedoch fehlten nun auch Hospizhelfer und Angehörige, die normalerweise zur Entlastung beitrügen. Lockerungen vom Besuchsverbot, um beispielsweise Hospizbegleitern wieder die Möglichkeit zu geben, Sterbende zu besuchen, hat das Bayerische Gesundheitsministerium erlassen. Jedoch kann jede Einrichtung selbst entscheiden, wie sie damit umgeht.

Vor „Corona“ wurden stets rund 30 Menschen begleitet, insgesamt 120 sind es jährlich. 90 Hospizbegleiter hat der Verein inzwischen ausgebildet. Wer immer einen Bedarf in seinem Umfeld sieht, ruft an, die Koordinatorinnen stellen eine Anamnese und überlegen sich, welcher Hospizbegleiter am besten zu dem sterbenden Menschen passt. Jetzt ist ein großer Teil der Betreuungen weggebrochen, was nicht nur Leid auf beiden Seiten verursacht, sondern auch finanzielle Nöte. Der Hospizverein finanziert sich durch Kassenzuschüsse, die jeweils im Folgejahr bezahlt werden für geleistete Betreuungen, sowie durch Spenden. Spenden sind rückläufig, die fehlenden Kassenerstattungen werden sich im nächsten Jahr deutlich bemerkbar machen, so Schmidbaur. Vorstand Erich Püttner sei deshalb mit dem Hospizverband und dieser mit den Kassen in Verhandlungen.

Trauerarbeit nur am Telefon

Der Hospizverein hofft nicht nur auf finanzielle Unterstützung, sondern auch auf weitere Lockerungen bei den Ausgangsbeschränkungen. Dann wären vielleicht auch kleine Trauergruppen wieder möglich. Trauerarbeit ist ein weiterer Bereich, den der Verein leistet – derzeit telefonisch. Dabei sei der Bedarf höher denn je, denn durch fehlende Rituale wie eine gewohnte Beerdigung oder ein Leichenschmaus könne Trauer nicht geteilt und nicht darüber gesprochen werden, erzählt Schmidbaur.

Telefonieren könne niemals die Ausstrahlung ersetzen, die jeder Mensch mit in einen Raum bringe und die Nähe entstehen lasse. Jedoch sei telefonieren derzeit das Gebot der Stunde, und deshalb ist das Büro des Hospizvereins auch montags bis donnerstags von 9 bis 13 Uhr und donnerstags von 15 bis 18 Uhr besetzt; der Anrufbeantworter wird auch am Wochenende abgehört.

Lesen Sie dazu auch: Sterben in Corona-Zeiten: Wenn der letzte Weg aus Einsamkeit besteht

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